Lampertheim

Demonstration Bürgerkammer Neuschloß ruft für 1. März zum Widerstand im Wald auf / Drohnen und Hubschrauber im Einsatz

Im Lichterzug gegen ungeliebte ICE-Trasse protestieren

Archivartikel

Lampertheim/Neuschloss.Mit einer Lichterkette will die Bürgerkammer Neuschloß gegen eine mögliche ICE-Neubautrasse (die sogenannte Trasse C) durch den Lampertheimer Wald protestieren. „Wir müssen ein Ausrufezeichen setzen und deutlich machen, dass es einen breiten bürgerschaftlichen Widerstand gegen die C-Trasse gibt“, erklärt die Vorsitzende der Bürgerkammer, Carola Biehal.

Im Interview mit dem „Südhessen Morgen“ hatte sich gestern auch der Vorsitzende des Regionalbauernverbands Starkenburg, der Lampertheimer Landwirt Willi Billau, gegen eine C-Trasse ausgesprochen; diese würde wertvolles Ackerland zerstören. Billau kündigte an, dass die Lampertheimer Landwirte gegen eine solche Trassenführung klagen wollten. Außerdem wollen sich die Landwirte am Lichterzug beteiligen.

Repräsentative Wirkung

Bürgerkammer-Vorsitzende Carola Biehal hofft mit Blick auf eine repräsentative Wirkung auf mindestens 600 bis 1000 Teilnehmer, die sich am Freitagabend, 1. März, am Spielplatz im Alten Lorscher Weg formieren. Mit Taschenlampen wollen die Demonstranten die Strecke vom Forsthaus an der Landstraße 3110 über den Kinderspielplatz und die Mannheimer Straße in Richtung Lorsch beleuchten. Dabei soll der Zug von Drohnen und von einem Hubschrauber aus gefilmt werden. Die Kosten für den Einsatz des in Mannheim startenden Hubschraubers werden von einem Bewohner des Stadtteils übernommen.

Die Bürgerkammer hofft nicht nur auf die Teilnahme von Bürgern anderer Kommunen und Bürgerinitiativen, die von den Bahnplänen betroffen sind, sondern auf die Präsenz zahlreicher Medienvertreter auch von Radio und Fernsehen, um die Bilder von der Veranstaltung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Eine Genehmigung für die Aktion habe es lediglich von der Lampertheimer Ordnungsbehörde gebraucht, berichtet Carola Biehal auf Anfrage. So seien die Demon-stranten auf den Beginn der Brut- und Setzzeit aufmerksam gemacht worden.

„Jeder, der Wald und Bruch schützen sowie eine flächendeckende Verlärmung in Lampertheim verhindern will, ist aufgerufen, an der Demonstration teilzunehmen“, heißt es in der Pressemitteilung der Bürgerkammer. Eine „Verlärmung“ wird wegen der prognostizierten Zunahme von Güterverkehr auf den Bestandsstrecken befürchtet. Zur Entlastung dieser Strecken spricht sich die Lampertheimer Bürgerinitiative „Lebensraum vor ICE-Trasse“ (Bila) unter anderem für eine doppelgleisige Trassenführung aus.

Beim Lichterzug am 1. März „muss deutlich werden, dass der Widerstand gegen eine Zerschneidung des Lampertheimer Waldes und die Verlärmung unserer Innenstadt von einer breiten Bürgerschaft getragen wird“, unterstreicht Bila-Sprecher Karl Hans Geil. Ohne die Solidarität von Vertretern und Bürgern der Kommunen, die sich gegen die Waldzerschneidungs-Trasse ausgesprochen haben, sei der Kampf um politischen Beistand aussichtslos.

Die Forderungen der Region in Bezug auf die Trassenplanung seien denn auch auf entsprechende Beschlüsse durch Bundes- und Landespolitik angewiesen. Auch Lampertheims Bürgermeister Gottfried Störmer stellt sich hinter den geplanten Protest. Mit der Demonstration sei die Chance verbunden, gegenüber Bahn und Politik deutlich zu machen, dass sie es mit Menschen zu tun hätten, die für ihre Forderungen kämpfen wollten.

Entscheidung noch 2019

Hintergrund des geplanten Lichterzuges sind die Ankündigungen von Bahnvertretern, noch in diesem Jahr eine Entscheidung über den geplanten Verlauf der neuen ICE-Trasse vorzulegen (wir haben berichtet). Überdies will die Bahn im Beteiligungsforum eine neue Arbeitsgruppe mit dem Titel „Parlamentarische Befassung“ einrichten.

In einem solchen Gremium sehen die Vertreter der Kommunen ein Instrument, um die Forderungen der Region mit politischer Schubkraft durchzusetzen. Unabhängig davon drängen sie gegenüber der Bahn neben der Einrichtung des Beteiligungsforums auf die Einrichtung eines Projektbeirats.

Bürgerkammer-Sprecherin Biehal hofft nun auf ein riesiges Echo auf den geplanten Demonstrationszug. In den Medien wie in den Netzwerken sowie mit Flyern und Plakaten werde auf die Aktion aufmerksam gemacht. Biehal bekräftigt, bei diesem Protest handele es sich um „die letzte Möglichkeit im Jahr der Entscheidung“. Protestiert werden soll nicht nur gegen die ungeliebte C-Trasse, sondern auch gegen die Vorgehensweise der Bahn, die nach Ansicht von Bürgerkammer und Bürgerinitiative zu wenig dafür getan hat, um die Bürger angemessen am bisherigen Prozess zu beteiligen.

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