Lampertheim

Kommunalpolitik Kanal in Neuschloß stinkt wie nie zuvor

„Haben die Schnauze voll“

Archivartikel

NEUSCHLOß.Den Neuschlössern stinkt es gewaltig. Erneut macht dem Stadtteil extremer Kanalgeruch zu schaffen. Laut Bürgerkammer-Pressesprecher Michael Bayer hat es im heißen Sommer trotz neuer Schwallspülklappen so viele Beschwerden gegeben wie noch nie.

„Es stinkt ohne Ende“, „seit Tagen unangenehm bis kaum erträglich“, „Gestank beim Frühstück auf der Terrasse“ – das sind Auszüge aus den Beschwerden, die Bayer in der jüngsten Bürgerkammersitzung vorgetragen hat. Es seien allein im Juli mehr als ein Dutzend Meldungen eingegangen. „Die Neuschlößer sind zunehmend genervt und der Ton in Richtung Lampertheim wird rauer“, berichtete er. Die Meldungen zeigten außerdem: Es stinkt im ganzen Stadtteil, nicht nur in einzelnen Straßen.

Eigentlich hatte Neuschloß gehofft, das Problem sei mit dem Einbau der Schwallspülklappen im vergangenen Jahr gelöst. „Im Winter hat das auch gut funktioniert“, meinte Bayer. Die extremen Auswüchse in den vergangenen Monaten führen die Beteiligten auf den heißen Sommer mit wenig Wasser zurück. „Ohne Wasser funktionieren die Klappen nicht“, stellte Bürgerkammervorsitzende Carola Biehal einen naheliegenden Zusammenhang her. Denn das Prinzip der Schwallspülklappen ist eigentlich simpel. Die Vorrichtungen blockieren den Kanal und öffnen sich zwei Mal täglich, um stinkende Ansammlungen in einem „Schwall“ fortzuspülen.

Die Verwaltung habe im Sommer zusätzlich versucht, Sauerstoff und Wasser in die von Hüttenfeld kommende Leitung einzuspeisen und der Problematik so entgegenzuwirken. „Die Stadt bemüht sich“, konstatierte Michael Bayer, „aber es reicht nicht aus“. Er plädierte dafür, „das Übel am Grund zu packen“ und sich Gedanken über grundlegende Kanalveränderungen zu machen. „Wir bitten die Stadt, Wirkung, Voraussetzungen und Aufwand für eine Verlängerung der Druckleitung um Neuschloß herum bis zur Pumpstation am Friedhof ermitteln zu lassen“, lautete sein einstimmig angenommener Antrag.

Stadt scheut große, teure Lösung

Die Ausnahmesituation im Sommer dürfe keine Ausrede sein, stimmte Erster Stadtrat Jens Klingler als Vertreter der Verwaltung zu. „Eine endgültige Lösung gibt es nur, wenn man grundsätzlich an den Kanal geht“, war auch er sich sicher. Noch versucht die Stadt allerdings, aus Kostengründen um solche Maßnahmen herum zu kommen. Aktuell würden Zwangsentlüftungen in den Wald geprüft. Für die Neuschlösser ist das keine Option mehr. „Wir haben jahrelang alles versucht, nun haben wir die Schnauze voll! Die Stadt muss in die Puschen kommen“, echauffierte sich Bürgerkammer-Mitglied Heidrun Kemnitzer. ksm

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