Lampertheim

Archäologie Dauerausstellung der Lampertheimer Stadtbücherei durch Funde von Hobby-Archäologen erweitert

Geheimnisse der Steinzeit

Lampertheim.Sie sind einheimische Sammler und gehen ihrer Leidenschaft ausdauernd nach, um steinzeitliche Waffen, Werkzeuge und Gebrauchsgegenstände (Artefakte) oder Fossilien zu finden. Dafür suchen sie in speziellen Gebieten, wie die Oberfläche eines Erdreiches, Kies, Sand und Geröll ab. Die Hobby-Archäologen um den Hüttenfelder Archäolithiker Emil Hoffmann trafen sich in der Stadtbücherei. Dort hatte Hoffmann, zusammen mit seiner Ehefrau Renate, vor sieben Jahren die Dauerausstellung "Geheimnisse der Steinzeit mit Blick auf die Evolution des Menschen" eingerichtet und ein Jahr später der Stadt Lampertheim übergeben. Durch diese Ausstellung bietet das sachkundige Ehepaar auch Führungen an.

Funde von Hobby-Archäologen

Nun wurde die Schau mit regionalen Altsteinzeitfunden von Hobby-Archäologen ergänzt. "Damit soll ein Schwerpunkt steinzeitlicher Werkzeuge unserer frühesten Vorfahren aus unserer engeren Heimat geschaffen, aber auch weitere Sammler angeregt werden, ihre Funde zur Verfügung zu stellen", erklärte Emil Hoffmann. Denn diese Steinwerkzeuge zeigten, dass die Region seit frühester Zeit Sammlern und Jägern als Aufenthaltsort diente.

Altsteinzeitliche Funde in der Rheinebene mit einem Alter von rund 600 000 Jahren würden höchst selten an der Oberfläche gefunden, sie schlummerten sonst in großer Tiefe. Wie auch Knochen des damaligen Jagdwildes. Nur durch die engagierte Arbeit der Hobby-Archäologen, die regelmäßig die Förderungen von Kies und Sand untersuchten oder Äcker absuchten, seien die Fundstücke der Altsteinzeit entdeckt worden und können jetzt in den Vitrinen bestaunt werden. Der Archäolithiker Hoffmann hat die Fundstücke bestimmt. Viele der Werkzeuge habe der Homo erectus hergestellt. Diese und auch Fossilien belegten, dass der Homo erectus vor knapp zwei Millionen Jahren aus Afrika auswanderte und vermutlich vor 1,3 Millionen Jahren nach Europa gekommen sei, so Hoffmann.

Werkzeuge der Altsteinzeit

Die Artefakte eins bis sechs stammen aus der Sammlung des Finders Herbert Hartnagel. Er wohnt in der Nähe von Lorsch. Gefunden hat der interessierte Laie verschiedene Arten von Schabern und Dechsel, typische Werkzeuge der Altsteinzeit. Ausstellungsstück Nummer fünf ist ein Knochenfragment eines Mammuts mit Bearbeitungsspuren und so etwas wie ein multifunktionales Werkzeug gewesen. Nummer sechs ist ein Geweihfragment eines eiszeitlichen Rothirsches. Der Fundort ist Lampertheim. "Ich sammle seit 30 Jahren", berichtete Hartnagel. Das Geweihfragment sei bearbeitet und könne als Schlagwerkzeug gedient haben, denkt Hartnagel.

Kris Weber aus Worms stellt ein Messer aus der Mittleren Steinzeit aus, das er in der Region Lorsch gefunden hat. Gebrauchsspuren belegten die Verwendung als Schneidgerät. "Wir sind bei Wind und Wetter unterwegs", sagte Kris Weber. Regelmäßig suche er mit seiner Partnerin Elli Eisenhauer Kiesgruben ab. So habe das Pärchen schon etliche Tierfossilien entdeckt. "Die Seltenheit macht den Spaß aus", erläuterte der ambitionierte Sammler lachend. Er bedauerte, dass bei den meisten jungen Menschen kein Interesse für die Steinzeit vorliege.

Zum Fachsimpeln und Erfahrungsaustausch war der Bürstädter Hobby-Archäologe Dieter Heumann gekommen. Er konnte über viele Aktionen berichten. Er hat von der Hessen Archäologie die Erlaubnis, rein optisch nach Oberflächenfunden zu schauen und mit dem Metalldetektor nach Objekten zu suchen.

Alles sorgfältig notiert

"Wenn ich etwas gefunden habe, notiere ich alles sorgfältig", betonte Heumann. Als Ausgrabungshelfer im Neubaugebiert Sonneneck hat er auch schon geholfen, zwei Skelette freizulegen. "Ich war hautnah dabei", berichtete Heumann. Außerdem hat er Artefakte gefunden und eine römische Münze, die aus der Zeit um 300 nach Christus stammt. Auch das Ehepaar Günter und Dörte Gerlt schaute sich die Exposition an. "Wir interessieren uns dafür und wenn wir im Urlaub sind, sammeln wir auch Steine und Fossilien", schilderten die Lampertheimer.

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