Lampertheim

Kulturstätte Landrat muss ohne Entscheidungsvorlage aus Lampertheim weiterplanen / Weitere Fakten angefordert

FDP: Weg für Pfeiffer-Halle frei machen

Archivartikel

Lampertheim.Will die Stadt auf dem Gelände des Biedensand-Campus eine Kulturstätte bauen? Zu dieser Frage hatte Landrat Christian Engelhardt die parlamentarischen Gremien um eine Entscheidung bis Ende August gebeten. Doch zu dieser Entscheidung sehen sich die Kommunalpolitiker derzeit nicht in der Lage. Sie wollen den Kreischef stattdessen auffordern, zunächst konkretere Angaben zur Flächenplanung auf dem Campus-Gelände zu machen.

Denn inzwischen hat der Kreis nach Angaben von Bürgermeister Gottfried Störmer eine modifizierte Planung der Sport- und Freiflächen nachgereicht. Demnach werde auf dem Gelände mehr Raum für den Sportunterricht benötigt. Dies bedeute: weniger Platz für eine Kulturstätte. Das Bauamt hat sogleich nachgerechnet und kommt für eine reine Kulturstätte für rund 700 Plätze auf ein Investitionsvolumen von 6,7 Millionen Euro.

Nach Kreisangaben würde eine Kulturstätte, in der städtische und schulische Einrichtungen zusammengelegt würden, dagegen Kosten in Höhe von 18,6 Millionen Euro verursachen. Der städtische Anteil betrüge in diesem Fall rund 14 Millionen Euro. Vor dem Stadtentwicklungs-, Energie- und Bauausschuss bekannte sich der Bürgermeister abermals zum Standort einer Kulturstätte auf dem Campus-Gelände. Allerdings sei wegen des höheren Platzbedarfs für Sport- und Freiflächen nun die Frage aufgekommen, inwieweit es auf diesem Areal überhaupt noch Platz für eine Kulturstätte gebe. Diesbezüglich habe der Magistrat ein Schreiben an den Landrat aufgesetzt und um erforderliche Informationen nachgesucht.

Mehr Sport auf dem Campus

Zugleich erhofft sich die Verwaltung eine Klärung, was die künftige Nutzung der Hans-Pfeiffer-Halle betrifft. Denn wenn die Sportstätten auf dem Campus-Gelände ausgebaut würden, könnte, so Störmers Überlegung, womöglich die sportliche Nutzung in der Pfeiffer-Halle entfallen. Diese stünde dann allein einer Nutzung als Kulturstätte und Bürgerhaus zur Verfügung.

FDP-Fraktionsmitglied Helmut Hummel riet im Ausschuss dazu, den Landrat von der „komplizierten Frage“ einer Kulturstätte zu entbinden und dafür den Weg für einen Umbau der Pfeiffer-Halle freizumachen. Dagegen meinte CDU-Fraktionsmitglied Franz Korb, der Campus-Gedanke stehe und falle mit der Einrichtung einer Kulturstätte. Zudem sei es nicht Aufgabe der parlamentarischen Gremien, dem Landrat „den Nagel aus dem Fuß zu ziehen“. Zudem sei auch der Umbau der Pfeiffer-Halle keine finanziell günstige Option. Die Verwaltung hat für die Schaffung eines Kulturraums in der Halle Kosten in Höhe von rund vier Millionen Euro errechnet. Für einen Anbau kämen 5,7 Millionen Euro zusammen. Eine Vergrößerung des Foyers wird mit 620 000 Euro beziffert.

„Uns ist Kultur einiges wert“, bekannte auch SPD-Fraktionschef Marius Schmidt. Allerdings überstiegen die voraussichtlichen Kosten für eine Campus-Lösung die Leistungsfähigkeit der Stadt. „Aufgrund der faktischen Lage“ sei nun die Sanierung der Zehntscheune voranzutreiben und die Option Pfeiffer-Halle zu ziehen, sollte sich eine Kulturstätte auf dem Biedensand-Campus auch in Zukunft nicht realisieren lassen.

Mit der vom Magistrat vorgezeichneten Gangart mochte sich lediglich CDU-Fraktionsmitglied Nunzio Galvagno nicht anfreunden. Der Landrat sollte mit einer klaren Entscheidung – für oder gegen eine Campus-Kulturstätte – konfrontiert werden. Erst auf dieser Basis könne überhaupt weitergeplant werden. Dem widersprach Ausschuss-Vorsitzender Fritz Röhrenbeck (FDP). Schließlich müsste die Stadt nach Röhrenbecks Angaben bereits für die architektonische Vorplanung finanziell aufkommen.

Der Liberale gab obendrein sein Unverständnis über die Campus-Planungen als solches zu Protokoll. Es sei ein „Wahnsinn“, dass das Lessing-Gymnasium erst vor zehn Jahren kernsaniert worden sei und nun wieder abgerissen werden solle. Auf Franz Korbs Frage: „Stellen Sie den Campus infrage?“ antwortete Röhrenbeck: „Nein, aber dessen wirtschaftliche Sinnhaftigkeit.“ Als Folge würden die Kreiskommunen bei der Erhebung der Schulumlage noch „ein böses Erwachen“ erleben, meinte er. urs

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