Lampertheim

Kinderbetreuung Land beteiligt sich mit 250 000 Euro Steuermitteln an Finanzierung / Druck auf Kommunen steigt

Kita Guldenweg wird ausgebaut

LAMPERTHEIM.Die kommunale Kindertagesstätte Guldenweg wird die erste Ganztageseinrichtung in Lampertheim, die aus einem Altbau heraus entsteht. Spätestens Anfang 2020 sollen für einen umfangreichen Anbau in der Dieselstraße die Bagger anrollen. Die gesamte Umbaumaßnahme soll etwa 400 000 Euro kosten. Möglich machen es Fördermittel aus dem Bundesprogramm Kinderbetreuungsfinanzierung in Höhe von 250 000 Euro.

Eine Toilette für 22 Erzieher, kein spezieller Essensraum, keine Besprechungszimmer und nur begrenzte Möglichkeiten für spezifische Einzelbetreuung – die Räumlichkeiten der in den 70er Jahren erbauten Kita Guldenweg entsprechen kaum noch den heutigen Anforderungen an Kinderbetreuung. Zwar sieht man das der bunten Einrichtung nicht auf den ersten Blick an. Im vergangenen Jahr wurden die Krippenräume grundsaniert und die Erzieherinnen haben improvisiert, Räume einfach umfunktioniert. Dennoch passen die ursprüngliche Bauweise und das moderne Konzept der Kita kaum noch zusammen. „Die meisten Kitas sind in den 60er und 70er Jahren als 12-Uhr-Abholkita konzipiert worden. Die Einrichtungen sind nicht auf so viele Kinder und die Ganztagsbetreuung ausgelegt“, erklärt Jens Klingler, Erster Stadtrat, Sozialdezernent und Kämmerer in Personalunion.

Eine Stunde essen

In der Kita Guldenweg isst der Nachwuchs deshalb nacheinander in Kleingruppen in einem umfunktionierten Gruppenraum. Das zieht sich über mehr als eine Stunde, essen doch inzwischen fast die Hälfte der 115 Kinder in der Einrichtung und bleiben über Mittag. Ein Anbau soll nun an mehreren Stellen Abhilfe und vor allem mehr Platz schaffen. Durch den Vorplatz des Gebäudes müsse dafür auch keine „Freispielfläche“, also Garten, weichen, wie Fachbereichsleiter Bernd Ranko mit ersten Planungen skizzierte. Dazu kommen sollen neue Räume für die Einzelbetreuung, Logopädie oder Ergotherapie sowie neue Sanitäranlagen, eine Schmutzschleuse und mehr Platz für Elterngespräche.

Den umfassenden Ausbau hat übrigens erst die Aufmerksamkeit einer Mitarbeiterin beim Kreis ermöglicht. Die Baumaßnahmen waren nämlich – in deutlich kleinerem Umfang – schon beschlossene Sache bei der Stadt, als Sabrina Wiegand-Schläfer die Verwaltung auf ein größeres Förderprojekt aufmerksam machte. Aus 75 000 Euro Förderung wurden so 250 000 Euro, der Eigenanteil von rund 150 000 Euro blieb gleich. Allein kommt die Stadt mit dem Um- und Ausbau seiner Einrichtungen und der von freien Trägern ohnehin kaum hinterher. Das hat jüngst auch die Vorstellung des Kita-Bedarfsplans im Stadtparlament gezeigt. Zwar stellten die Politiker der Spargelstadt ein gutes Zeugnis in Sachen Planung aus, dennoch steige der Betreuungsdruck stetig. In Hofheim und Hüttenfeld wird um-, in der Kernstadt soll bald neugebaut werden.

Die Steuergelder in Form der Fördermittel, welche die Bundesregierung den Ländern zur Verfügung stellt, sind deshalb zwar Grund zur Freude für die einzelnen Einrichtungen. Sie sind aber auch dringend notwendig, um mit dem steigenden Bedarf und dem Recht auf einen Betreuungsplatz Schritt zu halten. Ute Guthier, Leiterin der Kita Guldenweg, mahnt deshalb, bei Baumaßnahmen gleich weiter zu denken. „Wir müssen 20 oder 25 Jahre konzeptionell voraus denken“, fordert sie. In ihrer Vorstellung entwickeln sich die Einrichtungen immer mehr zu Familienzentren.

Mit den Planungen für ihre Kita ist sie aber zufrieden. Von „ihren“ Kindern gab es deshalb zwei einstudierte Dankeslieder für die Kreisbeigeordnete Diana Stolz, die die Nachricht überbrachte.

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