Lampertheim

Musikschule Rund 13 Prozent der Schüler sind Erwachsene / Viele erfüllen sich mit dem Unterricht einen langgehegten Traum

„Ich wollte schon immer Gitarre spielen“

Archivartikel

Lampertheim.„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“, sagt der Volksmund. Das stimmt so nicht, wissen die erwachsenen Schüler der Musikschule Lampertheim. Seit Jahren verzeichnet die Schule einen wachsenden Zulauf an spätberufenen Musikern. Nach Angaben von Schulleiter Joachim Sum nehmen momentan 105 Erwachsene am Unterricht teil. Das sei immerhin ein Anteil von 13 Prozent aller Schüler: „Etwa ein Drittel ist sogar schon im Ruhestand, unser ältester Schüler ist knapp achtzig Jahre.“

Schnupperstunde möglich

Von Anfängern bis Wiedereinsteigern sei dabei alles vertreten, erklärt Sum und erzählt von einem Pensionär, der seine Gitarre auf dem Speicher wiederfand und sich umgehend zum Unterricht anmeldete. Für diejenigen, die länger zögern, sei der Tag der offenen Tür eine gute Gelegenheit, sich über das breitgefächerte Angebot zu informieren. Nach der Teilnahme an der Schnupperstunde sei für die Meisten die Entscheidung schnell gefallen, berichtet der Musikschulleiter.

Bei allem Lernfortschritt stehe bei den älteren Schülern der Spaß im Vordergrund. Die Wahl vieler Anfänger falle auf eine Gitarre, weil sie sich gut für Gruppenunterricht eigne. Aber auch Klavier, Flöte und Saxofon seien beliebte Instrumente. Obwohl Erwachsene möglicherweise etwas schwerer lernten, gäbe es rasche Erfolgserlebnisse. „Wer im Oktober anfängt, kann seiner Familie an Weihnachten schon etwas vorspielen“, weiß Sum. Für die Lehrer sei die Zusammenarbeit mit Älteren eine willkommene Abwechslung, berichtet er. Sie müssten sich auf komplett andere Unterrichtsmethoden einstellen und profitierten dabei von konkreten Rückmeldungen.

Mit 62 Jahren gehört Walter Lemmin zu den ältesten Teilnehmern der „Erwachsenenbühne“, die in der gerade erst in der Zehntscheune stattfand. Seit fünf Jahren nimmt er Gitarrenunterricht. Davor habe er sich eine Zeit lang als Autodidakt versucht, berichtet er. Als er vom Angebot der Musikschule hörte, habe er beschlossen: „Jetzt lerne ich es richtig.“ Dabei gefalle ihm der praxisorientierte Unterricht in der Gruppe. „Perfekt Noten lesen, will ich gar nicht können“, lacht er. Ohne Üben gehe es allerdings nicht, trotz Berufstätigkeit plane er neben dem wöchentlichen Unterricht noch zwei bis drei Stunden zum Musizieren ein.

„Ich wollte schon immer Gitarre spielen“ erinnert sich Monika Arnheiter. Als Kind hat die heute 59-Jährige Mandoline gelernt, sie habe aber immer von einer coolen Gitarre geträumt. Vor vier Jahren sei sie endlich soweit gewesen, den Vorsatz in die Tat umzusetzen. „Einzelunterricht kam für mich nie in Frage, im Ensemble macht es viel mehr Freude“, betont sie. Gemeinsam mit den anderen könne man immer wieder Neues ausprobieren. Als persönliches Ziel habe sie sich vorgenommen, unbedingt noch ihren Gesang zu verbessern. Auch für Edith Schaffer hat sich ein langgehegter Wunsch erfüllt: „Früher habe ich nur unter der Dusche gesungen.“ Seit einem Vierteljahr nimmt sie Gesangsunterricht und verfeinert ihre Atemtechnik und die Stimmbildung. Nachdem sie jahrelang beruflich eingespannt gewesen sei, habe sie nach einem Jobwechsel entschieden, sich mehr Zeit für Hobbys zu nehmen. Es sei kein Problem, sich die Melodien anzueignen, erzählt die 60-Jährige. Etwas schwerer falle es ihr, sich alle Texte zu merken: „Musik ist gerade für Ältere ein tolles Gehirnjogging“, bekräftigt sie.

Grundsätzlich kann man in jedem Alter ein Instrument lernen, ist sich Musikpädagoge Sum sicher. Das halte geistig rege und sei zudem ein sehr geselliges Vergnügen.

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