Lampertheim

Brauchtum Egerländer Gmoi feiert 50-jähriges Bestehen / Tanzgruppe erfreut Zuschauer

In Tracht und mit großer Sangesfreude

Archivartikel

Hofheim.Zu ihrem Jubiläum hat sich die Egerländer Gmoi zahlreiche Vereine und Gruppen ins Bürgerhaus eingeladen: Das 50-jährige Bestehen wurde den ganzen Sonntag mit einem kurzweiligen Programm gefeiert. Die im Frühjahr frisch gewählte neue erste Vorsitzende Rita Sittauer konnte zahlreiche Ehrengäste begrüßen, nachdem der unter der Leitung von Franz Gander stehende Evangelische Posaunenchor für den musikalischen Einstieg gesorgt hatte.

Mit „Grüße aus dem Egerland“ eröffnete er seine Beitragsreihe äußerst passend. Zu den Ehrengästen gehörte Ortsvorsteher Alexander Scholl, dessen Vorgängerin Rita Rose, Stadtrat Bernhard Hossner, Pfarrer Adam Malczyk, Gäste der Egerländer Gmoin aus Offenbach und Biblis sowie verschiedene Abordnungen der Hofheimer Vereine. Eigens aus München angereist kam Gründungsmitglied Helmut Hahl, dem von der Gmoi-Vorsteherin Rita Sittauer Urkunde und Anstecknadel für seine 50-jährige Mitgliedschaft verliehen wurde.

Klassiker begeistern Publikum

Mit dem Egerlandchor und der Tanzgruppe verfügt die Gmoi über zwei Säulen. Beide Gruppierungen traten auf: Unter der Leitung von Wolfgang Raab gab der Chor gleich mehrere Werke zum Besten, darunter auch „Man Eghaland“. Die Vorsitzende leitet seit acht Jahren die Tanzgruppe, die in original Egerländer Trachten auftritt. Diese wiederum werden von den Tänzerinnen Sabine Biebesheimer und Sabine Striegel genäht.

Beim Klassiker, dem „Radetzky-Marsch“ und dem „Böhmischen Traum“ zeigte die Formation unter dem Mitklatschen der Besucher ihr Können. Im Tagesverlauf gaben sich viele Mitwirkende förmlich die Klinke in die Hand, wurden mit Egerländer Spezialitäten versorgt. Der Männergesangverein Sängerquartett-Liederkranz unter der Leitung Manfred Boxheimers, der selbst viele Jahre auch dem Egerlandchor vorangestanden hatte, brillierte mit der „Hochzeit der Frösche“ und „Auf einem Baum ein Kuckuck saß“.

Steffi Bär führte den mit Bürstadt kooperierenden Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr ins Bürgerhaus. Zwei Liedbeiträge steuerte der Evangelische Kirchenchor, ebenfalls unter der Leitung Manfred Boxheimers, zum Gelingen bei. Tänzerische Akzente bot die Formation Step Motion des Turnvereins, die von Maren Ofenloch trainiert wird. Lena Pachnike und Carolin Kieser gaben mit der HCV-Garde einen Vorgeschmack auf die anstehende Fastnachtskampagne. Aus Lampertheim war die Voltigiergruppe des Reit- und Fahrvereins mit Christine Frank an der Spitze zu Gast. Der feierliche Abschluss gebührte dem Egerlandchor mit dem „Abendfrieden“ und „Abschied“.

Anwachsen der Mitgliederzahl

In der Festrede ging Rita Sittauer auf die Historie ihres Vereins ein, der im Mai 1968 von 14 Männern und Frauen gegründet wurde, die in den Jahren 1945 und 1946 ihre tschechische Heimat verlassen mussten. Schnell verzeichnete die Gmoi einen Zuwachs auf 74 Mitglieder, größtenteils Heimatvertriebene, aber auch Einheimische. Die Aufgaben der Gmoi waren und sind die Pflege des Brauchtums, Sitte und Kultur aus der alten Heimat. Der Verein feiert am „Vatertag“ das Maibaumfest, zuletzt allerdings ohne gefällten Baum, da die Zahl der Aktiven zurückging.

Als einen der wichtigsten Bestandteile des Vereins bezeichnete Sittauer den Egerlandchor, der in echter Tracht auftritt und in original Mundart singt. Von der Gründung 1968 bis 1983 leitete ihn Max Fritsch, nach dessen Tod bis 2012 Manfred Boxheimer. Wolfgang Raab übernahm 2012. Bis auf vier Paare geschrumpft ist die 1996 gegründete Tanzgruppe, dank ihres freudigen Auftretens ein gerngesehener Gast bei vielen Anlässen. Angelika Müller leitete bis 2010 die Formation, bevor Rita Sittauer übernahm.

Das Fahnenenblem bildet die katholische Kirche St. Michael, die vom berühmten Egerländer Barockmeister Balthasar Neumann erstellt wurde. Der heute 83-jährige Ehrenvorsteher Joseph Sittauer prägte den Verein 18 Jahre lang als Vorsitzender. Unter den heute noch 55 Mitgliedern befinden sich 14 Aktive, was die Vereinsarbeit schwer macht. Zu den Verstorbenen der letzten Jahre zählt auch Peter Patzina, der von 1994 bis 2014 die Gmoi leitete. Uwe Rückert trat dessen Nachfolge an, bevor im Frühjahr dieses Jahres mit Rita Sittauer erstmals eine Frau an die Spitze gewählt wurde. fh

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