Lampertheim

Öffentlicher Nahverkehr Probebetrieb soll Umstellung auf E-Mobilität in Lampertheim vorbereiten

Im Elektrobus durch die Stadt

Archivartikel

Lampertheim.Die Weichen werden auch für den öffentlichen Nahverkehr zusehends in Richtung Elektromobilität gestellt. In diesen Tagen kursiert ein Elektro-Linienbus der Mannheimer Firma Evo-Bus probehalber im Lampertheimer Liniennetz. Die Verwaltungsgesellschaft Verkehr und Tourismus Lampertheim (VTL) und Busbetreiber Müller wollen mit der neuen Antriebstechnologie Erfahrungen sammeln.

Kommunalpolitiker von SPD und Grünen nahmen mit Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Stass an der Spitze an einer gestrigen Probefahrt teil. Das zwölf Meter lange Fahrzeug bewegte sich flott und nahezu geräuschlos durch den moderaten Vormittagsverkehr. Das geräumige Transportvehikel hat einen Listenpreis von rund einer halben Million Euro. Für den Lampertheimer Stadtverkehr müssten etwa zehn Fahrzeuge angeschafft werden. Ingo Wasserthal vom Service- und Systemlieferanten für Energieinfrastruktur Spie Sag mit Sitz in Langen skizzierte im Verlauf der Probefahrt die technischen Rahmenbedingungen für einen regulären Betrieb mit E-Bussen.

Komplexe Infrastruktur

Neben einem Ladewerk am Betriebswerk des Busbetreibers kommen demnach unter Umständen weitere Zwischenladestationen hinzu sowie unter anderem Kühlanlagen für die nächtlichen Ladevorgänge. Die Experten für Energietechnik gehen davon aus, dass ein Ladewerk am Standort des Bibliser Busunternehmens ausreicht, um die Linien lückenlos bedienen zu können. Auch ein Umspannwerk, wie es Wiesbaden nach Informationen von Ingo Wasserthal zum Betrieb seiner 220 Stadtbusse errichten musste, wird für Lampertheim nicht in Erwägung gezogen. VTL-Geschäftsführer Bernd Isenhardt sprach auf Anfrage jedoch vom Aufbau einer verhältnismäßig komplexen Infrastruktur inklusive Netzertüchtigung.

Unterdessen macht der Leiter der Vertriebsregion Mitte von Evo-Bus, Ulrich Piotrowski, deutlich, dass die Ausstattung eines Stadtbusses mehr Energie benötigt als der reine Antrieb: Lüftung, Heizung, elektronische Türöffnungen beanspruchten bis zu 60 Prozent des Energieaufwands von rund zwei Kilowattstunden je Kilometer. Für die Zeit, in der die Batterien neu geladen werden, berechnen die Experten zwischen drei und fünf Stunden. Dabei werde eine Ladeenergie von 150 Kilowatt verbraucht.

VTL-Chef Isenhardt appellierte unterdessen an die Vertreter der Kommunalpolitik: „E-Busse sind toll für die Stadt und toll für die Umwelt. Um aber überhaupt einen E-Bus durch die Stadt fahren lassen zu können, brauche ich zuerst eine Infrastruktur.“ Isenhardts Position unterstützte Busbetreiber Martin Müller, der darauf verwies, dass die Kommunen bei den Ausschreibungen des Öffentlichen Nahverkehrs die nötigen Bedingungen festlegen müssten.

Wirtschaftliches Kalkül

Diesbezüglich blickt SPD-Fraktionschef Marius Schmidt auf das Jahr 2021 voraus, in dem die Konzession für den Nahverkehr neu ausgeschrieben werden muss. Bei einem Defizit von rund 300 000 Euro, die der Busbetrieb in Lampertheim jährlich einfährt, werde dabei auch das wirtschaftliche Kalkül ins Gewicht fallen, etwa indem Elektrobusse erst nach und nach auf die einzelnen Linien gesetzt würden.

Ulrich Piotrowski von Evo-Bus teilte unterdessen mit, von 4500 in Mannheim jährlich produzierten Bussen hätten rund 90 einen Elektroantrieb – Tendenz steigend. Die Nachfrage ziehe europaweit spürbar an.

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