Lampertheim

Katholische Kirche Sonntagspredigt wird ins Internet übertragen / Menschen können Bilder von sich an den Kirchenbänken anbringen

Fotos symbolisieren die Gemeinschaft im Geiste

Archivartikel

Lampertheim.Besondere Zeiten erfordern besondere Ideen. Das Versammlungsverbot trifft auch die Glaubensgemeinschaften hart. Die katholische St.-Andreas-Kirche ist zwar noch täglich für Besucher geöffnet, Gottesdienste müssen aber hinter verschlossener Tür und ohne Besucher stattfinden. Zum Erliegen kommt das Gemeindeleben deshalb aber nicht. Pfarrer Christian Rauch hat gleich mehrere Ideen.

Die Statue des heiligen Rochus, Schutzpatron der Pest- und Seuchenkranken, hat schon vor dem Altar Stellung bezogen. Auf den Holzbänken liegen spezielle „Corona-Gebete“ aus, die Rauch von einem Mitbruder erhalten hat. Auch eine Fürbittenbox steht im Gotteshaus. Denn das Gotteshaus hat weiterhin täglich von 8 bis 19 Uhr für Besucher geöffnet. Lampertheimer sollen weiterhin im Stillen beten und Kerzen für ihre Mitmenschen anzünden können. Zum Gottesdienst aber werden die Pforten verschlossen. Davon betroffen sind auch die Feiertage wie Karfreitag, Ostersonntag oder die Feier zur Erstkommunion, die wohl frühestens nach den Sommerferien nachgeholt werden kann. Das tue ihm zwar „im Herzen weh“, so der Pfarrer, sei aber notwendig, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Die Vorgaben der Ämter und des Bistums hält er für richtig.

Und doch können Bürger nun in den Messen dabei sein – zwar nicht physisch, aber zumindest bildlich und spirituell. Unter dem Titel „Ich trage mich vor Gott“ kann jeder ein Foto von sich an einem gewünschten Platz in den Kirchenbänken anbringen. „Auch gemalte Bilder, etwa von Kindern, wären toll“, sagt Rauch. Für ältere Mitbürger gebe es einen Abholservice unter Einhaltung der Sicherheitsstandards. Die Idee hat der Geistliche von einer Freundin übernommen, sie geht auf einen italienischen Pfarrer zurück.

Halt und Trost

Eine Kirche voller Bilder und damit eine Gemeinschaft im Geiste, das wünscht sich Christian Rauch auch für Lampertheim. Denn der Katholik weiß, dass Menschen besonders in schwierigen Zeiten Halt und Trost im Glauben finden. „Die Menschen sollen wissen: Es gibt hier auch weiterhin einen Platz für sie, es wird weiter an sie gedacht und für sie gebetet“, erklärt er. Aus organisatorischen Gründen finde die Aktion nur in der zentralen Andreaskirche, nicht aber in Mariä Verkündigung oder Herz-Jesu in Hüttenfeld statt.

Dass Gottesdienste gar nicht mehr stattfinden, stand deshalb auch nicht zur Diskussion. Denn das Gebet, betont er, sei immer stellvertretend für alle. Bisher hält Rauch die Andachten nur mit Küster Berthold Eisenbraun oder einem Mitbruder ab. Mit den Bildern erhalte das aber nun eine greifbare Dimension. In diesen für die Gemeinden schwierigen Zeiten sind viele, lächelnde Gesichter wohl auch für den Pfarrer selbst ein tröstlicherer Anblick als leere Bänke. Ohnehin laufe das Gemeindeleben weiter, nur eben digital. Die Sonntagspredigt des Pfarrers wird ins Internet gestellt. In einer Videobotschaft will sich Rauch über die Homepage der Gemeinde an die Lampertheimer wenden.

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