Lampertheim

Vortrag Psychologin spricht über Folgen häuslicher Gewalt

Kinder leiden als stille Zeugen

Lampertheim.In der Mensa der Alfred-Delp-Schule hat am Mittwochabend Susanne Heynen, Leiterin des Stuttgarter Jugendamtes, über das Ausmaß und die Auswirkungen häuslicher Gewalt auf Kinder und Jugendliche gesprochen. Die gelernte Psychologin hatte dabei beunruhigende Statistiken im Gepäck: „Das Misshandlungsrisiko für Kinder ist bei wiederholt auftretender Gewalt unter Partnern acht Mal höher als im Normalfall“, erklärte Heynen. Besonders Trennungsphasen der Eltern, so die Psychologin, seien für den Nachwuchs eine gefährliche Zeit, hier komme es zu den meisten Übergriffen.

Zum Vortrag eingeladen hatten Schulleiterin Silvia Meier und die Lampertheimer Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte Sonja Niederhöfer, die verantwortlich ist für die aktuell in der Alfred-Delp-Schule laufende Ausstellung „Echt Fair“ zum Thema Gewaltprävention. Begrüßt wurde die Stuttgarter Psychologin auch von Bürgermeister Gottfried Störmer. „Die Familie ist als geschlossener Kreis von außen nicht einsehbar“, erklärte Störmer und betonte, dass Lampertheim schon seit geraumer Zeit Teil des Netzwerks „Null Toleranz gegen Gewalt“ ist. Zudem richtete der Bürgermeister den Fokus darauf, dass sich das Geschehen in Familien den Einblicken von Außenstehenden entziehe und man deshalb darauf angewiesen sei, dass aufmerksame Beobachter Besonderheiten im Verhalten der Betroffenen bemerken und melden.

Heynen selbst machte klar, was der Kern des Problems sei: Kinder geraten oft in das Spannungsfeld zwischen Vater und Mutter und werden dann als Dritte selbst zum Opfer. Die Psychologin unterstrich eine Verzahnung von emotionaler, körperlicher und sexueller Gewalt. Diese sei nur selten ein singuläres Ereignis. Kinder als Zeugen von Gewalt hätten dann oft die Konsequenzen zu tragen, wie zum Beispiel erhöhte Ängstlichkeit, schlechte Konfliktbewältigung und eine verminderte Konzentrationsfähigkeit. Auf diese Art und Weise werde oft das schulische Fortkommen entscheidend behindert und selbst die Bindungsfähigkeit für die eigene Partnersuche eingeschränkt. Heynen riet Betroffenen wie Beobachtern entsprechenden Verhaltens, nicht zu zögern und die Dienste der zahlreichen Jugendhilfeorganisationen in Anspruch zu nehmen. Deren Mitarbeiter wären die für solche Fälle richtigen Ansprechpartner und „geschulte Vertrauenspersonen“. jkl

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