Lampertheim

Energiewirtschaft Bauausschuss beschließt Mindestabstände für geplanten Ultranet-Ausbau

Fraktionen einig bei Stromtrasse

Lampertheim.Mit einem stummen Protest gegen einen ortsnahen Verlauf der geplanten Starkstromtrasse hat die Interessengemeinschaft „Wir stehen unter Strom“ die Sitzung des Stadtentwicklungs-, Energie- und Bauausschusses am Donnerstagabend begleitet. Vor dem Stadthaus und im Auditorium des Sitzungssaals unterstrichen die Demonstranten ihre Forderung nach einer partiellen Umleitung der Trasse, um die Wohnsiedlungen auf Hofheimer und Lampertheimer Gemarkung vor befürchteten Auswirkungen zu schützen.

Die Verwaltung hatte sich unter der Leitung von Bürgermeister Gottfried Störmer auf diesen Tagesordnungspunkt akribisch vorbereitet. Bauamtsleiter Christian Plöhn wies in einer 70-seitigen Präsentation auf fachliche und rechtliche Voraussetzungen für sogenannte Verschwenkungen im Leitungsverlauf hin. Der Bürgermeister hatte zuvor zwischen fachlichen und politischen Inhalten der Debatte unterschieden. Er machte zugleich deutlich, dass die Verwaltung, vorbehaltlich der rechtlichen und fachlichen Bedingungen, den Wunsch nach Abweichungen vom bisherigen Leitungsverlauf unterstütze.

Bauamtsleiter Plöhn führte die Parlamentarier und Zuhörer denn auch in die Kompliziertheiten einer planerischen Dialektik ein, die von dem Grundsatz bestimmt sei: „Wenn man irgendwo wegrückt, rückt man woanders näher heran.“ So ließen sich von Verschwenkungen durchaus Konflikte mit ökologischen oder landwirtschaftlichen Interessen erwarten. Diese seien mit den Forderungen nach dem Schutz der Bewohner vor den ungewissen Folgen einer Starkstromtrasse abzuwägen. Laut Verwaltungschef Störmer lässt die Rechtslage zudem keinen Vorrang des „Schutzguts Mensch“ vor anderen Schutzgütern – etwa Tieren, Pflanzen und Ackerboden – erkennen.

Antragskonferenz am 25. Juni

Derzeit verlaufen auf Lampertheimer Gemarkung parallel drei Stromleitungen. Von einem Ausbau ist laut Christian Plöhn die mittlere betroffen. Bei einer Verschwenkung würde diese Leitung herausgelöst und in einem weiteren Bogen um die Bestandstrasse herumgeführt. Damit verbunden wäre zusätzlicher Landverbrauch: Die Trasse würde breiter. Das Bauamt hat für die betroffenen Areale in Hofheim wie in Lampertheim mögliche Ausweichtrassen planerisch skizziert. Diese zerschneiden bei Hofheim auch einen Bereich der Bürstädter Gemarkung. Eine klare politische Beschlusslage vorausgesetzt, will die Verwaltung ihre Vorschläge bis zum 25. Juni in die sogenannte Antragskonferenz einbringen, um Berücksichtigung in den weiteren Planungen von Amprion zu finden.

Die im Landesentwicklungsplan festgelegte Abstandsregelung von 400 Metern zwischen Wohnbebauung und Starkstromtrasse entbehrt nach Plöhns Auffassung der rechtlich unanfechtbaren Grundlage. Daraufhin verständigten sich die Vertreter der Fraktionen auf einen Kompromiss, der dem Netzbetreiber Amprion für den Ausbau seiner Stromleitungen vorgelegt werden soll: Demnach soll die Starkstromleitung in einem Mindestabstand von 200 Metern zur Wohnbebauung beziehungsweise 175 Metern von den östlich der Ostumgehung gelegenen Aussiedlerhöfen entfernt verlaufen. Dieser einstimmig verabschiedete Kompromissvorschlag wurde von der Interessengemeinschaft „Wir stehen unter Strom“ auf Anfrage begrüßt.

FDP-Fraktionschef Helmut Hummel hatte in der Debatte zuvor betont: „Wir sind nicht gegen die Leitung.“ Doch „das höchste Schutzgut“ sei der Mensch. Deshalb sei die Politik übereinstimmend der Meinung, „dass wir so weit als möglich von der Bebauung wegwollen“. Dies bestätigte auch CDU-Fraktionsmitglied Andreas Ott, der zudem ein „Umdenken der Verwaltung“ im Umgang mit Themen wie diesem forderte. Die Verwaltung habe zu lange auf einer passiven Haltung gegenüber Amprion verharrt.

„Geschlossenes Signal“

SPD-Fraktionschef Marius Schmidt sah in dem Kompromiss ein „geschlossenes Signal“, mit dem der „gemeinsame Kampf“ allerdings erst beginne. Frank Hege (Grüne) gab Nachteile für Flora und Fauna durch die geforderten Verschwenkungen zu bedenken, schloss sich jedoch dem Kompromiss an. Franz Korb (CDU) äußerte sich dankbar über das „Maximum, das wir hier herausholen können“. Mit dem überparteilichen Kompromissvorschlag verknüpft ist die Forderung nach der Beauftragung eines Fachanwalts.

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