Lampertheim

Martin-Luther-Gemeinde Pfarrer Ralf Kröger mahnt beim Erntedankfest, dem Leben mehr mit Dankbarkeit zu begegnen

Freude des Moments im Mittelpunkt

Archivartikel

LAMPERTHEIM.Ein Sonnenaufgang am Morgen, der hellleuchtende Mond am Himmel oder einfach nur das gute Gefühl nach getaner Arbeit: „Faszinierende Momente, die Lebenslust wecken und die es zu genießen gilt“, findet Pfarrer Ralf Kröger.

Beim Erntedankgottesdienst der Martin-Luther-Gemeinde riet er, dem Leben mit Dankbarkeit und Staunen zu begegnen – und so der Genervtheit und Hektik des Alltags zu entkommen. Im Vorfeld des Erntedankfests hätten ihn viele kritische Stimmen erreicht, erklärte der Pfarrer in seiner eindringlichen Predigt. „Wofür soll man in diesem Jahr Danke sagen?“, habe ihn so manch einer gefragt. Auch die traditionellen Gemüsegaben, die im Altarraum prächtig auf Stroh aufgetürmt waren, seien nicht so reichlich wie in den Vorjahren ausgefallen.

Aber statt über die schlechte Ernte zu jammern oder mit „erhobenem Zeigefinger“ das „hochgradig schädliche Konsumverhalten“ anzuprangern, habe er sich für einen anderen Ansatz entschieden. „Für Lebensfreude und Staunen“, so Kröger. „Dankbarkeit und Staunen über schöne Momente erzeugen Ehrfurcht vor dem Leben und ein Gefühl, diese Erde beschützen zu wollen.“

Der Geistliche regte an, sensibler für die Welt zu sein und schöne Momente nicht als selbstverständlich zu nehmen. In der Alltagsroutine um Arbeit, E-Mails und Whatsapp übersehe man das schnell, sei nur noch genervt. „Aber jeder hat Momente des Staunens, jeder braucht sie“, sagte Kröger. So wurden auch der Friedensgruß und das Abendmahl zu Momenten des Innehaltens für die ganze Gemeinde. Die Luther-Konfirmanden nahmen den Ansatz ihres Pfarrers auf und fragten sich: „Worüber kann ich staunen?“ Jeder Jugendliche präsentierte einen Gegenstand, der ihn persönlich fasziniert. „Die Pusteblume nimmt eine bemerkenswerte Entwicklung“, fand eine Konfirmandin, andere waren von der Wuchskraft des Bambus’ oder der Lebensweise des Baumpilzes begeistert.

Dazwischen sprachen Pfarrer und Gemeinde den Psalm „Wie zahlreich sind deine Werke, Herr, sie alle hast du mit Weisheit gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen“. So kamen vom somalischen Drachenbaum bis hin zu einem Bild der Sonne, „ohne die kein Leben möglich wäre“, unterschiedlichste Dinge zum Vorschein. Zusätzlich hatten die Konfirmanden zu ihren Gegenständen passende Ölpastellkreidebilder gestaltet, die sich die Gemeinde später noch genauer anschauen konnte.

Stellvertretend für die fast 100 Ehrenamtlichen in der Luther-Gemeinde sagte Pfarrer Kröger in diesem Jahr dem Besuchskreis Danke. Er appellierte außerdem, öfter dem Herrn zu danken. „Wie oft sagen wir im Alltag Danke, wie selten aber sagen wir Gott Danke?“, fragte er die Gottesdienstbesucher.

Im Anschluss an Liturgie und Musik feierte die Gemeinde das Erntedankfest im Lutherhaus bei Hausmacherwurst, Kartoffeln und Heringen weiter. ksm

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