Lampertheim

Prunksitzung Büttenreden und Tanzvorführungen sorgen bei Hofheimer Fastnachtern für Begeisterung

Humor steuert Narrenschiff

Hofheim.In die bunte Welt der Narretei entführte der Hofheimer Carnevalverein (HCV) die Besucher im ausverkauften Bürgerhaus. Sitzungspräsident Alexander Scholl versprach wahrlich nicht zu viel in seiner Begrüßung: „Wir wollen wieder mit Humor und Lachen, Ihnen allen sehr viel Freude machen“. Der erfahrene Sitzungspräsident steuerte gekonnt das Narrenschiff durch das vierfarbige HCV-Meer, „drum steigen Sie ein, es wird famos, wir machen jetzt die Leinen los“. Die goldigen Wichtel, die Kleinsten innerhalb des HCV, tauchten als erstes ins tiefe Nass ab und sorgten für einen famosen Beginn im Beisein zahlreicher Ehrengäste – etwa der Träger des Ordens „närrischer Till“ Christa Litters, Heiner Fingerle, Martina Vock, Rosemarie Scholl und Rita Rose sowie Alexander Rank, Sitzungspräsident des Canisiushauses.

Katrin Scholl warf als Protokollerin einen ernsten Blick auf die Geschehnisse in Lambade und Howwe und rückte sie ins rechte Licht. Sie fand ein neues Logo „Howwe, die echte Perle im Ried“, verwies auf kostspielige Tonnenleerungen aufgrund von Kalkulationsfehlern und empfahl eine Leasingagentur für Lampertheimer Elferräte.

Die eh schon gute Stimmung im Narrenschiff heizten dann die fünf Partysänger weiter an („Heute wird gefeiert und die Blaskapelle spielt“). Sie animierten zum Mitsingen und Schunkeln („Rot, rot sind die Rosen“).

Erste Rakete für die Garden

Grazie und Anmut boten die Flower Powers und die Piccolos, die kleine und mittlere Garde des HCV, für die auch die erste närrische Rakete des Abends gezündet wurde. Von unterschiedlichen Vorstellungen und auch Wahrnehmungen von Urlaub erzählten Martina Vock und HCV-Chef Edwin Stöwesand in ihrem Zwiegespräch, „Urlaub ist ne tolle Zeit, vor allem zu zweit“.

Für Begeisterung im Publikum sorgte auch die Garde. Nicht mehr wegzudenken im närrischen Kaleidoskop ist zudem Markus Scholl, der Till vom HCV. „Plumpe Seitenhiebe sind nicht sein Ding, sondern närrisch-elegant hat der Till das was hier im Land, Mann und Frau und Kind bewegt, den Seinen auf den Tisch gelegt“. Etwa beim Betrachten der Wahl zum neuen CDU-Vorsitz: „Chef der CDU wird man nicht, wenn man schwul ist oder Millionär“, „AKK gewann die Wahl, fährt 500er Daimler, man sagt, er stammt aus Polen, war früher mal gestohlen“.

Danach arbeitete der Till den Missbrauch der katholischen Kirche, die WM, Özil und Trump als „geilsten Präsidenten aller Zeiten“ ab. Der Till vom HCV – politische Fastnacht der Extraklasse, unnachahmlich und zweifellos ein Höhepunkt der Narrenschau, der zurecht mit stehenden Ovationen gefeiert wurde.

Schlag auf Schlag ging es weiter, nach ihrem beeindruckenden Gardetanz entführten die Piccolos in die magische Welt von Alice im Wunderland.

Schließlich erklomm Volker Hildebrand zunächst als „lustloser Fastnachter“ die Bütt, der sich vom Konfettischneider hochgearbeitet hatte, um dann doch mit einem einzigartigen, kurzen und vor allem prägnanten Vortrag Gefallen am närrischen Geplänkel zu finden: „Ich sach nur guten Tach und dass ich heut kein Vortrag mach“. Viel Applaus gab es auch für Hildebrand, dessen Frau sich quer stellt, „du machst moin ganze Ruf zunichte, mit deinem Rumgedichte“. Dennoch, „als Fastnachter im Vertraue, hat man Ahnung bei de Fraue“.

„Wir reisen jetzt mit viel Vernunft, einige Jahre nach vorne in die Zukunft“, kündigte der Sitzungspräsident den beeindruckenden Tanz der Pink Ladies zum Finale des ersten Teils an. Die Damen, alle Mitte 20, zeigten, „wie es richtig geht, wie eine Oma sich bewegt“.

Gesanglich startete HCV-Hitsänger Alexander Scholl nach der Pause durch, der Saal war quasi sofort von Null auf 100 und bebte förmlich. Sein persönlicher Hit-Mix: „Ich muss hier raus, ich halts hier nicht mehr aus“, „Wie heißt die Mutter von Niki Lauda“ und „Ich bin nur ein Howwemer Bub“, die klassische Iglesias-Zugabe.

Einen Ausflug ins Weltall unternahm – äußerst kreativ bei ihrer tänzerischen Umsetzung – die Garde. Voller Witz und Humor stellte sich des Weiteren Anke Petri-Rieger bei ihrer Büttenpremiere als Engel vor. Dabei demonstrierte sie närrisch, was im Himmel und auf Erden so passiert und landete hierbei auch schon einmal im Misthaufen. Spiel und Spaß mit ihrer kunterbunten Playbackshow brachten die Wonneproppen mit Auszügen aus der Augsburger Puppenkiste. Den Mauerfall untermalten die HCV-Knusperstangen – das außer Rand und Band befindliche Männerballett – tänzerisch mit einer Liebesgeschichte, die eine Rakete nach sich zog.

Das Jahr der Bürgermeisterwahlen in Bürstadt, Lamberde und Biblis griff Kandidatin Heike Hildebrand Howwe (HHH) geschickt auf, ein absolut humoristischer Glanzpunkt zu später Stunde im närrischen Programm. HHH will „Obeerin in Lamberde werde“. Dafür braucht sie einen Coach für ihren Wahlkampf und lässt den Klingeling Klingler kommen.

„Hamm viel Pech beim Denke“

Seitenhiebe in Richtung Kernstadt inbegriffen: „Die Lamberder sinn net dabbisch, hamm viel Pech beim Denke“. Der Kreis schließt sich letzten Endes beim Haustürwahlkampf mit der einmaligen Mimik und Gestik von HHH, die es sich auch nicht nehmen lässt, auf der Gieskanne zu blasen. „Sollte das bei dir nicht funktionieren, kannst du es im Oktober in Biblis noch probieren“, lautete die Empfehlung des Sitzungspräsidenten für ein weiteres Aushängeschild des HCV.

Beim großen Finale gab’s dann noch einmal ein beeindruckendes Stelldichein der Protagonisten auf der Bühne. Ein dreifach donnerndes Helau dem HCV zur rundum gelungenen Narrenschau. fh

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