Lampertheim

Menschen in Lampertheim Sascha Mario Heinicke gibt Rezeptideen im Internet preis

In der Küche abschalten

Archivartikel

Hofheim.Dass sich Männer so selbstverständlich in Küchen bewegen wie früher im Hobbykeller, mag eine Errungenschaft der Moderne sein. Auch wenn Spitzenköche in der Regel männlichen Geschlechts sind, haben Männer ihre Fähigkeiten in der Regel doch eher im Büro oder im Fitnessstudio geprüft. Doch für Sascha Mario Heinicke gehört der Aufenthalt in der Küche zum täglichen Entspannungsritual. Wenn er Kartoffeln schält und Zwiebeln schnippelt, kann er nach dem Arbeitstag als Abteilungsleiter in einem Mannheimer Kaufhaus abschalten.

Seine Frau und die drei Kinder profitieren von der Kochleidenschaft des 46-Jährigen ungemein. Denn als vielbeschäftigte Tagesmutter kommt Sandra Heinicke kaum zum Kochen. Dafür plant ihr Mann mehrere Tage voraus, um für stressfreie Mahlzeiten zu sorgen. Gekocht wird, was schmeckt; mit exotischen Küchen hat Heinicke nichts im Sinn. Er selbst stammt aus einer Familie, in der die bürgerliche Küche gepflegt und die Hausmannskost geschätzt wurde.

Irgendwann hat der passionierte Koch gemerkt, dass ihm die einschlägigen Kochbücher und Internetseiten wie chefkoch.de nicht mehr genügen. Stattdessen fing er an, eigene Rezepte zusammenzustellen. Und weil das in der Familie ankam, die Kinder ohne Meckern mitaßen und er als Chef de Cuisine familiär anerkannt war, hat sich Heinicke dazu entschlossen, mehr Menschen in seine Küche einzuladen – auf virtuelle Weise.

Seit September 2017 kann man Sascha Mario Heinicke beim Kochen zusehen. Auf seiner eigenen Internetseite brutschler.de hat er bereits rund 100 Rezepte veröffentlicht, die ein breites Spektrum an Gerichten abdecken: Suppen und Eintöpfe, Nudel- und Fleischgerichte oder Aufläufe versprechen solide Genüsse, die der artifiziellen Nahrungszubereitung fernstehen und sich an Genießer wenden, die deftige Speisen bevorzugen.

Auch für Verzagte und Skeptiker unter den ungeübten Köchen wirken Heinickes Rezeptvorschläge aufmunternd. Dies auch deshalb, da der Hofheimer Hobbykoch die Zutaten nicht nur wörtlich auflistet, sondern fotografisch zusammenstellt. Anschließend wird auch jeder Arbeitsgang mit einem Bild dokumentiert, so dass man in der eigenen Küche überprüfen kann, ob man noch auf dem richtigen Weg ist – oder sich in den Untiefen der Kochkunst verirrt hat.

Kartoffelsuppe oder Hühnerbrühe, Nudelpfanne oder Paprikagulasch, Lasagne oder Sauerkrautauflauf: Allesamt Rezepte, die spontan Appetit machen und zum Gang in die Küche einladen. So mag sich der Ort des Grauens in ein wohltuendes Refugium verwandeln. Unerfahrene Amateurköche werden hier sogar erste Erfolgserlebnisse sammeln. Selbst die serbische Bohnensuppe oder die griechische Reispfanne verlieren ihren exotischen Schrecken, sobald man den Anweisungen Mario Heinickes folgt. Natürlich achtet der Rezeptetüftler bei seinen Zutaten auf Frische und Qualität. Generell aber folgt er keiner Ideologie, die Gesundheit und Wohlergehen verspricht. Wenn’s zeitlich knapp ist, darf es auch mal die Tütensuppe sein. Und nicht alles, was Heinicke zu Hause kocht, wird auch geschätzt. Grünkohl, zum Beispiel, die Lieblingsspeise des gebürtigen Kölners: „Das mache ich meistens für mich alleine“, räumt der 46-Jährige ein.

Familie als größtes Hobby

Kuchen- und Dessertrezepte finden sich in Heinickes virtuellem Kochbuch nicht. Doch das kann noch werden. Bei 100 Kochrezepten gehen womöglich doch irgendwann die Ideen aus, und dann schlägt die Stunde für die Süßmäuler unter den Genießern. Gleichwohl möchte sich Heinicke nicht selbst unter Druck setzen, indem er seiner wachsenden Küchengemeinde neue Rezeptideen wie am Fließband liefert. Im Heimstudio steht ein Synthesizer für musikalische Experimente, und überhaupt gibt es da noch Frau und Kinder: „Das größte Hobby ist meine Familie“, bekräftigt der 46-Jährige und blickt ganz entspannt in die kulinarische Zukunft.

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