Lampertheim

Kirche Bei ökumenischer Aktion versammeln sich am Freitagabend Christen beider Konfessionen auf dem Lampertheimer Domplatz

Glocken läuten für den Weltfrieden

Archivartikel

Lampertheim.Am Freitagabend war jener Besucher gut beraten, der sich mitten auf die Domwiese gestellt hatte. Denn so konnte zumindest das Geläut von zwei Lampertheimer Gotteshäusern gehört werden: der evangelischen Domkirche und der katholischen St. Andreaskirche. Zeitgleich läuteten die Glocken der Kirche Mariä Verkündigung, der Martin-Luther-Kirche und der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde.

Anlass war der Welt-Friedenstag. Unter dem Thema „Friede sei ihr erst Geläut“ begann um 18 Uhr das 15-minütige Glockenläuten. Gleichzeitig wurden in ganz Europa die Glocken geläutet, um gemeinsam für den Frieden einzustehen. Das Friedensläuten und die Friedensandacht sollten auch an das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren und den Beginn des Dreißigjährigen Kriegs vor 400 Jahren sowie an die europäische Wertegemeinschaft erinnern. Der Gedenktag (Day of Peace) wurde vor 37 Jahren von den Vereinten Nationen geschaffen, um die Idee des Friedens zu stärken. Die Begrüßung beim Friedensgebet übernahm Pfarrerin Sabine Sauerwein von der Lukasgemeinde: „Aus allen christlichen Gemeinden der Stadt Lampertheim haben wir uns zu diesem Friedensgebet versammelt. Die Glocken in unseren Kirchtürmen haben uns dazu gerufen.“

Die Aktion der Europäischen Kommission sei wichtig. „Weil wir es nicht schaffen, so vielfältig und unterschiedlich, wie wir sind, in Frieden zu leben“, trat die Lukaspfarrerin für ein friedliches Miteinander ein. Pfarrer Ralf Kröger und Kirchenvorsteher Bernhard Jilg von der Luthergemeinde widmeten sich den Namen der Glocken in den Städten Europas. Viele Glocken seien durch Luftangriffe im Krieg zerstört worden. Heute ertönten in den Städten Glocken der Versöhnung.

Die Lukaspfarrer Adam Herbert und Sven Behnke sowie Vikarin Jasmin Setny übernahmen das Kyrie. Vikarin Setny verlas Aufzeichnungen von Anne Frank und Pfarrerin Sauerwein Schriften der Geschwister Hans und Sophie Scholl. Pfarrer Behnke versinnbildlichte mit den Erlebnissen des Glockengießers Hanns Martin Rincker, dass die Glockengießer früher noch andere Auftraggeber als Kirchengemeinden hatten – sie mussten auch Kanonen gießen. Ein Gebet für Europa schickte Pfarrer Patrick Fleckenstein in die Runde: „In einer Zeit, in der Populismus und Nationalismen Auftrieb haben, glauben wir an die Kraft der Beziehung und der Bündnisse. In einer Zeit, in der die Freiheit Europas durch Mauern gesichert wird, glauben wir an einen Gott, mit dem wir über Mauern springen können.“

Eine mobile Glocke hatte Jörg Lüling mitgebracht. Der Pastor ließ die Handglocke läuten und sprach: „Zum Klingen bist du gemacht, Glocke, aber aus eigener Kraft kannst du nicht läuten.“ Während die Pfarrer den Segen sprachen, nahmen sich die Menschen bei den Händen, um für den Frieden einzustehen. roi

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