Lampertheim

Ansturm Viele Interessenten melden sich während der Corona-Krise beim Tierheim / Einnahmen zum Großteil weggebrochen

Hund und Katz’ gefragt wie nie

Archivartikel

Lampertheim.Wie schön das Leben in einer Familie sein könnte, das wünscht die „schöne Bella“ zu erfahren. Lusi liebt es, spazieren zu gehen, und würde gerne das Herrchen oder Frauchen fürs Leben finden. Zwei von 17 Hunden – und 13 Katzen –, die das Tierheim Lampertheim derzeit vermittelt und deren Steckbrief auf der Internetseite einzulesen ist. Über mangelndes Interesse an ihren Schützlingen müssen sich die Tierschützer keine Gedanken machen. „Es ist Wahnsinn, wie das hochgeschnellt ist. Wir haben das Zehnfache an Anfragen wie vor der Corona-Krise“, sagt Annette Maring, Vorsitzende des Tierschutzvereins Lampertheim, der das Tierheim trägt, und lacht am Telefon.

Ganz ungetrübt ist die Freude darüber jedoch nicht, wie sie betont: „Wir haben leider derzeit auch viel ,ungezogene’ Kundschaft. Teils wollen sie sich telefonisch nochmals melden und tun dies dann nicht, teils werden verabredete Termine nicht eingehalten.“ 30 Prozent der Interessenten würden nicht auftauchen. „Das hatten wir vor Corona nicht, da waren 99 Prozent zuverlässig“, ärgert sich Maring und appelliert an alle, sich auf mehr Höflichkeit zu besinnen. Im Gegensatz zum normalen Ablauf, wo Interessenten zu den Öffnungszeiten vorbeikommen konnten, werden derzeit nämlich nur Einzeltermine – bis zu zehn Stück pro Tag – ausgemacht, um die Abstandsregeln einzuhalten. Und das bedeutet viel mehr Aufwand für die Mitarbeiter, von denen nur die Tierheim-Leiterin, Annekatrin Geyer, fest angestellt ist und die anderen ehrenamtlich arbeiten.

Oft unüberlegte Entscheidung

Ein anderes Problem ist, dass viele Menschen momentan – durch Kurzarbeit oder Homeoffice – mehr Zeit daheim verbringen und der Wunsch nach einem Haustier wächst. „Wir müssen bei jedem Interessenten schauen, ob auch nach Corona noch Zeit für ein Tier ist“, erklärt die Vorsitzende, die sich im Tierheim um das Organisatorische kümmert. Neben der Wohnsituation werde auch der Job abgefragt und ob es Überlegungen gibt, wie Arbeit und Betreuung arrangiert werden sollen. „Wenn es sich jemand reiflich überlegt hat, hat er gleich eine Antwort parat. Wenn nicht, hat er sich keine Gedanken gemacht – und das ist schlecht.“ Die Leute seien mit der Entscheidung dann nicht immer zufrieden, „aber wenn ich nicht hundertprozentig ein gutes Gefühl bei der Vermittlung habe, dann muss ich auch nein sagen. Dafür haben wir auch nur eine Rücklaufquote von einem Prozent“, betont Maring.

Organisatorisch musste das Tierheim einiges umstellen. „Am Anfang der Corona-Krise haben wir mehrmals in der Woche einen neuen Katalog mit Maßnahmen vom Tierschutzbund bekommen“, erzählt sie. Neben der Neuorganisation der Terminvergabe können derzeit auch keine Hunde von der Jugendgruppe des Tierheims oder von Außenstehenden Gassi geführt werden. „Wir haben aber ein paar Ausläufe, wo sich die Hunde vergnügen können. Zudem geht Frau Geyer morgens oft mit einigen der Tiere spazieren“, erklärt Maring, die seit 1995 Vorsitzende des Tierschutzvereins ist.

Nicht nur durch den erhöhten Aufwand bei der Vermittlung und Betreuung der Tiere, auch durch die finanzielle Situation laufe das Tierheim momentan „auf der Felge“. „Anfang September wäre der Tag der offenen Tür gewesen, der wird ausfallen. Wir können die Abstandsregeln nicht überwachen. Zudem könnten nur die Hälfte der Leute kommen – dafür ist es ein zu großer organisatorischer Aufwand“, so Maring. Auch die Spenden zwischendurch brechen derzeit weg: „Normalerweise kommen während der Öffnungszeiten viele Leute und bringen Futter oder auch mal eine Geldspende. Das fehlt momentan.“

Überlegungen laufen gerade, beim Futterhaus wieder einen Kuchenstand zu organisieren. „Beim letzten Mal haben wir dort guten Umsatz gemacht. Wir fragen jetzt nach, ob wir wieder Kuchen verkaufen dürfen.“ Es seien halt harte Zeiten, „und es wird sicher auch kleinere Tierheime geben, die die Krise nicht überstehen werden“, ist sich Maring sicher.

Wer dem Tierheim helfen möchte, kann gerne Futterspenden bringen, sagt die Tierschützerin. „Das wäre eine immense Hilfe. Wir bräuchten momentan Hundetrockenfutter und Katzen-Nassfutter. Und wir freuen uns natürlich auch über eine Spende auf unser Konto.“

Info: Tierheim im Internet: https://tierheim-lampertheim.de

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