Lampertheim

Kein Halt vor dem Friedhof

Martin Schulte zu den Beschränkungen bei Trauerfeiern

Es gibt keine Ereignisse im Leben eines Menschen, die so tief in sein Seelenleben hinwirken wie die Geburt des eigenen Kindes – und der Tod eines innig geliebten Menschen. Wer diesen Menschen verliert, erlebt die schwerste Zeit seines Lebens. Ein würdevoller Abschied in der Trauerfeier und bei der Beisetzung vermag den Schmerz zumindest vorübergehend zu lindern, weil die Trauergäste ihn teilen. Nun macht das Coronavirus vor Friedhöfen nicht halt – und beschwert die Menschen in dieser ohnehin schlimmen Zeit obendrein.

Peter Jakob, Leiter von Standesamt und Friedhofsverwaltung im Bürstädter Rathaus, hat ja so recht: „Das ist eine sehr tragische Situation.“

Doch trotz dieser Tragik: Die Verwaltungen in Viernheim und im Ried handeln richtig und verantwortungsvoll, indem sie die Teilnehmerzahlen in den Trauerhallen beschränken. Das tun sie auch, indem sie die Bestattungstermine nicht mehr veröffentlichen – und auch der Presse nicht mehr zur Verfügung stellen. Sie wollen so die Besucherzahlen im Vorhinein klein halten. Das ärgert viele unserer Leser, aber wir können hier nur und erneut um Verständnis bitten.

Für die allernächsten Angehörigen ist Platz in den Friedhofskapellen. Aber da sind noch die alten Vereinskameraden oder die ehemaligen Schulfreundinnen, die Arbeitskollegen, die Nachbarn, die den Verstorbenen auf seinem letzten Weg begleiten möchten. Viele von ihnen müssen sprichwörtlich draußen bleiben. Das ist bitter.

Die aktuelle Nachricht vom Coronaausbruch nach einer Trauerfeier mit über 100 Teilnehmern im Großraum Schwäbisch Gmünd indes gibt den hiesigen Rathäusern und ihren Bestimmungen unfreiwillig recht. Auf fatale Weise.

 
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