Lampertheim

Fahrgastbeirat Behinderten-Beirat kritisiert Nahverkehr

Haltestellen brauchen Zeit

Archivartikel

LAMPERTHEIM.Eigentlich müssten bis ins Jahr 2022 alle Bushaltestellen im Kreis Bergstraße barrierefrei sein. So wollen es der Gesetzgeber und der Nahverkehrsplan. Dass eine vollständige Barrierefreiheit im Öffentlichen Personennahverkehr bis zu diesem Zeitpunkt aber „definitiv nicht zu schaffen“, geradezu utopisch sei, machte Uwe Becher am Rande der jüngsten Fahrgastbeiratssitzung klar.

„Wir werden dieses Ziel sicher nicht erreichen“, gab der Ordnungsamtsleiter in der VRN-Mobilitätszentrale unumwunden zu. Lampertheim werde an diesem Ziel nicht etwa knapp, sondern vielmehr krachend scheitern. „Von 97 Haltestellen im Stadtgebiet sind bisher gerade einmal 22 barrierefrei“, teilte Becher auf Anfrage mit. Der Fachbereichsleiter wies aber darauf hin, dass die Situation im gesamten Kreis ähnlich sei. „Wir sind einfach nicht in der Lage, das umzusetzen“, so der Verwaltungsmitarbeiter.

Die Kosten für einen Umbau belaufen sich laut Becher pro Haltestelle auf 25 000 bis 55 000 Euro – abzüglich variierender Zuschüsse. Deshalb plane man derzeit mit zwei bis vier umgebauten Haltestellen pro Jahr im Haushalt. Oft reiche auch der Platz für fachgerechte Umbaumaßnahmen nicht aus. Eine barrierefreie Haltestelle für den Gelenkbus brauche etwa eine Bürgersteiglänge von 50 Metern. Selbst im Idealfall würde die Quote in drei Jahren noch weit unter der Hälfte liegen.

Wissen, wo die Reise hingeht

Jochen Halbauer bemängelte als Vertreter des Behindertenbeirats nicht nur, dass es zu wenig umgebaute Haltestellen gibt. Als mobilitätseingeschränkte Person wisse man nicht einmal, wo man ein- und aussteigen könne. „Es muss ja nicht gleich jede Halte barrierefrei sein. Aber zu wissen, wohin ich fahren kann, würde erheblich helfen“, sagte der Rollstuhlfahrer.

In Mannheim und in Ludwigshafen gebe es solche Pläne. Becher nahm den Hinweis auf. Auf Anliegen wie die von Jochen Halbauer will der Fahrgastbeirat künftig als „Sprachrohr aller Fahrgäste“ noch besser eingehen können. Über eine Facebookseite soll man Vertreter des Gremiums leichter erreichen können. „Wir werden vermittelnd tätig“, stelle Beiratsvorsitzende Lara Strubel ihre Pläne vor.

Passend dazu haben sich die Ehrenamtlichen aus drei Entwürfen, die kostenlos zur Verfügung gestellt wurden, ein eigenes Logo ausgewählt: Ein weiß stilisierter Bus auf „VRN-blauem“-Grund repräsentiert künftig den Beirat. Mit Heinz-Dieter Schäfer ist künftig auch ein ständiger Vertreter aus dem Seniorenbeirat dabei.

Auf Forderungen eingegangen

Beiratsvorsitzende Strubel informierte ferner über die Kreis-Beiratssitzung und den Sachstand des neuen Nahverkehrsplans. „Auf unsere Forderungen wurde eingegangen“, freute sie sich. Man sei „fester Bestandteil der Beteiligungsphase“. Etwa die Routen Lampertheim-Mannheim/Sandhofen oder Lampertheim-Heppenheim seien kreisweit gewünscht. Die Verabschiedung des Plans werde sich wohl bis zum Frühjahr 2020 verschieben, so Strubel.

Zuvor hatte VTL-Geschäftsführer Bernd Isenhardt, der dem Gremium genau wie Uwe Becher beratend zur Seite steht, die Mobilitätszentrale in der Kaiserstraße vorgestellt. Die Einrichtung sei keine Tickethalle, biete vielmehr spezielle Angebote und Beratung. Dazu gehören nun auch E-Mobilitätsangebote zum Ausleihen und „touristische Packages“ mit Segways, Scroosern oder der Fähre Frischling. ksm

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