Lampertheim

Auktion Ordnungsamtschef Uwe Becher versteigert vor dem Haus am Römer Fundsachen, die nicht abgeholt wurden / Raritäten wie Drohne, Angeln oder Ladestation für ein Hörgerät

Gebote im Sekundentakt für Fahrräder und Schmuck

Archivartikel

Lampertheim.„Leider kein E-Scooter aber ein stabiler Tretroller“, pries der Auktionator das bunte Gefährt an. Zehn Euro zahlte ein Vater dafür und sah zufrieden zu, wie sein Sohn über den Bürgersteig davonfuhr. Schnäppchenjäger waren am Samstag bei der Versteigerung der städtischen Fundsachen in ihrem Element. Rund 200 Gegenstände wurden im Laufe des vergangenen Jahres in Lampertheim stehen und liegengelassen und schließlich beim Ordnungsamt abgegeben. Die Hälfte davon wartete in den Regalen der Stadtverwaltung vergeblich darauf, wieder abgeholt zu werden, und stand nun zum Verkauf.

Schaulustige hatten sich vor dem Haus am Römer versammelt. Auktionator Uwe Becher, im Alltag Leiter des Ordnungsamtes, gab zunächst einige rechtliche Hinweise: „Die Fundsachen müssen sechs Monate aufgehoben werden, danach sind sie herrenlos“. Nach der Versteigerung sei der Käufer nun neuer rechtmäßiger Eigentümer. Die Mitarbeiterinnen des Radhausservices rund um Ina Klotzbach verwalteten die Kasse und stellten Quittungen aus. Insgesamt 66 Fahrräder hatten sie in den Tagen davor gesichtet und die Mindestgebote festgelegt. Ein robustes Kinderfahrrad, ein schnittiges Rennrad und ein bequemes City-Bike standen in Reih und Glied, bis sie von Timo Gonder auf den Pritschenwagen gehievt wurden. Während manche Drahtesel einen etwas verwahrlosten Eindruck machten, luden andere direkt zum Aufsteigen und Wegradeln ein.

Wundertüte bringt 13 Euro

Die Interessierten boten per Handzeichen in Euro Schritten oder bei hochwertigeren Gegenständen auch gleich in größeren Summen. Gekauft wie gesehen, hier gab es kein Umtauschrecht. Bezahlt werden musste sofort und in bar. „Ein Damenrad Marke Fashion-Line direkt von Heidi Klum“, scherzte Becher. Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten, den Zuschlag gab es bei 50 Euro.

Ein „typisches Bahnhofs-Fahrrad“ erzielte 32 Euro. Für ein neonfarbenes Mountainbike steigerten sich zwei Interessenten bis auf 113 Euro. Doch nicht jedes Fahrrad fand einen Abnehmer. „Räder, die nicht verkauft werden, spenden wir karitativen Einrichtungen“, versprach der Ordnungsamtsleiter.

„Eine Wundertüte“, lockte Becher mit dem nächsten Objekt. Das Paket mit original verpackter Herrenwäsche und -shirts war einem jungen Mann 13 Euro wert. Wohl aufgrund der spätsommerlichen Hitze lief die Versteigerung einer Wolljacke dagegen eher schleppend. Doch nicht nur Alltagsgegenstände landen im Fundbüro. Für insgesamt 60 Euro nahm ein Herr drei Angeln mit nach Hause. Eine Ladestation für ein Hörgerät, die für ein Euro wegging, hatte selbst der erfahrene Auktionator Becher bisher noch nicht im Angebot. Zubehör für ein Handy kam für sieben Euro unter den Hammer, fünf Euro brachte eine Sporttasche in die städtische Kasse. Für drei Euro schnappte sich ein Herr die Fahrradhandschuhe in Größe XL. Unter die Kategorie „Nicht gesucht und doch gefunden“ fiel wohl der Erwerb einer Drohne, die für zwei Euro zu haben war.

Ehering verloren

Auf dem Platz kamen fremde Menschen miteinander ins Gespräch. Sie habe mal ihren Ehering verloren, erzählte eine ältere Dame der jungen Frau neben sich. Diese konnte eine Geschichte über eine selbstgestrickte Mütze beisteuern, die sie in der Sporthalle vergessen hatte. Zwei Frauen mit Kinderwagen beobachteten das emsige Treiben. „Es ist unterhaltsam, was hier so alles angeboten wird“, erzählte Christine Bender. „Zum Wegwerfen sind die Sachen viel zu schade“, ergänzte ihre Freundin.

Bei den Schmuckstücken schlug die Stunde der Experten. Bei einem goldenen Kettchen etwa entbrannte ein regelrechter Wettstreit. Im Sekundentakt flogen die Hände der Bieter nach oben. Steigern macht nicht nur im Internet Spaß. as

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