Lampertheim

CCRW Erika Günderoth fertigt seit 1971 Kostüme und Garde-Uniformen / Silberne Ehrennadel zu Beginn der Kampagne

Fastnachter ehren ihre Schneiderin

Archivartikel

Lampertheim.Was sonst fast undenkbar ist – an ihrem 80. Geburtstag blieben ihr Zuschneidetisch und ihre Nähmaschine unbenutzt: Erika Günderoth ist seit 1971 die Haus- und Hofschneiderin des 1. Carneval-Clubs Rot-Weiß (CCRW) und wird von den Fastnachtern sehr geschätzt.

Die Modeschneiderin arbeitet nicht nur hinter den Kulissen, sie besucht auch die närrischen Veranstaltungen des Vereins. „Dann trägt sie immer diesen lustigen Hut mit den bunten Blumen“, erklärt Ehrenpräsidentin Margit Selb, die am Geburtstag auch zu den Gratulanten gehört.

Die beiden Frauen erinnern sich an die Zeit, in der die Schneiderin noch die stattlichen rot-weißen Uniformen für die Garden des CCRW angefertigt hatte. Denn Gardeuniformen zu nähen, ist bekanntlich eine knifflige Sache. Doch für Erika Günderoth war das kein Problem. Die gelernte Schneiderin besitzt die Fertigkeit, aus Stoffbahnen Kostüme zu zaubern. „Wir haben damals nur noch rot und weiß vor lauter Stoff gesehen“, entsinnen sich die Frauen.

Die Grobschnitte der Röckchen wurden zwar zum Plissieren gegeben, aber ansonsten entstammten die Kostüme den geschickten Händen von Günderoth. So konnte das einheitliche Erscheinungsbild der Garden über viele Jahre beibehalten werden. „Und die Mädels haben alle toll gewirkt“, betont Margit Selb.

Sie war damals die Leiterin der Funkengarde und packte bei der Herstellung und Pflege der Kostüme mit an. „Wenn man sich überlegt, dass unser Freundschaftsverein ‚Club der Gemütlichen‘ aus Viernheim zehn Änderungsschneiderinnen eingesetzt hatte und bei uns Erika Günderoth alles alleine bewerkstelligte, dann ist das schon eine herausragende Leistung“, lobt Selb.

Obendrein nähte Günderoth Stuhlkissen und Vorhänge für das Vereinsheim. Und auch aktuell greift sie noch zu Nadel und Faden. Derzeit führt sie vor allem Änderungsarbeiten durch.

Während des Gesprächs lassen Selb und Günderoth so manche Anekdote aufleben. So amüsieren sie sich, dass die Schneiderin einmal aus zwei Jacken eine gemacht habe. Auch wie sich die beiden beim Nähen der Vorhänge für die Bühnendeko abmühten, bleibt für sie unvergessen. „Trotz mehrmaligem Messens und Vergleichens blieb eine Gardine kürzer“, erinnert sich Selb. Des Rätsels Lösung: die Decke war nicht an allen Stellen gleich hoch.

Zur Eröffnung der neuen Kampagne soll Erika Günderoth nun die Silberne Ehrennadel für die Pflege der Fastnacht und für die Erhaltung des fastnachtlichen Brauchtums verliehen bekommen. roi

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