Lampertheim

Orgelsommer Gunter Kennel schwelgt beim Lampertheimer Konzert in prächtigen Tönen

Klänge von Big Ben im Dom

Lampertheim.Ganz dem Motto des 15. Lampertheimer Orgelsommers angemessen, präsentierte der Berliner Organist Gunter Kennel am Sonntag ein fantasiereiches Programm in der Domkirche. Werke aus seiner eigenen Feder im Wechsel mit Kompositionen von Johann Sebastian Bach, Camille Saint-Saëns und Wolfgang Amadeus Mozart bereiteten den Besuchern einen Hörgenuss auf höchstem Niveau.

Der in der Pfalz geborene Kennel amtiert als Landeskirchenmusikdirektor der Kirche Berlin-Brandenburg und spielt regelmäßig die Orgel der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Als Organist und Dirigent gastiert er bei Konzerten im In- und Ausland und wirkt bei zahlreichen CD-, Fernseh- und Rundfunkaufnahmen mit. Darüber hinaus hat er sich als Komponist von Orgel- und Chormusik einen Namen gemacht.

In Lampertheim nutzte er die gesamte klangliche Vielfalt der Vleugels-Orgel. Als Auftakt hatte Kennel die „Fantasia Chromatica“ des Barockkomponisten Jan Pieterszoon Sweelinck ausgewählt. Mit der chromatisch absteigenden Tonfolge legte er damit bereits im ersten Stück den Leitgedanken des gesamten Programmes an. Klar und präzise entfaltete er die Verdichtungen und rhythmischen Varianten des Themas.

Bei seiner eigenen Bearbeitung des Chorals „Gelobet seist du, Jesu Christ“ aus dem Zyklus „Sonata de nativitate“ erfüllten mitten im Hochsommer weihnachtliche Klänge die Kirche. Zwar intonierte er das Lied feierlich und getragen, mischte die Metrik aber ungewohnt auf und variierte mit verschiedenen Tonfolgen.

Strahlend brandete Bachs Fantasie und Fuge g-Moll durch das Kirchenschiff. Einer majestätisch gespielten Fantasie mit lyrischen Zwischenteilen folgte die kunstvoll verschlungene Fuge. Mozarts wahrscheinlich für eine mit einem Uhrwerk verbundene mechanische Orgel geschriebenes Stück löste bei den Zuhörern unterschiedlichste Empfindungen aus. Zunächst aufgewühlt durch ein ungestüm vorwärtsdrängendes Allegro, legte sich beim zarten Adagio eine sehnsuchtsvolle Ruhe über den Raum.

Kennel beeindruckte mit spielerischer Eleganz bei der Fantaisie Des-Dur op. 101 von Saint-Saëns und malte mit opulenten Pinselstrichen in warmen Farben Franz Wagners Fantasiestück „Trionfo della vita“. Mit Louis Viernes „Carillon de Westminster“ setzte der Organist ein prächtiges Schlussstück. Wie ein mächtiges Fanal ließ er die berühmte Tonfolge der Glocken von Big Ben widerhallen und steigerte sich zu triumphaler Fülle.

Kennels großartige Bearbeitung des Abendliedes „Der Mond ist aufgegangen“ beendete einen glanzvollen Abend.

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