Lampertheim

Weihnachten Lampertheimer Kirchengemeinden planen für Feiertage unter Pandemie-Bedingungen / Viele Angebote im Netz und unter freiem Himmel angedacht

Im Coronajahr eine „Christmette to go“

Lampertheim.Eines ist gewiss: „Weihnachten findet auch in diesem Jahr wieder statt“, sagt Pfarrerin Sabine Sauerwein von der Lukasgemeinde. In ihrer Stimme schwingt viel Zuversicht mit. Denn dass sie für Kirchenfeste unter Pandemie-Bedingungen neue Formen kreieren müssen, ist bei Geistlichen und Laien in Lampertheim inzwischen gelebte Praxis. Und so sind die Planungen für das Christfest längst angelaufen.

Pfarrer Ralf Kröger von der Martin-Luther-Gemeinde betrachtet Corona nicht nur als Problem. „Es ist eine Herausforderung und eine Chance zugleich“, betont er im Gespräch mit dieser Redaktion. Durch die Krise hat seine Gemeinde etwa den Sprung ins digitale Zeitalter geschafft. Mit Erfolg. „Wir haben inzwischen beispielsweise deutlich mehr Teilnehmer an den Gottesdiensten“, freut sich der Pfarrer.

Wenn Kröger einen Gottesdienst nicht nur in der Pfarrkirche hält, sondern ihn auch ins Internet übertragen lässt, registriert er häufig doppelt so viele Gläubige an mobilen Endgeräten wie Besucher in den Bänken vor dem Altar. Die neuen Songandachten, die die Luther-Gemeinde in Zusammenarbeit mit Sängerin Barbara Boll, Gitarrist und Sänger Matthias Klöpsch sowie Keyboarder Patrick Embach fürs Netz produziert, bringen es – laut Kröger – jeweils auf rund 150 Klicks. „In einer normalen Andacht sitzen gerade mal zehn bis 15 Gläubige“, macht er den Unterschied deutlich.

So ist es also kein Wunder, dass der Lampertheimer Pfarrer auch für den Advent auf virtuelle Andachten setzt. 24 soll es davon geben. Mit ganz verschiedenen Beiträgen. Chöre, Kita, Organist und viele andere mehr hat Kröger für das Vorhaben schon angesprochen. „In einem Beitrag könnte ein Kind ein Gedicht vortragen, in einem anderen der Posaunenchor spielen. Vielleicht gibt es mal einen Rezept-Tipp oder mal eine Bastelidee“, erklärt er. Das Ganze soll schließlich als Zoom-Meeting im Internet stattfinden. Gläubige an bis zu einhundert Endgeräten könnten sich dann zuschalten.

Mit Wolldecken und Fackeln

Über die Weihnachtsfeiertage will Ralf Kröger mit den gewohnten Gottesdienstzeiten Kontinuität bieten. So soll es an Heiligabend um 15 Uhr ein Krippenspiel geben. Natürlich online. Für 17 Uhr ist ein Gottesdienst im Freien geplant – auf dem Platz vor dem Kircheneingang. „Dafür wollen wir ausreichend Wolldecken organisieren und die Pfadfinder werden mit Fackeln und Feuerinseln für weihnachtliche Stimmung sorgen“, verrät der Pfarrer. Der Spätgottesdienst um 22.30 Uhr soll still und meditativ im Gotteshaus der Gemeinde stattfinden.

„Der ganze Rummel schon vorbei – War da was?“ wird es schließlich am 25. Dezember heißen, wenn unter diesem Titel ein Sublan-Gottesdienst, eine Art „Talk-Gottesdienst“, wie Kröger es nennt, im Netz läuft. Bei dieser „Weihnachtsnachlese“ können sich die Teilnehmer dann über die Plattform Sublan aktiv am Gottesdienst beteiligen.

Die Frohe Botschaft per sonntäglichem Video-Clip verbreiten, ist auch für Krögers katholischen Kollegen Christian Rauch eine spannende Erfahrung in Corona-Zeiten geworden. Aber auch die Gemeindearbeit ins Freie zu verlegen, hat für den Priester „viele bereichernde Momente“ gebracht, wie er verrät. Besonders die Taufen im Garten des Pfarrhauses.

Verschiedene Stationen

Diese besonderen Augenblicke haben den Pfarrer auf die Idee gebracht, für den Heiligen Abend eine „Christmette to go“ zu planen. Vergleichbar mit einem Kreuzweg in der Karwoche soll dabei die Weihnachtsgeschichte in verschiedenen Stationen erzählt werden – von der Herbergssuche bis zur Geburt Jesu.

Eine eigene Arbeitsgruppe unter der Leitung des Pfarrgemeinderatsvorsitzenden von St. Andreas, Björn Burwitz, erarbeitet derzeit das Konzept für das Vorhaben auf dem Grundstück von Mariä Verkündigung. „Dafür haben wir bereits mit verschiedenen Gruppierungen Kontakt aufgenommen, die jeweils eine Station gestalten könnten. Ob mit Darstellern, mit Figuren oder einem Bild“, erklärt Burwitz. Die Pfadfinder werden zudem das Friedenslicht verteilen, das Pastoralteam wird den „Segen to go“ spenden.

Damit es zu keinen großen Menschenansammlungen kommt, soll sich das Angebot – nach jetzigem Stand – über drei Stunden hinweg ziehen. „Von 15 bis 18 Uhr, also zu einer Zeit, die für Familien passt“, betont Burwitz.

Daneben sind in der Lampertheimer Großgemeinde bislang ein Krippenspiel um 15 Uhr in Herz-Jesu Hüttenfeld und zwei Christmetten in St. Andreas geplant – um 17 und um 22 Uhr, unter Einhaltung der Corona-Regeln und vermutlich mit Anmeldung im Vorfeld.

Zurück in die Lukasgemeinde. Dort kommen die Gemeindemitglieder am 19. Oktober zu Planungen in Sachen Weihnachten zusammen. „Derzeit stehen bei uns noch die Konfirmationen im Vordergrund“, sagt Pfarrerin Sabine Sauerwein. Doch an Ideen mangelt es auch bei ihr nicht. Die erneute Produktion von Audiopodcasts zum Christfest könnte sich die Pfarrerin derweil nämlich ebenso vorstellen wie einen Freiluft Gottesdienst auf der Domwiese.

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