Lampertheim

Schillerschule Zweite Klasse besucht den Garten des Agaplesion-Dietrich-Bonhoeffer-Haus

Kinder entdecken Pflanzen

Archivartikel

Lampertheim.Zufrieden kniet Henrik vor der grünen Blumenwiese. Der Achtjährige beäugt nochmal sein Werk aus Mohnblumen, Gänseblümchen, Distel, Pimpinelle und Thymian. Vorsichtig fädelt er noch einen Stil Petersilie zwischen die bunten Pflanzen – perfekt.

Mit erwartungsfrohen, großen Augen überreicht er den Wildblumen- und Kräuterstrauß einer älteren Frau im Rollstuhl. Der ist die Freude sofort ins Gesicht geschrieben. Einen ganz besonderen Platz werde die Vase in ihrem Zimmer bekommen, verspricht sie dem Jungen.

Gepflückt hat Henrik die Pflanzen im Garten des Agaplesion-Dietrich-Bonhoeffer-Hauses. Mit seinen Klassenkameraden der 2A hat er im Juni zwei Mal die Außenanlage des Seniorenzentrums besucht. Die Schillerschule hat damit eine ältere Idee ihrer Schulleiterin wiederbelebt. Weil die Grundschule im Herzen Lampertheims keinen eigenen Garten besitzt, hatte Annette Wunder-Schönung vor Jahren eine Garten-AG gegründet.

Als sie den Schulleiterposten übernahm, wurde die AG aus Zeitgründen aufgegeben. „Als Innenstadtschule haben wir kaum die Möglichkeit für einen eigenen, großen Garten“, erklärt die Rektorin, während ihre Zweitklässler durch den Garten des Bonhoeffer-Hauses wuseln. Den Kindern ist die Freude über den Gang in die Natur anzusehen. „Wir sind gerne hier“, bestätigt Samuel. Insbesondere, weil viele Familien keinen eigenen Garten mehr haben.

Auch das macht sich bemerkbar. „Ist das Basilikum?“, „Und sind das Rosen?“, fragen die Schüler beim Anblick der Pflanzen. Neugierig löchern sie Lothar Heckele Fragen in den Bauch. Der Mitarbeiter im Betreuungsdienst begleitet das Projekt für das Seniorenzentrum. Umso wichtiger sei es, auch weiterhin die Natur an Grundschulen zu lehren, finden die Beteiligten.

Wertvoller Sinnesgarten

Besonders wertvoll sind für die Schüler eine Kräuterspirale und ein Sinnesgarten. „Etwas mit allen Sinnen zu erleben ist viel nachhaltiger, als es nur in einem Buch zu lesen“, weiß Wunder-Schönung aus Erfahrung. Deshalb dürfen die Kinder fast alles anfassen, riechen und es manchmal auch schmecken.

Neben dem Garten des Seniorenzentrums besuchen die anderen Klassen der Schillerschule aber auch den Stadtpark. „Für uns sind das grandiose Lern- und Spielorte“, betont die Schulleiterin. Dort gebe es für Kinder zu jeder Jahreszeit viel zu entdecken. Die Ausflüge verbinden die Lehrer mit Aufgabenstellungen. „Die Kinder sammeln, beobachten, beschreiben oder erstellen beispielsweise ein Herbarium“, erklärt Wunder-Schönung, „manchmal kommen wir aber auch einfach zu einer Lesestunde im Schatten der Bäume oder zum Toben im Schnee“.

Die Kinder jedenfalls freut es. „Wir helfen auch gerne den älteren Menschen bei der Gartenarbeit“, versichert Alexander. Während die Stimmung beim ersten Besuch noch etwas distanziert gewesen sei, sind nun alle Kinder aufgetaut, gehen auf die Bewohner zu und unterhalten sich mit ihnen. Gemeinsam pflanzen sie Tomaten ein, ernten Obst und haben sogar schon einmal Marmelade eingekocht. Davon profitieren nicht nur die Zweitklässler. „Ein sehr schönes Zusammenkommen für Jung und Alt“, erzählt Pflegedienstleiterin Waltraud Feigl, „unsere Bewohner sind begeistert“. Besonders schön sei das für Kinder, die keine Großeltern mehr haben. „Und wir lernen dabei sogar was“, freuen sich die Schüler.

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