Lampertheim

Landtagswahl Nach den Berliner Scharmützeln / Für 25 Lampertheimer Wahlbezirke fehlen noch knapp 20 Wahlhelfer

„Es wird immer schwieriger“

Archivartikel

Lampertheim.Man habe zu wenig darüber nachgedacht, was die Menschen bewegt. Mit diesem Eingeständnis hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die jüngsten Irrungen und Wirrungen in Berlin entschuldigt. Ob die Entschuldigung in den Kommunen ankommt, bleibt abzuwarten. Doch für die hessischen Landtagswahlen am 28. Oktober verheißen die Scharmützel um Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen nichts Gutes.

Auf den Wahlplakaten blickt der Lampertheimer SPD-Landtagskandidat Marius Schmidt jugendlich-unbelastet in eine imaginäre Zukunft. Die Mimik soll Zuversicht ausstrahlen – doch wie es in den Herzen der Kandidaten jener Regierungsparteien, die einander in herzlicher Abneigung zugetan sind, tatsächlich aussieht, lässt sich nur ahnen. Auch wenn Wiesbaden weit weg ist von Berlin, so werden jene, die um ein Mandat im hessischen Landtag streiten, voraussichtlich auch die Suppe auszulöffeln haben, die ihnen die Bundespolitik eingebrockt hat.

Bislang magere Resonanz

Diese problematische Kausalität ließe sich allenfalls an der Wahlurne auflösen – wenn denn nicht auch das Wahlvolk am politischen Betrieb verzweifelte. Der Lampertheimer Wahlsachbearbeiter Frank Schollenberger hat da durchaus seine Bedenken; von einem „Run“ auf die Briefwahlunterlagen, die seit 19. September ausgegeben werden, könne jedenfalls keine Rede sein. Einige Anträge wurden von in Spanien lebenden, aber in Lampertheim gemeldeten Bürgern geordert. Auch die Wahlkabine im Bürgerservice im Haus am Römer, wo man schon vor dem 28. Oktober seine Stimme abgeben kann, erfreut sich bislang keiner großen Resonanz.

Womöglich kommt die Briefwahl auch erst in Schwung, wenn die Wahlbenachrichtigungen in die Haushalte geschickt wurden, vermutet Schollenberger. Seit Montag werden die Briefe versandt. Wer sich für eine Briefwahl entscheidet, könnte möglicherweise im Vorteil sein. Denn zusammen mit dem Wahlschein bekommen die hessischen Wähler am 28. Oktober auch eine Liste mit Abstimmungen über die Landesverfassung vorgelegt.

Darin können sie über insgesamt 15 Änderungen befinden, sowohl einzeln als auch en gros. „Wer die Stimmzettel am Wahltag zum ersten Mal zu sehen bekommt, wird überrascht sein“, empfiehlt Wahlsachbearbeiter Schollenberger, sich auf der Internetseite der Landesregierung – sie ist mit der städtischen Homepage verlinkt – rechtzeitig über die Inhalte der Volksabstimmung zu informieren. Während mit der Auszählung der Stimmen zum Landtag noch am Wahlabend begonnen wird, werden die Ergebnisse der Volksabstimmung erst am Montag ausgewertet.

225 Wahlhelfer – je neun Personen in einem der insgesamt 25 Lampertheimer Wahlbezirke – werden am 28. Oktober im Einsatz sein. Ende Juli wurden die Berufungsschreiben versandt, 36 Absagen musste der Wahlsachbearbeiter nachberufen. Derzeit muss er noch knapp 20 Stellen besetzen. „Es wird von Wahl zu Wahl schwieriger, Wahlhelfer zu finden“, sagt Frank Schollenberger. Selbst Kommunalpolitiker ließen sich nicht mehr ohne weiteres dazu verpflichten, diesen zusätzlichen ehrenamtlichen Dienst zu versehen.

Bei der Landtagswahl findet erstmals in Lampertheim in zwei Wahllokalen – Schillerschule und Grundschule Hüttenfeld – eine repräsentative Auswertung des Wählerverhaltens statt. Hierbei werden zusätzliche und anonym bleibende Wählerdaten eingeholt, die die Stadt anschließend ans Statistische Landesamt schickt. Hierdurch wird der Urnengang in den beiden genannten Wahllokalen etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen, kündigt Frank Schollenberger an.

Außerdem wird das Umfrageinstitut Infratest dimap in der Mensa der Alfred-Delp-Schule sowie im Bürgerhaus Hüttenfeld Wähler direkt nach dem Urnengang befragen, ebenso wie die Forschungsgruppe Wahlen im Bauhof und in der Kinderkrippe Zauberwald. Die Aussagen werden für die erste Hochrechnung kurz nach Schließung der Wahllokale benötigt.

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