Lampertheim

Freizeit Familienerlebnis-Radroute-Ried führt über 65 Kilometer durch Lampertheim, Bürstadt, Biblis, Einhausen und Groß-Rohrheim

„Etwas für Natur und Heimat tun“

Neuschloß/Ried.Warum in die Ferne reisen, wenn das Gute liegt so nah? Was schon Goethe wusste, soll auch für die neue „Familienerlebnis-Radroute-Ried“ gelten. Mit dem abgewandelten Zitat haben die beteiligten Kommunen vor dem Beamtenbau in Neuschloß ihr neues Gemeinschaftsprojekt vorgestellt: Eine 65 Kilometer lange Radschleife, die auf bestehenden Wegen durch Naturschutzgebiete, Wald und über Felder führt und Lampertheim, Bürstadt, Biblis, Einhausen und Groß-Rohrheim miteinander verbindet. Das soll insbesondere für Familien und Ausflügler Anreize setzen, um die heimischen Gefilde per Drahtesel zu erkunden.

Bei strahlendem Sonnenschein über grüne Weschnitzauen oder über den Bauernmarkt rollen, vorbei an der „Gurkenfrau“, entlang des Altrheindamms bis zum Schwimmbad fahren oder auf ein Eis in die Stadt – so stellen sich die Stadtoberhäupter einen Ausflug auf der neuen Route vor. „Man muss nicht immer die Räder auf den Gepäckträger spannen, um eine schöne Radtour machen zu können“, sagte Friedhelm Höcker. Der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Bergstraße (ADFC) lobte die Kommunen für die Verknüpfung und Beschilderung der bestehenden Radwege. Sein Verein will, genau wie viele andere Anbieter für Routenplaner, die Strecke in seine Pläne aufnehmen. Für die Zielsetzung, Familien und Radreisende im Ried zu halten oder sie dorthin zu locken sei das „besonders wertvoll“, betonte Lampertheims Bürgermeister Gottfried Störmer.

Bereits im vergangenen Sommer hat er gemeinsam mit Bürstadt und Einhausen eine neue „Rheinschleife“ eingeweiht, die in eine ähnliche Kerbe schlug. Die Grundidee geht noch auf den ehemaligen Bibliser Bürgermeister Felix Kusicka zurück. Seine Vorstellung: eine stärkere Verbindung von Lorsch bis nach Worms und Lampertheim. Zwar reicht die nun vorgestellte Erlebnisroute nicht ganz bis nach Lorsch, doch verbindet sie die Riedkommunen mit den Zwischenstücken Neuschloß, Nordheim und Wattenheim auf besondere Weise – auch, wenn es die Wege bereits gab. Hunderte kleine quadratische Schilder mit dem Logo dreier weißer Radfahrer auf grünem Grund weisen nun entlang der 65-Kilometer auf die Strecke hin.

Auf befestigten Wegen

Als Startpunkt des Rundkurses, der auf „hervorragend befestigten“ Wegen verlaufen soll, ist Einhausen geführt. Von dort aus geht es entlang der Weschnitz und durch ein Waldstück nach Groß-Rohrheim. Nach einem Abstecher ans Rheinufer schickt die Route Pedalritter zurück gen Süden nach Biblis und über Nord- und Wattenheim zurück an den Rhein. Dem Fluss folgend führt die Schleife nun an Rosengarten vorbei nach Lampertheim, wo die Strecke am Badesee kehrt macht.

Über Neuschloß können die Radler mit Blick auf den Beamtenbau in den Wald abbiegen und gelangen via Boxheimer Hof nach Bürstadt. Nach einem Schlenker zur „alla-hopp!“-Anlage weisen die Schilder zurück nach Riedrode und Einhausen. So soll die topfebene Strecke Pedaleuren „die Geschichte und Schönheit des Rieds“ zeigen. Gerade die Fahrt mitten durch vielfältige Natur ist dabei Trumpf. Die Route führt entlang zahlreicher Auen und durch das Naturschutzgebiet Lampertheimer Altrhein, hält aber gleichzeitig landwirtschaftliche Nutzflächen und auch Waldstücke bereit.

Die Rathauschefs wollen aber nicht nur mit Natur-pur glänzen. Stattdessen macht die Route immer wieder Abstecher mitten in die Ortschaften. Davon erhoffen sich die Verantwortlichen einen Mehrwert für Gastronomie und Hotellerie. „Auch unsere kleinen Orte sind sehenswert“, betonte Rainer Bersch aus Groß-Rohrheim. Man habe die Strecke bewusst nicht vorbei an den Kommunen geführt. „So sind auch Etappenfahrten ganz einfach möglich“, erklärte Biblis‘ neuer Bürgermeister Volker Scheib mit Blick auf die Bahnhöfe.

Neu sind die Wege zwar nicht – dennoch sei die Ausarbeitung mit Aufwand verbunden. Für das Projekt wurde eine eigene Broschüre mit Internetauftritt aufgelegt. Der ist wiederum mit Veranstaltungskalendern verknüpft, auch in einschlägigen Navigationsprogrammen sei die Route integriert. Die GPS-Daten sind außerdem über www.familienerlebnisradtoure-ried.de abrufbar.

Die Kosten von rund 80 000 Euro seien größtenteils durch Landesförderungen abgedeckt, wie Störmer erklärte. Die Kommunen hätten einen „überschaubaren Beitrag“ leisten müssen. Auch deshalb waren alle stolz auf das Projekt. „Das ist doch die beste Zeit, um etwas für Natur und Heimat zu tun“, betonten Bürstadts Walter Wiedemann und Einhausens Helmut Glanzner gleichermaßen. ksm

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