Lampertheim

Ferienspiele Abenteuer Polizeistation – 40 Jungen und Mädchen besuchen Lampertheimer Revier und nehmen Fingerabdrücke

Kinder lassen sich freiwillig in Arrestzelle sperren

Archivartikel

LAMPERTHEIM.Mit einem Rumms fällt die schwere, graue Tür zu. Das Schloss klickt. Suri, Alina und ihre Freunde machen große Augen und grinsen dann – obwohl sie gerade in einer Arrestzelle sitzen. Doch die Kinder haben nichts angestellt. Nach wenigen Sekunden öffnet die Polizei-Oberkommissarin Silvia Köglmeier die Tür wieder, wirklich abgeschlossen war sie natürlich nicht.

Für die, die sich getraut haben, war es trotzdem ein echtes Erlebnis. Die „Schutzfrau vor Ort“ aus Viernheim und ihre Lampertheimer Kollegen um Dirk Neumann führen insgesamt 40 Ferienspielkinder zwischen sechs und elf Jahren durch die Polizeistation am Technischen Zentrum in der Florianstraße.

Die Zellen im Keller der Station sind für die Kinder, die in Zehner-Gruppen durchs Revier streifen, mit dem Besuch eines Heppenheimer Hundeführers am Ende die Höhepunkte des Tages. Darin lassen sie sich sogar freiwillig einsperren. Denn der Oberkommissarin Köglmeier und der Polizei vertrauen sie schließlich. Außerdem „ist die Matratze total bequem“, findet die zehnjährige Alina. „Und schön kühl hier unten“, ergänzt Freundin Suri.

Dass es in den Kellerräumen der Station aber auch ernst zugehen kann, davon berichtet ihnen die Polizistin.

Die Polizeistation Lampertheim-Viernheim ist mit 90 Angestellten die größte des Polizeipräsidiums Südhessen. Zwölf Beamte, darunter Köglmeier, arbeiten auch nach der Zusammenlegung weiterhin am Standort Viernheim. In Lampertheim können die Polizisten in drei Einzelzellen Straftäter kurzzeitig festhalten. „Sind es mehr oder soll der Aufenthalt länger dauern, bringen wir sie mit einem Gefangenentransport nach Darmstadt“, erklärt Köglmeier den Kindern. Denn Zellen seien nämlich nur für einen Kurzaufenthalt ausgelegt. Trotzdem müssen Gefangene vorher Schuhe, Gürtel und ähnliche Gegenstände abgeben, die Zellen sind videoüberwacht. „Damit sie nichts kaputtmachen“, weiß Suri. „Und sich selbst nichts antun“, ergänzt Köglmeier.

Ein Stockwerk höher dürfen die Ferienspielkinder dann statt Gefangener Detektiv spielen. Im „Edi“, dem erkennungsdienstlichen Raum, nehmen sie Fingerabdrücke. „Jeder Mensch auf der ganzen Welt hat einen eigenen Abdruck“, erklärt ihnen die Polizistin. Ihren eigenen Abdruck dürfen sie dann behalten. Das finden die Kinder „ziemlich cool“. Der Besuch auf dem Lampertheimer Revier ist jedes Jahr ein Höhepunkt im Ferienspielkalender. Dort lernen die Kinder auch ganz praktische Dinge. Zum Beispiel, woran man die Hilfe-Inseln erkennt und wofür sie gut sind.

Und woran erkennt man einen echten Polizisten? „An der blauen Uniform natürlich“, wissen die Kinder. „Genau“, sagt Köglmeier und deutet auf ihren Ärmel: „Aber nur wo Polizei drauf steht, ist auch Polizei drin.“

Ob die Kinder selbst mal Polizisten werden wollen? Suri und Alina wissen es noch nicht. In Silvia Köglmeier haben sie aber ein gutes Vorbild. „1982 war ich eine der ersten Frauen in der Polizeiausbildung“, erinnert sich die heutige Oberkommissarin. Noch immer sei der Polizeidienst eher eine Männerdomäne, die Frauen in der Unterzahl. Vielleicht hat sie ja Suri und Alina überzeugt. „Aber“, mahnt Dienststellenleiter Gerald Gürtelschmied, „dafür müsst ihr euch in der Schule anstrengen. Für den Polizeidienst braucht man Abi.“

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