Lampertheim

Demokratiebündnis Vortrag über Rassismus im Alltag

„Jeder von uns ist beteiligt“

Lampertheim.Hanau. Halle. Neukölln. „Vom Rechtsextremismus geht die höchste Gefahr in unserem Land aus“, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer nach einem dieser Anschläge. Doch nicht nur, wenn physische Gewalt im Spiel ist, leiden Menschen unter Rassismus. Viele Menschen werden täglich Opfer von Diskriminierung und Ausgrenzung. Rassismus gibt es überall.

„Das Problem“, erklärt Manuel Glittenberg, „ist Teil der gesamten Gesellschaft“. Der Referent der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik hält regelmäßig Vorträge über Rassismus, leitet Workshops oder berät Rathäuser. Oftmals würde erst bei größeren, Aufmerksamkeit erregenden Vorfällen gehandelt. Dabei sei es wichtig, präventive Bildungsangebote zu fördern. Das Lampertheimer Demokratiebündnis hatte den Referenten deshalb für einen Kurzvortrag eingeladen. Die Veranstaltung war zugleich Auftakt zur Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung unter dem Titel „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“. Die Schautafeln können noch bis Freitag, 16. Oktober, von außen im Schiller-Café betrachtet werden.

Ab- und Ausgrenzung

„Egal, ob hinter Rassismus eine Ideologie steckt, ob unbedacht oder unbewusst Bilder und Thesen reproduziert werden. All das ist Rassismus“, stellt Glittenberg vor zehn Teilnehmern im Alten Rathaus klar, „Jeder von uns ist beteiligt, alle sind Lernende“. Oftmals stütze sich Alltagsrassismus auf das sogenannte „Othering“. Menschen seien demnach nicht per se Fremde. Erst der gesellschaftliche Apparat mache sie dazu. Dabei, so Glittenberg, habe es noch nie eine homogene Gesellschaft gegeben. Schon immer habe eine Gesellschaft aus unterschiedlichsten Menschen bestanden. „Jeder von uns hat dutzende Identitätsbezüge“, erklärt er. Problematisch würde es dann, wenn Menschen auf einzelne Bezüge reduziert werden. Daraus entstehe schnell ein „Wir“ und „die Anderen“. Nach Glittenberg rührt viel des aktuellen Rassismus aus der eigentlich positiven Entwicklung, dass Vielfalt immer selbstverständlicher werde. Ein großes Problem aber bleibe: Oft sei Diskriminierung tief in unserem Wissensfundus verankert, etwa in Kinderbüchern. Glittenberg ist es wichtig, Personen und das Problem zu trennen. Menschen sollten nicht auf die Position des Rassisten festgenagelt werden – denn diese könne jeder auch unabsichtlich einnehmen.

Doch wie reagieren, wenn, wie den Teilnehmerschilderungen zufolge in Lampertheim geschehen, bei einer Vorstandssitzung die Frage aufkommt, ob man „für den Garten nicht einen Schwarzen holen“ könne. Oder wenn Menschen postulieren, Ausländerhass sei eine berechtigte Meinung. „Wir sollten uns immer auf die Menschenrechte berufen“, empfiehlt der Referent. Signale seien gerade für Opfer wichtig. „Machen Sie klar, wo allgemeine Grenzen sind“, so Glittenberg.

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