Lampertheim

Handwerk Haarpflege unter strengen Hygieneregeln / Terminbücher sind gut gefüllt

Friseure rücken vermurkste „Corona-Schnitte“ zurecht

Archivartikel

Lampertheim.Waschen, Färben, Schneiden und Föhnen: Friseure durften trotz Corona-Pandemie wieder öffnen, allerdings unter strengen Auflagen. Dennoch sind Kunden und Personal begeistert. Die einen, weil sie sich wieder kreativ entfalten können und die anderen, weil sie sich wegen ihrer Haarpracht unwohl fühlten.

In den Friseurläden ist derzeit eifriges Wuseln zu entdecken. Aber das Treiben sieht ungewöhnlich aus. Personal und Kunden tragen Masken. Selbst beim Haare waschen und schneiden darf der Mund- und Nasenschutz nicht abgenommen werden. Weiterhin muss ein Kundenprotokoll geführt werden.

Im Haarstudio von Bisera Drekovic in der Ernst-Ludwig-Straße nimmt ein Kunde am Waschbecken Platz. Drekovic zieht sich Einmal-Handschuhe an, shampooniert und massiert den Kopf des Kunden. Der Geschäftsfrau hat die Corona-Pause, in der das Friseurgeschäft geschlossen war, zu lange gedauert. Zu Hause sitzen und nicht arbeiten zu können sei nichts für sie, sagt die Friseurmeisterin. Nach der wochenlangen Schließung darf sie nun wieder aktiv sein. Ihr Kunde freut sich darüber. Denn sein Haar sei seit zwei Monaten nicht geschnitten worden.

Wenige Schritte weiter auf der Ernst-Ludwig-Straße betreibt Friseurmeister und Visagist Fabian Krämer seinen Salon. Seine Stammkunden konnten bei ihm recht schnell einen Termin vereinbaren. Eine Kundin, die sich die Haare färben lässt, berichtet, dass sie mehr als sehnsüchtig auf den Friseurbesuch gewartet habe.

Regeln der Berufsgenossenschaft

Krämer erläutert, dass die Regeln und Vorsichtsmaßnahmen für einen Friseurbesuch von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) für die Friseurbranche erarbeitet wurden, damit die Friseure während der Pandemie sicher arbeiten können, sich aber auch die Kundschaft sicher fühle. „Ich habe keine Mitarbeiter, also fällt die Regelung des Abstandes zum nächsten Arbeitsplatz von mindestens 1,5 Metern schon mal weg“, erklärt Krämer. Der Visagist fügt hinzu: „Gesichtsnahe Dienstleistungen wie Augenbrauen und Wimpern färben sowie Bartpflege fällt derzeit weg.“

Auch das Team der Friseurmeisterinnen Angela Stadtmüller und ihrer Mutter Liliana Papa hält sich im „Salon Papa“ in der Arndtstraße an die BGW-Verordnung. „Ich finde die Hygienemaßnahmen sehr gut. Durch sie konnten wir unser Geschäft wieder öffnen“, sagt Stadtmüller. Kundin Ute Neumeister erhält einen Kurzhaarschnitt von Liliana Papa. Die Friseurin achtet auf peinliche Sauberkeit. „An erster Stelle des Friseurbesuches steht nach der Händedesinfektion das Waschen der Haare. Die Friseurumhänge kommen nach jedem Gebrauch in die Waschmaschine“, betont Papa. Während die Friseurin arbeitet, bekommt die Kundin einen Einweg-Mund- und Nasenschutz, damit ihr eigener nicht leidet. „Nach dem Besuch werden alle Gebrauchsgegenstände desinfiziert“, erklärt Papa. Sie zeigt auf das aufgebaute Zelt, das sich wie ein Wintergarten an den Salon anschließt. Dort wurde ein weiterer Arbeitsplatz geschaffen. Kundin Neumeister sei glücklich über ihren neuen Haarschnitt und das Styling, nur fehle ihr der gute Cappuccino, den es sonst gibt. „Es darf nichts ausgeschenkt werden“, erklärt Papa.

Keine Zeitschriften

Yulia Neumann hat ihren Salon in der Wilhelmstraße. Die Friseurmeisterin sagt: „Ich habe mich sehr gefreut, als ich meinen Salon wieder öffnen durfte.“ Ihr Terminbuch sei nun prall gefüllt. Die strengen Hygieneauflagen könne sie gut umsetzen. Nur nervten manchmal die Masken. Es liegen keine Zeitschriften aus, und es wird kein Getränk angeboten. Manch ein Kunde käme jetzt mit einem „vermurksten Haarschnitt“, sagt Neumann und lacht. Dann habe sich zu Hause die Ehefrau als Friseurin an das Haupthaar ihres Mannes herangetraut. Die Friseurmeisterin nennt den Versuch „Corona-Schnitt“. Sehr glücklich über die Wiedereröffnung ihres „M.Kar. Haar-Studios“ ist Malgorzata Karabin. „Der 20. März war damals der letzte Arbeitstag aufgrund der Corona-Ausbreitung“, erinnert sich die Inhaberin.

Problem der Kinderbetreuung

„Alles klappt sehr gut. Ich habe ein tolles Team, das mitzieht und sehr tapfere Kunden“, bekräftigt Friseurmeisterin Annika Reißig, Inhaberin von „The Hair-stylists“ in der Wilhelmstraße. Sie beschäftigt noch sechs Mitarbeiterinnen. Da die Frauen in Teilzeit und versetzt arbeiten, kämen sie zwar sehr gut mit den Abständen von den Arbeitsplätzen zurecht, aber ihre Mitarbeiterinnen hätten ein anderes Problem: Ihr Beruf gilt noch nicht als systemrelevant und sie dürfen ihre Kinder nicht in die Notbetreuung der Kitas oder Schulen bringen. In Reißigs Salon sind zwischen den Plätzen Trennwände aufgestellt und auch die weiteren Hygiene-Anforderungen werden erfüllt. Reißig sagt, sie habe einen Schreck bekommen, als im Fernsehen Anleitungen für Anfänger zum Haareschneiden gesendet wurden. In Sachen Corona-Pandemie hebt sie hervor: „Wir müssen alle mit der Umstellung leben. Wir haben aber einen guten Rhythmus gefunden.“

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