Lampertheim

Menschen in Lampertheim Vorsitzender der Lebenshilfe erhält Landesauszeichnung „Soziales Bürgerengagement“ / „Inklusion gelingt immer mehr“

In der Ruhe liegt Baus’ Kraft

Archivartikel

Lampertheim.Natürlich sei es ein besonderer Moment gewesen, als Hessens Sozialminister Kai Klose ihm die Landesauszeichnung „Soziales Bürgerengagement“ in Form einer gläsernen Skulptur überreicht habe. „Und dennoch weiß ich, dass ich sie nur bekommen habe, weil so viele Menschen mithelfen und mich unterstützen“, sagt Günther Baus bescheiden. Der 54-Jährige wurde im Dezember für seinen Einsatz als Vorsitzender der Lampertheimer Lebenshilfe ausgezeichnet. Doch allzu viel Wind um die eigene Person ist nicht seine Sache. Im Redaktionsgespräch erzählt er weniger von der Ehrung in Wiesbaden. Vielmehr berichtet er von den Plänen, die er für die Lebenshilfe und die Inklusion hier vor Ort hat – in seiner ganz ruhigen, sachlichen Art.

Unaufgeregtheit wird auch im Team der Lebenshilfe großgeschrieben. „Vermutlich haben wir uns dort deshalb gleich so gut aufgehoben gefühlt“, meint Günther Baus. Als er und seine Frau Christiane nach der Geburt ihres Sohnes Marvin zur Lampertheimer Lebenshilfe stießen, habe er die „hohe Kompetenz der Mitarbeiter gleich geschätzt“, betont Baus: „Sie haben uns als Eltern Ängste genommen, haben uns als Familie mit einem Kind mit Down-Syndrom gecoacht.“

Während sein Sohn von Mitarbeitern der Frühförderstelle in seiner Entwicklung unterstützt wurde und Marvin später die Kindertagesstätte Schwalbennest besuchte, half der Vater im Verein, packte etwa bei Festen tatkräftig mit an.

Als im Jahr 2013 ein Nachfolger für den damaligen Vorsitzenden Erich Thomas gesucht wurde, fiel die Wahl auf Günther Baus. Er übernahm die ehrenamtliche Geschäftsführung der Lebenshilfe – neben seinem Job im IT-Bereich eines Pharma-Konzerns. Zehn bis zwölf Stunden ehrenamtliche Arbeit jede Woche.

Auch darum will der 54-Jährige kein großes Aufheben machen. Stattdessen berichtet er begeistert davon, wie Inklusion in Lampertheim immer mehr gelingt. „Vor allem im Freizeitbereich“, erläutert Baus und verweist etwa auf Kooperationen der Lebenshilfe mit dem Turnverein oder dem Kanuclub.

So konnte ein Fußballtraining ins Leben gerufen werden, bei dem Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam kicken. Das inklusive Schwimmtraining möchte Günther Baus ebenfalls gerne erneut aufleben lassen, sobald das Lampertheimer Hallenbad wieder öffnet.

Unterdessen gibt es auch eine Zusammenarbeit mit der Musikschule, die Musiktherapie in der Kindertagesstätte der Lebenshilfe anbietet. „Außerdem eine inklusive Band, die die Kollegen von der Nieder-Ramstädter Diakonie gemeinsam mit der Musikschule hier gegründet haben“, erzählt Günther Baus, der in seiner Freizeit gerne selbst in die Tasten greift und bisweilen sogar als Pianist auftritt.

Für mehr Inklusion in der Schule macht der Lampertheimer sich ebenfalls stark. Familie Baus hat positive Erfahrungen damit gemacht. Sohn Marvin ging zunächst in die Lampertheimer Schillerschule, jetzt besucht er – unterstützt von einem Betreuer – die siebte Klasse der Nibelungenschule in Hofheim. „Dort wurde er gut aufgenommen. Marvin geht voller Selbstvertrauen zum Unterricht und wird immer selbstständiger“, freut sich sein Vater.

Allerdings wünscht er sich neben der sogenannten Einzelinklusion in einer Klasse auch verstärkt Angebote zur Gruppeninklusion. Bei diesem Modell besuchen mehrere Kinder mit Behinderung (meist zwei bis drei) einen Klassenverband. „Dann sind die Kinder mit Einschränkung auch unter ihresgleichen“, erklärt Günther Baus und weist zudem auf die Förderschulen hin, die es neben den Inklusionskonzepten an Regelschulen auch noch gibt. „Zwischen diesen Varianten sollten Eltern wählen können.“ Dafür will Baus verstärkt beim Schulamt eintreten.

„Noch mehr strategisch arbeiten“

Ideen hat der 54-Jährige auch dafür, wie man Lebenshilfe, Kita Schwalbennest und Frühförderstelle in Lampertheim weiter für die Zukunft sattelfest macht. „Wir müssen noch mehr strategisch arbeiten“, meint er. Seine Idee: die Lebenshilfe von einem Verein in eine gemeinnützige GmbH umwandeln und mehr finanzielle Mittel in die Verwaltung fließen lassen. Auch die Stelle eines hauptamtlichen Geschäftsführers in Teilzeit möchte Baus schaffen. Eine Vollzeitstelle sei bei der geringen Größe der Lampertheimer Lebenshilfe mit ihren lediglich 30 Mitarbeitern nicht möglich.

Die finanziellen Grundlagen von Frühförderstelle und Kindertagesstätte sollen ebenfalls langfristig gesichert werden. Ein Problem: das Kindergartengebäude, das bislang dem Verein gehört. „Doch ob die anfallenden Reparaturen und die notwendigen Sanierungen weiter über Spenden getragen werden können, ist fraglich“, sagt Baus.

Zum anderen wünscht er sich, dass der Kreis Bergstraße künftig die interdisziplinäre Arbeit der Frühförderstelle stärker finanziell unterstützt – und das auch in einem Vertrag festgehalten wird. „Dafür muss das Land aber zunächst die gesetzlichen Grundlagen schaffen und das Bundesteilhabegesetz entsprechend umsetzen“, so Günther Baus. Damit liegt der Ball wieder in der Landeshauptstadt Wiesbaden.

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