Lampertheim

Geopark-vor-Ort Bei Führung durchs Naturschutzgebiet über Bedeutung und Heilungskräfte der heimischen Flora informiert

„Jede Pflanze hat eine eigene Persönlichkeit“

Archivartikel

LAMPERTHEIM.Viele Pflanzen sind mehr, als sie zu sein scheinen. Manche haben schützende, andere sollen gar magische Kräfte haben. Wieder andere warnen uns mit ihrem Aussehen – und können sogar kommunizieren. Schon die alten Römer wussten es: Der Beifuß hat heilende Wirkung. Sie sollen sich die Pflanze zum Schutz vor Müdigkeit und Verletzungen in ihre Sandalen gelegt haben. Für die naturverbundenen Germanen war es als „Machtwurz“ die mächtigste Pflanze überhaupt.

Ihr Donnergott Thor trug einen Gürtel aus Beifuß, der im Mitsommerkult noch heute eine zentrale Rolle spielt. Im Mittelalter noch gegen und für die Hexerei eingesetzt, werden in den nordischen Ländern damit noch heute Dämonen und Krankheiten am Johannisfeuer vertrieben. Selbst Harry Potter hat die Pflanze in seinen Zaubertränken schon benutzt.

Im Lampertheimer Naturschutzgebiet am Altrhein wächst der Beifuß von vielen unbemerkt am Wegesrand. Dass viele der dortigen Pflanzen mehr als nur Unkraut sind, machte Andrea Hartkorn bei einer Führung zur Sommersonnenwende deutlich. Die Nabu-Vorsitzende und Geopark-vor-Ort-Begleiterin bezog sich unter dem Titel „Der Reigen der Pflanzengöttin“ auf die Werke des deutsch-amerikanischen Ethnobotanikers Wolf-Dieter Storl. Der ehemalige Universitätsprofessor und Wissenschaftler ist als „Mann, der mit den Pflanzen spricht“ bekannt geworden.

Mit Pflanzen kommunizieren

„Jede Pflanze hat eine eigene Signatur, eine eigene Aura“, erklärte auch Hartkorn mit Bezug auf den Autor. Und: „Sie können mit uns kommunizieren und haben eine eigene Persönlichkeit, wenn man es schafft, sich darauf einzulassen“, so die Nabu-Vorsitzende.

Besagter Beifuß etwa trage schon im Namen etwas Überirdisches. Die lateinische Bezeichnung „Artemisia“ stamme von der griechischen Artemis. Wieder andere Pflanzen ordnete Hartkorn dem Kriegsgott Mars oder Venus, der Göttin der Liebe, zu. Als Braue des Sonnengotts Baldur sind die Gänseblümchen bekannt, die sowohl in germanischen, keltischen als auch christlichen Legenden zu finden ist.

„Gänseblümchen berühren ganz tief das menschliche Gemüt, stehen für Reinheit“, erklärte Hartkorn. So löse jede Pflanze in Menschen eine ganz bestimmte Wirkung aus. Bei der Biedensand-Exkursion gab es aber nicht nur Mythisches über die Pflanzenwelt zu lernen, sondern auch ganz praktische Tipps zur Verwendung als Heil- oder Küchenkräuter. Die Wurzeln des Löwenzahn etwa könnten zu einem Diabetiker-Kaffee zubereitet werden.

„Schon in der Steinzeit haben sich Menschen an Sonne und Mond orientiert und ihre Jahreszeiten danach ausgerichtet“, ließ die Führerin mit Blick auf die Sommersonnenwende wissen. Aber auch an den Pflanzen und der Natur selbst könne man sich orientieren.

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