Lampertheim

Freizeit Götz Diesterweg und Jean-Pierre Dupin sind am liebsten unparteiisch – jedenfalls auf dem Fußballplatz oder auf dem Handballfeld

„Gefeiert werden Schiedsrichter nie“

Archivartikel

Lampertheim.Sie werden nur kurz Schiri genannt und sind Schiedsrichter im Amateursportbereich: Jean-Pierre Dupin und Götz Diesterweg. Die beiden Lampertheimer gehören seit mehr als 30 Jahren dem Hessischen Fußballverband beziehungsweise dem Hessischen Handballverband an, leiten die Spiele, überwachen die Einhaltung der Regeln und lösen Konflikte.

Während des Spiels müssen die Unparteiischen blitzschnelle Entscheidungen treffen und auch in schwierigen Situationen die Nerven behalten. Ihre aktiven Laufbahnen und die lange Erfahrung als Schiri kommen ihnen dabei zu Gute. „Dadurch kennen wir Spieler-Kniffe und können manche offensive Spielweise im Vorfeld vorausahnen und einschätzen“, sagen die Fachmänner.

Souveränes Auftreten, die passende Körperhaltung und Körpersprache sowie Fingerspitzengefühl und Weitsichtigkeit seien für einen Schiri wichtig, sind sich die beiden einig. Mit der Regelauslegung nehme der Unparteiische großen Einfluss auf das Spiel. Gefeiert würden sie als Schiris nie. „Im Gegenteil“, erklären die Lampertheimer. „In einem Spiel kann es sehr hitzig werden“, berichtet Diesterweg. Auch dann, wenn Beteiligte dem Schiedsrichter eine Fehlentscheidung unterstellen. Es komme vor, dass sie von Spielern beleidigt oder von aggressiven Zuschauern angepöbelt werden.

Überhaupt komme es immer wieder zu Diskussionen über die Schiedsrichter und ihre Urteile. Um die Anfeindungen verkraften zu können, benötigten sie eine dicke Haut, betonen die Lampertheimer. Sie bekräftigen: „Wir wollen respektiert werden.“ Schließlich opfern sie viel von ihrer Freizeit, da sie hessenweit unterwegs sind, absolvieren regelmäßig Fortbildungen und erhalten dafür nur eine geringe Aufwandsentschädigung.

Dupin kann eine 38-jährige Erfahrung als Schiedsrichter vorweisen. Diesterweg pfeift seit 33 Jahren. Beide waren aktive Sportler und sind noch immer fit. Wenn sie einmal über den Platz sprinten, sind anschließend weder der 68-jährige Dupin noch der 66-jährige Diesterweg außer Atem. Dupin begann seine Fußballerkarriere bei einem französischen Verein. In Lampertheim spielte er beim FC Olympia 09 und beim VfB, außerdem bei der SG Riedrode und bei der TVgg Lorsch. Bei den Azzurri Lampertheim war er Spielertrainer. 1981 bestand Dupin seine Schiedsrichterprüfung. Er leitete Spiele im Jugendbereich sowie in den C- und D-Ligen. Durch seine guten Leistungen konnte er in die Oberliga aufsteigen.

Im Laufe der Zeit begegnete er auch Prominenten wie Gerd Müller, Karlheinz und Bernd Förster, Hansi Müller und Fritz Walter. Erst kürzlich war Dupin als Schiri in Lampertheim im Einsatz, als er das Benefizspiel zu Ehren von Alija „Ringo“ Hercegovac leitete und Timo Hildebrand als Gast vor Ort war. „Ich habe schon mehr als 50 Benefizspiele gepfiffen“, erzählt er. Solche Spiele seien besonders emotional. Obendrein leitete Dupin viele Jubiläumsspiele in den Partnerstädten.

Als Auszeichnungen hat er den Ehrenbrief des Landes Hessen und die Silberne Ehrennadel des Hessischen Fußballverbandes erhalten.Götz Diesterweg hat bereits im Alter von acht Jahren angefangen Handball zu spielen. Er gehörte zehn Jahre zur männlichen Jugend im Turnverein Lampertheim (TVL). Beim TVL hat er mit 33 Jahren auch mit dem Pfeifen begonnen. Später trat er der Turngemeinde (TG) Biblis bei. Sein Schiedsrichterpartner dort ist Berthold Kissel. Beide erhielten die Ehrennadel in Gold des Hessischen Handballverbandes für 30 Jahre Schiedsrichtertätigkeit.

„Ich habe insgesamt rund 5000 Spiele gepfiffen“, zählt Dupin auf. Ein besonders schönes Spiel sei das der Bundesliga A-Jugend, Eintracht Frankfurt gegen SV Darmstadt 98, gewesen. Diesterweg schwärmt über das Großfeldhandballspiel, das im Juni beim TVL ausgetragen wurde. Das sei eine Gaudi gewesen.

Beide Schiris, Dupin und Diesterweg, sind auch Paten für Schiedsrichter-Neulinge. „Denn der Schirimangel ist ein großes Problem“, bedauern beide. Zahlreiche Vereine sind nicht in der Lage, die vom Verband geforderte Anzahl an Unparteiischen zu stellen. Dann drohen den Vereinen Punktabzug und Geldstrafen. Jean-Pierre Dupin und Götz Diesterweg versprechen: „Solange wir fit sind, pfeifen wir noch. “

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