Lampertheim

Vernissage Künstlerin berichtet, wie sie die Depression überwand

Farbe vertreibt Staub von der Seele

Lampertheim.Sich auf eine Forscherreise zu begeben – das empfahl Künstlerin Silke Gerbershagen den Vernissage-Besuchern im Haus am Römer. „Traut euch hinein in eine eigene Bilderwelt“, lockte sie und war gespannt, was die Betrachter in die 36 Werke, die sie mit Acryl und Öl erarbeitet hatte, hineininterpretieren würden.

Die Pfälzerin aus Edenkoben befindet sich – nach ernster Krankheit – wieder auf der Sonnenseite des Lebens. „Auf der bunten Seite“, wie sie selbst zu sagen pflegt. Gerbershagen verweist damit auf die bunten getupften Kreise, die durch ihre Farbigkeit und die Technik lebendig, hell und heiter wirken. Eine Kunsttherapeutin half ihr, viel über ihre eigene Person zu erfahren, Altlasten abzubauen und sich künstlerisch sowie seelisch zu entfalten. Deshalb nennt die Edenkobenerin ihre Ausstellung „Menschen – Begegnungen – Veränderungen“.

Gefühle auf Leinwand übertragen

Zur Eröffnung kamen die städtischen Mitarbeiter Gaby Wesp und Manfred Scholz, Bürgermeister Gottfried Störmer und der Erste Stadtrat Jens Klingler. In der vorangegangenen Pressekonferenz hatte Gerbershagen offen über ihre Depression gesprochen. Diese Erkrankung habe sich früher auf ihr Denken, Fühlen, Handeln und auf ihre Körperfunktionen negativ ausgewirkt und somit erhebliches Leid verursacht.

Dann aber habe sie ihre Gefühle, ihr ganzes Seelenleben, auf Leinwand übertragen und sich so von ihren Lebensproblemen befreit. Die Kunsttherapie wirke wie eine psychotherapeutische Behandlung, die ihre Kreativität geweckt und dazu beigetragen habe, die seelische Gesundheit zu verbessern.

Die Betrachter sollten sich auf die Figuren, die auf den Bildern zu sehen sind, konzentrieren, denn diese seien oftmals Wegbegleiter von ihr und besäßen eine Aussage. Die Geschöpfe wurden einmal in beschützender und ein anderes Mal in einer bedrohlichen Pose dargestellt. In vielen Bildern hat sich die Künstlerin selbst wiedergegeben. Jeder Betrachter solle die Situation selbst deuten, so Gerbershagen. Die Problem-Figuren sind dunkel gemalt, die positiven etwa in einem strahlenden Blau.

Wenn Gerbershagen ein neues Werk beginnt, malt sie zunächst mit schwarzer Farbe vor. Nach der Grundierung wendet sie die Spachtel- und Tupftechnik mit Strukturpaste an und schafft damit spannende Oberflächen und ein leuchtendes Farbenspiel. Anfangs wählte die Künstlerin für ihre Bilder ein helles Grün, später griff sie zu warmen Erd-Tönen. Diese seien beruhigend. Die Farbe Türkis schließlich wecke gute Laune. Silke Gerbershagen zitierte treffend den berühmten Pablo Picasso: „Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele.“ roi

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