Lampertheim

Prozess Jubel oder verbotene Nazi-Geste? Vor dem Amtsgericht Lampertheim bestreitet der Angeklagte die Vorwürfe

Fußballer der SG Hüttenfeld soll Hitlergruß gezeigt haben

Archivartikel

Lampertheim.Hat ein Spieler der SG Hüttenfeld beim Hallen-Cup des TV Lampertheim nach einem Tor den Hitlergruß gezeigt? Um diese Frage ging es am Donnerstag vor dem Amtsgericht Lampertheim, nachdem die Staatsanwaltschaft Klage erhoben hatte. Nach der Befragung des Beschuldigten und von neun Zeugen unterbrach die Richterin die Verhandlung. In einer Sache waren sich die Vernommenen einig: Nach einem Tor im Spiel zwischen der SG Hüttenfeld und der Spvgg Mannheim (4:1) drehte der Torschütze ab, um vor der linken Tribünenseite in der gut besuchten Jahnhalle eine Jubelgeste zu vollziehen.

Um welche Geste es sich handelte – daran schieden sich die Geister. Der Beschuldigte, der eine Gegenanzeige wegen falscher Verdächtigung gestellt hat, stritt jegliche Nazi-Symbolik ab.

Umstrittene Jubelgeste

Er beteuerte, vor dem Turnier mit einem Freund um die Anzahl der Tore gewettet zu haben, die er erzielen würde. Nach seinem ersten Tor wandte sich der Beschuldigte laut eigener Aussage an den Freund, der auf der Tribüne saß. Mit dem Zeigefinger der einen Hand habe der Torschütze demnach auf den Freund gedeutet. Den Zeigefinger der anderen Hand habe er sich vor die Lippen gehalten. Unter Fußballern heißt das in etwa: Ich habe getroffen, also sei leise. Für einen Zeugen besteht dagegen kein Zweifel. Der Torschütze habe den rechten Arm zum Hitlergruß ausgestreckt und mit der linken Hand ein Hitler-Bärtchen in seine Richtung angedeutet.

Da habe es „nichts zu verwechseln gegeben“, sagte der Zeuge, der von einer „bewussten Provokation“ sprach. Der Fall hat eine Vorgeschichte. Denn der Zeuge – er ist dunkelhäutig – war im Januar 2019 Spielertrainer der 1b-Mannschaft von Eintracht Bürstadt.

Widersprüchliche Aussagen

Erst im Dezember 2018 habe er den Abbruch des C-Liga-Spiels der Eintracht-Reserve bei der SG Hüttenfeld veranlasst. Nach rassistischen Äußerungen von Hüttenfelder Zuschauern gegen einen farbigen Eintracht-Spieler habe der gebürtige Somalier seine Elf vom Platz beordert. Die Partie wurde später vor dem Kreissportgericht Groß-Gerau mit 3:0 für Hüttenfeld gewertet. Wegen der Vorfälle wurden der SGH drei Punkte abgezogen, der Verein erhielt zudem eine Geldstrafe über 250 Euro.

Es gab am Donnerstag unterschiedliche Aussagen. Ein Zeuge, der zur Turnierleitung gehört, gab an, „nichts mitbekommen“ zu haben. Auch habe sich niemand hinterher an die Turnierleitung gewandt, um den Vorfall zu melden. Zwei Zeugen machten unterschiedliche Angaben. Um Hitlergruß und Hitlerbart soll es sich ihrer Einschätzung nach aber nicht gehandelt haben.

Die Verwendung nationalsozialistischer Kennzeichen zieht bei einer Verurteilung gemäß Paragraf 86a StGB eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe nach sich. Der Fall war am 12. März vor dem Sportgericht der Verbandsligen in Frankfurt erstmals aufgerollt worden. Damals stellte das Sportgericht das Verfahren ein, weil es keinen hinreichenden Tatverdacht gegeben habe. Das ist nicht mit einem Freispruch gleichzusetzen. Sollte der Prozess in Lampertheim neue Erkenntnisse bringen, kann der Hessische Fußball-Verband die Ermittlungen neu aufnehmen. cpa

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional