Lampertheim

Vortrag Pastor Jörg Lüling über die Rolle des Staates in der Geschichte

Gott und die Demokratie

Archivartikel

Lampertheim.Gehört Gott noch zu einem modernen Staat? Und wenn ja – welche Rolle darf er in einer Demokratie einnehmen? Um diese Fragen drehte sich die jüngste Veranstaltung des Lampertheimer Bündnisses für Demokratie. Baptisten-Pastor Jörg Lüling legte mit einem Vortrag im Alten Rathaus die Zusammenhänge zwischen der von Gott ausgehenden Theokratie und einer vom Volk ausgehenden Demokratie dar. In einem geschichtlichen Abriss durch die Zeit des Alten Testaments ging Lüling auch den Ursprüngen der Demokratie auf den Grund und zeigte auf, welche Entwicklungen die Religionen dabei nahmen.

Dabei lieferte Lüling, der als Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen-Baptistengemeinde in Lampertheim tätig ist, eine etwas abstrakte theologische und philosophische Reflexion durch die Zeitgeschichte. Der Begriff Theokratie, also Gottesherrschaft, sei etwa im Römischen Reich durch Josephus Flavius geprägt worden, der damit vor allem den jüdischen Staatsgedanken meinte.

In Ägypten befiehlt Re

Dabei sei eine Entwicklung im Laufe der Zeit festzustellen. Das alte Ägypten etwa sei mit dem Sonnengott Re und dem herrschenden Pharao „1 zu 1“ eine Theokratie. „Hier befiehlt der Sonnengott“, erklärte Lüling. Im Laufe der Jahrhunderte aber habe es eine theologische Entwicklung gegeben.

Lüling ging dabei insbesondere auf die Schriften des Alten Testaments ein und die jüdisch-christliche Glaubensentwicklung. Die Veranstaltung stand dabei unter dem Motto Perspektivwechsel. „Die theologische Vorstellung der Menschen hängt immer von der Welt ab, in der wir leben“, sagte der Pastor. Schon im Königreich Israel etwa habe es für den König mit den Priestern einen Gegenpart gegeben, obgleich Widerrede noch immer das Leben kosten konnte.

Doch schon in den zehn Geboten sieht der Pastor gewissermaßen einen „Herzschlag der Gerechtigkeit“, der sich zuvorderst gegen die Machtausnutzung der Reichen gerichtet habe. Dort zeige sich auch, dass Religionen und Völker immer wieder Gesetze anderer Staatssysteme übernommen und modifiziert hätten.

Stimme des Volkes

Indem Gott dem Mensch die Herrschaft über die Erde übertrage, habe er schon ein Teil seines Souveräns abgegeben. In den späteren Psalmen werden ferner oft das Wort „bitten“ verwendet, was nicht der Anspruchnahme eines Königs „Gib“ entspreche. „Im Zentrum steht bei Gott immer der Mensch selbst“, betonte Lüling. Im Buch Samuel etwa sage Gott: „Gehorche der Stimme des Volkes in allem.“

Das Verhältnis zwischen Gott und Mensch symbolisierte Lüling mit einem Gleichnis zwischen seinem Enkelsohn und seinem Hund. Die Frage: Wer zieht wen? Treibt Gott den Menschen vor sich her oder bestimmen die Menschen über Gott? „Für mich existiert in dieser Beziehung keine Leine“, erklärte er. Das Verhältnis basiere vielmehr auf Vertrauen.

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