Lampertheim

Natur Forstamtsleiter Schepp zu Hunden im Wald

„Im Zweifel immer an die Leine“

Archivartikel

Lampertheim.Seit dem 1. März und bis zum 30. Juni müssen Hunde in nicht bebauten Gebieten Lampertheims an die Leine. Hintergrund ist die Setz- und Brutzeit, in der Tiere ihre Jungen zur Welt bringen und aufziehen beziehungsweise die Bauern ihre Pflanzen setzen. Die Stadt Lampertheim erlässt diese Leinenpflicht seit einigen Jahren zum Schutz von Wildtieren, Feldern und Ackerflächen. Für den hesschischen Staatsforst gilt dieser Erlass jedoch nicht, wie Forstamtsleiter Ralf Schepp erklärt.

Der „Südhessen Morgen“ hat am 1. März ausführlich über die Leinenpflicht in Lampertheim berichtet. Nun schreibt uns eine Leserin, die die Halter freilaufender Hunde im Wald bei Neuschloß daran erinnert hat: „Ich bin belehrt worden, dass diese Regelung hier nicht gelte, da wir uns im hessischen Staatswald befänden.“ Ralf Schepp bestätigt das auf Nachfrage. Der Erlass der Stadt habe in der freien Landschaft, der Feldgemarkung Gültigkeit, nicht aber im Wald. Dort gelte das Hessische Waldgesetz – und hierin finde sich keine Aussage über das Anleinen von Hunden. Im Bundesjagdgesetz sei festgehalten, dass Hunde sich im Einwirkungsbereich der Halter befinden müssten – auch hier sei eine Leinenpflicht nicht erwähnt, erklärt Schepp.

„Aber ich appelliere eindringlich an die Verantwortung der Halter, ihre Tiere im Zweifel immer anzuleinen“, so Schepp weiter. Nur bei Hunden, die absolut gehorsam seien, erübrige sich die Leine. Wie die Jagdpächter sieht auch der Förster einen Modetrend hin zu immer größeren Hunden mit Jagdtrieb – und das in Kombination mit einem verbreiteten Unvermögen der Halter, gerade solche Hunde zu erziehen.

„Hunde, die einen Hasen oder ein Reh jagen, richten ganz enormen Schaden an. Darüber sind sich die Leute oft gar nicht bewusst.“ In der Setz- und Brutzeit seien Tiere durch Schwangerschaft und Geburt ohnehin stark geschwächt, die Angst vor wildernden Hunden sei lebensbedrohlich. Außerdem gebe es im Lampertheimer Wald sehr viele Bodenbrüter, die vertrieben würden.

Ralf Schepp auf die Frage, ob es nicht folgerichtig und konsequent wäre, die Leinenpflicht ins Hessische Waldgesetz aufzunehmen: „Ja, dann wäre es einerseits klar geregelt – auf dem Papier. Anderseits haben wir gar nicht das Personal, die Einhaltung eines solchen Gesetzes auch nur annähernd zu überwachen. Es ist nicht praktikabel.“ Deshalb wiederholt er seinen Appell an die Verantwortung der Hundehalter. Und: „Die Leute sollen doch bitte berücksichtigen, dass nicht angeleinte, fremde Hunde auch Menschen große Angst machen können.“

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