Lampertheim

Folgen der Trockenheit Landesbetrieb Hessen Forst beklagt Schäden im Wald bei Lampertheim

Kiefern und Buchen sterben

Lampertheim.Wo Bäume wegen der Dürre sterben, dort gerät auch der Mensch in Gefahr. Beispielsweise durch herabstürzende Baumkronen oder großer Äste, wie der Landesbetrieb Hessen Forst warnt: „Wer sich im Wald bewegt, sollte deshalb immer auch den Blick nach oben richten und den Pausenplatz nicht unter trockenen Baumkronen auswählen“, heißt es in einer Mitteilung.

Kahle Kiefern, absterbende Buchen und trockene Böden – die anhaltende Trockenheit macht dem Wald zwischen Lampertheim und Viernheim schwer zu schaffen.

Damit nicht genug. Das hessische Umweltministerium hat vor wenigen Tagen vor anhaltend hoher Waldbrandgefahr gewarnt. Spaziergänger wurden um erhöhte Vorsicht gebeten, auf Grillplätzen müsse auf den Funkenflug geachtet werden, hieß es aus Wiesbaden.

Zwar wurde die Alarmstufe A am Donnerstag vorerst aufgehoben. Zwar ist Regen für die kommenden Tage wahrscheinlich. Ob das reicht, ist mehr als fraglich. „Die Situation bleibt angespannt“, ist Niclas Schmidt-Hieber vom Forstamt Lampertheim überzeugt. Bei einer Erkundungstour durch den Forst, der sich kilometerweit zwischen Lampertheim und Viernheim erstreckt, präsentiert er einige betroffene Buchen, die in den vergangenen 120 Jahren hoch emporgewachsen sind.

Trockenheit hält an

Jetzt tragen die fast 30 Meter hohen Giganten keine Baumkronen mehr. Grüne Blätter sind nicht zu sehen und die Rinde löst sich stellenweise vom Stamm. „Das ist das Ergebnis der fehlenden Niederschläge im vergangenen Jahr“, sagt der Forstingenieur.

Normal sei ein jährlicher Niederschlag von etwa 560 Litern pro Quadratmeter. 2018 kamen auf diese Fläche nicht einmal 400 Liter. „Die Niederschlagsmenge lag sogar deutlich darunter, sagt Schmidt-Hieber. Wie es mit der Trockenheit der Böden weitergeht, sei momentan nicht absehbar. In ganz Hessen hat die Zahl absterbender Bäume zugenommen. Wurzeln können in ausgetrockneten Böden eben kein Wasser aufnehmen. Auch in Nordhessen oder im höher gelegenen Odenwald gebe es starke Schäden in den Wäldern. Im Ried kommt hinzu, dass in den vergangenen Jahrzehnten der Grundwasserspiegel gesunken ist, sagt der Mann vom Landesbetrieb Hessen Forst.

Aus dem südhessischen Gebiet werden seinen Angaben zufolge jährlich etwa 100 Millionen Kubikmeter Trinkwasser abgezapft, was wiederum für die Versorgung der Menschen genutzt wird. 80 Prozent des Wassers werde in das Rhein-Main-Gebiet gepumpt. Das habe dazu geführt, dass die Wurzeln mancher Bäume nicht mehr ausreichend an die Wasserquellen tief im Boden reichen.

Damit komme der Wald in doppelter Hinsicht unter Druck. Ist ein Baum erst einmal geschwächt, übernehmen oft Pilze die Pflanzen und zerstören sie. Viele der betroffenen Kiefern eignen sich nicht einmal mehr zur Verwendung als Brennholz, da sie von Weißfäule befallen sind. Der Pilzbefall mindert den Brennwert. Überall, wo die von Tageslicht durchdrungenen Inseln kahler Bäume entstehen, breiten sich Pflanzen, wie die spätblühende Traubenkirsche oder die amerikanische Kermesbeere aus. Um die Lücken möglichst auszugleichen, plane man die gezielte Aufforstung. Gerade junge Bäume wachsen unter den schützenden Kronen großer Stämme. Sei dies nicht möglich, steige die Gefahr durch die pralle Sonne oder den Spätfrost im Winter.

Aufforstung kann Jahre dauern

Ganz zu schweigen von den tieren, die zwischen den Bäumen leben und von ihnen profitieren, wie etwa der Schwarzspecht, der in Buchen-, Misch- und Nadelwäldern seine Nahrung findet. Mit Blick auf die anhaltende Trockenheit verfolgen die Fachleute in den Forstämtern die Entwicklung mit ungutem Gefühl. Den Wald umzubauen, das dauert lange“, sagt Schmidt-Hieber. Zwar arbeite man schon seit Jahrzehnten darauf hin, „klimastabile Wälder“ entstehen zu lassen. Aber da nun große Kahlflächen entstehen, folgt ein Wettlauf mit der Zeit. Die Kosten seien noch gar nicht absehbar.

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