Lampertheim

Kunsthandwerk Der Lampertheimer Friedrich Hackstein bearbeitet alte Rebstöcke und Wingertsknorze und formt daraus Skulpturen

Jedes Stück ein echtes Unikat

Lampertheim.Alte Weinreben sind immer für eine Überraschung gut. Sie können sehr schmackhafte Weine hervorbringen. Die gezogenen Weinreben besitzen eine kräftige Stütze, den Stamm des Rebstockes. Und alte Rebstöcke, die ihre Aufgabe erfüllt haben, regen Künstler zum Schaffen an. Wie Friedrich „Hacky“ Hackstein. Der Besitzer des Lampertheimer London Pubs stellt aktuell seine Arbeiten im Biergarten aus und hat damit seinen Garten spannend verwandelt. Die Ausstellung lockt zahlreiche Besucher an, die angesichts der künstlerisch gestalteten Rebhölzer sich ein Viertel Wein bestellen und ihren Gaumen mit Rebensaft verwöhnen.

Unverkennbare Form

„Ich bin immer selbst gefesselt, was beim Bearbeiten der Rebhölzer oder Wingertsknorze herauskommt“, erklärt Hackstein. Schon ein unbearbeitetes Rebholz ist ein Unikat. Denn das alte Holz trägt die Handschrift des jeweiligen Weinanbaugebietes. Die Rebhölzer erhalten bereits durch die Reberziehung eine unverkennbare Form. Das Holz besitzt eine feine Maserung, aber es ist außerordentlich robust. Es bietet sich für eine Vielfalt der weiteren Verwendungsmöglichkeiten an. Auf alle Fälle kann es, egal in welcher Gestalt, als Dekoholz dienen.

Wenn Rebhölzer unbeachtet beiseitegelegt, entsorgt oder als Brennholz angeboten werden, dann blutet dem Kneipier das Herz. Viele der ausgestellten Wingertsknorze hat er von der Winzerfamilie des Weingutes Spohr in Worms erhalten. Auch das Winzerehepaar Rita und Heinz Spohr aus Worms-Abenheim zählte zu den Besuchern – und war fasziniert von den Ausstellungsstücken. „Es ist beachtlich, wie Hackstein die Hölzer in Skulpturen verwandelt hat“, sagte Rita Spohr. Sie habe eine Rebhölzer-Schau in dieser Form noch nie gesehen. In ihren Weinbergen stünden die Stöcke rund 20 Jahre.

Hackstein erklärte, dass er sich beim Bearbeiten und Studieren der Holzstücke überlege, was für eine Figur daraus entstehen könne. Manchmal fügt er mehrere Geschöpfe zu einer Gruppe zusammen. Um den Hölzern Leben einzuhauchen, beginnt er, die Rebhölzer zu schälen, zu schleifen und mit einer Wachslasur einzustreichen. „Die Natur gibt die Formen vor, ich muss sie sehen und erkennen“, erklärt Hackstein. Und fügt hinzu: „Ich betrachte meine Arbeit als eine Kooperation zwischen der Natur und mir.“

Seine Rebstock-Figuren sind skurril, witzig und mehrdeutig. Manchmal ist kompromissloser Witz zu erkennen. Oftmals gibt Hacky kurze Textvorlagen, wie den Titel und das Thema, aber die bearbeiteten eigensinnigen Rebhölzer werden wohl für jeden Menschen eine andere Aussagekraft besitzen. Meistens ist es der Aberwitz, der den Skulpturen ihren Reiz verleiht und hintergründig provoziert. Wie bei der Rebhölzer-Gruppe „’Trumbolson’. Und andere. Denkmal für Machtgeilheit, Intoleranz, Dummheit“. Der Betrachter kann Charakterstudien betreiben und seine Gedanken hineininterpretieren. Ein Besucher meint, den amerikanischen Präsidenten Donald Trump unter den knorrigen Figuren erkannt zu haben. Die Besucher schauen, überlegen und diskutieren.

Da Weinreben Kletterpflanzen sind, die zum Emporwachsen Kletterhilfen brauchen, werden im Weinbau unter anderem Stützpfähle verwendet. Und auch solch originale Stützen vom Weinbaugebiet Spohr verwendet Hackstein für seine Kunstwerke. Denn wenn in den Weinbergen einiges auszubessern ist, wird auch so mancher Wingertstickel erneuert. Auch Dauben, die Längshölzer von Holzfässern, setzen viele Schöpfungen gekonnt und lebhaft in Szene. „Außerdem hat Jürgen Klotz mich mit einer Vielzahl von Metallarbeiten unterstützt“, erklärt Hackstein. Ohne Klotz sei die Ausstellung nicht so fachgerecht möglich gewesen.

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