Lampertheim

Naturschutz Daniela Kluckert vom Bundesverkehrsausschuss beim Projektbeirat zur Entschlammung des Altrheins / Ideen für Kostenteilung

FDP sieht Landesregierung in der Pflicht

Lampertheim.Der Bund kann sich nicht aus der Verantwortung ziehen, findet Daniela Kluckert, „und eine Hinhaltetaktik ist auch nicht okay.“ Die FDP-Bundestagsabgeordnete war auf Einladung des Projektbeirats zur Altrhein-Entschlammung auf das Fährschiff „Frischling“ gekommen. Sie ist stellvertretende Vorsitzende des Bundesverkehrsausschusses und war von ihrem Parteikollegen Till Mansmann auf die Problematik angesprochen worden.

Kluckert soll Teil des Netzwerks werden, das der Projektbeirat in den verschiedenen Parteien und Institutionen knüpfen möchte, wie es Helmut Hummel als Mitglied des Beirats erklärte. Das Gremium ist ein Arbeitskreis der Stadtverordnetenversammlung und will erreichen, dass die Entschlammung des Altrheins vom Ende des Hafens bis zur Brücke in die Tat umgesetzt wird. Das größte Problem dabei ist aus Sicht des Beirats die Finanzierung.

An der Fahrt nahmen neben Kluckert, Mansmann und Hummel noch die Projektbeiräte Karl Heinz Barchfeld und Otto Edinger teil, außerdem Stefanie Teufel (Stadtverordnete und FDP-Landtagskandidatin) und Kapitän Werner Reuters mit seiner Frau Ursula. Sowohl Kluckert als auch Teufel und Mansmann durften mal das Steuer des „Frischlings“ führen.

Hohe touristische Bedeutung

Kluckert sieht nicht nur den Bund in der Pflicht, sondern auch die Landesregierung. „Die kümmert sich nicht ausreichend“, fand sie. Die schwarz-grüne Koalition in Wiesbaden sollte Druck ausüben auf die Bundesebene und die touristische Nutzung dieser Bundeswasserstraße würdigen. Der Altrhein ist entstanden durch die Rheinbegradigung im 19. Jahrhundert.

Er wird im fraglichen Bereich von Wassersportvereinen und dem „Frischling“ genutzt – nicht mehr für Frachtschiffe. Eine touristische Nutzung im größeren Stil durch Flusskreuzfahrtschiffe halten Hummel und seine Mitstreiter im Projektbeirat aber für eine durchaus mögliche Option. Barchfeld fürchtet, dass an Stelle des Altrheins in etwa 50 Jahren eine Autostraße gebaut werden könnte – „wenn das mit der Verschlammung hier so weitergeht“.

Dabei befindet sich der Altrhein ja mitten in einem idyllischen Naturschutzgebiet. Aus Barchfelds Sicht sind lang- und kurzfristige Eingriffe notwendig. Zunächst müssten zwei Meter Sediment vom Grund des Flusses entfernt werden. Bei einer Probebaggerung im vergangenen Jahr wurde ein Teil des Untergrundes auf Munitionsreste untersucht und eine kleine Menge Flussboden an die Oberfläche geholt. Diese Sedimente waren mit Schadstoffen belastet. Sie stammen von der ehemaligen Nutzung durch die Schifffahrt sowie von einer Chemiefabrik und einer Ziegelei. Die Kostenschätzung zur Altrhein-Entschlammung liegt bei mehr als zehn Millionen Euro.

Diese Summe könnte nach Hummels Vorstellungen geteilt werden, wie es bei einer Schleusensanierung in Kassel geschehen sei: Der Bund habe diese Reparaturkosten übernommen und die Schleuse dann in die Verantwortung der Stadt übergeben. Edinger fragt sich, ob es die Möglichkeit gebe, Fördertöpfe zur Steigerung des Freizeitwertes am Altrhein anzuzapfen, um einen Teil der Kosten aufzufangen. Derzeit sei die Stadt mit 100 000 Euro für die Planungen in Vorleistung gegangen.

Kluckert wollte von den Projektbeiräten wissen, ob sie den Weg über die Lampertheimer Spitzensportler – wie die Rudererin Nicole Reinhardt – und den Deutschen Sportbund gesucht haben, was Barchert bejahte. Bürgermeister Gottfried Störmer bestätigte, dass er am vergangenen Freitag in Bonn beim Verkehrsministerium einen Termin hatte, der dem Kennenlernen und dem Benennen der jeweiligen Ansichten gedient habe, die in weiteren Gesprächen bearbeitet werden müssen. Mehr wollte er dazu nicht sagen.

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