Lampertheim

Gut fürs Klima I Warum Pflanzen besser für alle sind als eine geschotterte Steinwüste vor dem Haus

Glühende Gärten des Grauens

Archivartikel

Lampertheim.Schottergärten sind für Naturschützer ebenso schlimm wie großräumige Blechkarossen für ökologisch bewusste Verkehrsplaner. Denn solche „Gärten des Grauens“ passen nicht in diese Zeit, weil sie das Bemühen unterlaufen, den Klimawandel aufzuhalten, wenn nicht gar zu stoppen. Allerdings versprechen Schottergärten einen reduzierten Pflegeaufwand – doch das nur zum Schein.

Als umso verheerender bewerten die Leiterin der Technischen Betriebsdienste, Sabine Vilgis, und ihre Kollegin Astrid Tippelt den Schaden zu Lasten des Pflanzens- und Insektenreichtums. Dieser verarmt ohnehin unter dem Druck von zunehmender Hitze und Trockenheit. Vor diesem Szenario werden auch Vorgärten immer wichtiger für die Versorgung einer Kommune und ihrer Bürger mit allem, was lebt. Ein geschotterter Vorgarten aber – der ist für die Mitarbeiterinnen der Lampertheimer Stadtgärtnerei tot. Und damit wertlos im Kampf gegen Hitze und Dürre. „Eine Steinwüste ist kein Garten“, macht Vilgis deutlich.

Sich an diesem Kampf zu beteiligen, daran müssten eigentlich alle Hauseigentümer ein Interesse haben, meinen Vilgis und Tippelt im Gespräch. Denn je mehr die Temperaturen in der Stadt steigen, umso wichtiger werden Erde und Pflanzen auch als Kühlfaktor vor dem eigenen Haus. Einen „Ofen vor der Tür“ will, so formuliert es Sabine Vilgis, niemand.

Die Stadt Lampertheim hat in ihren Grünfestsetzungen die Bepflanzung von Grundstücksfreiflächen und Vorgärten vorgeschrieben; dass sich immer mehr Hausbesitzer diesen Vorschriften entziehen, hat nun auch in Lampertheim zu einem Nachdenken über striktere Maßnahmen geführt. Das Resultat ist noch offen.

Weil die Durchschnittstemperatur in Wohngebieten im Durchschnitt zwei Grad höher ist als auf freier Flur, kommt Gärten im Grünflächenkonzept der Stadt eine immer höhere Bedeutung zu. Sie bilden grüne Inseln, die von Kleinstlebewesen zur Besiedelung ihrer Lebensräume genutzt werden. Die Stadt selbst trägt zur Biotopvernetzung bei, indem sie Verkehrsinseln bepflanzt oder Straßenrandstreifen einsät, etwa entlang der Neuschloßstraße. Selbst die Baugenossenschaft hat die Zeichen der Zeit erkannt und weist bei Neubaumaßnahmen wie aktuell jener im Heideweg bepflanzte Grünflächen aus.

Die Technischen Betriebsdienste geben unter anderem eine Broschüre mit Tipps zur Gartengestaltung heraus. Sie haben obendrein eine Liste mit Empfehlungen für Staudenmischungen erstellt, die sich zum Anpflanzen in Vorgärten eignen. Erstmals haben sie in diesem Jahr Informationsveranstaltungen in Neuschloß, Hüttenfeld sowie auf dem Lampertheimer Spargelmarkt abgehalten.

Die Stadtteile Rosengarten und Hofheim sollen noch in diesem Jahr folgen. Dabei geht es immer auch darum, Gartenbesitzer davon zu überzeugen, dass grüne und blühende Vorgärten nicht nur dem allgemeinen Klima zuträglich sind, sondern dass sich der Einsatz gegen Hitze und Trockenheit auch unmittelbar, also für den Gartenbesitzer selbst, auszahlt.

Der Pflegeaufwand lässt sich mit einer Auswahl von Stauden begrenzen, wie Sabine Vilgis und Astrid Tippelt betonen. Eine automatische Bewässerungsanlage, die etwa über Nacht läuft, erspare zudem manchen körperlichen Einsatz. Und das alles ohne erheblichen finanziellen Aufwand. Und was den vermeintlich geringeren Pflegeaufwand von Schottergärten betrifft: Auch diese müssen gelegentlich von Unkraut befreit werden. Bei Starkregen kann aus der steinernen Ordnung ganz schnell eine Matschwüste werden.

Rasen, Thuja-Hecke und Wacholderstrauch mögen gegenüber einer Schotterfläche zumindest vordergründig die bessere Wahl sein. „Doch als Insekt würde ich da einen großen Bogen drumherum fliegen“, meint Betriebsleiterin Vilgis mit Blick auf den mangelnden Nahrungswert.

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