Lampertheim

Kommune unter Druck

Uwe Rauschelbach zur Debatte über den Anbau von St. Michael

Der Vorwurf liegt auf der Hand. Vordergründig zumindest. Da schenkt die Stadt der katholischen Kirche ein Grundstück, damit diese den Anbau für einen Kindergarten ermöglicht, der in ihrer Trägerschaft bleibt, aber von ihr nicht finanziert wird. Auch die Betriebskosten für die neue Gruppe verbleiben bei der Stadt. Selbst für einen Teil der Sanierung des Bestandsgebäudes kommt die Stadt mit eigenen Mitteln auf. Das riecht in der Tat nach einem Geschäft, das nur einen Profiteur kennt: die katholische Kirche.

Hierüber hat sich politischer Unmut entzündet, der nun auch die Debatten in den Internetforen entfacht – teilweise unter Vernachlässigung der gebotenen Sachlichkeit. Fakt ist: Die Kirchen beider Konfessionen ziehen sich systematisch aus den Trägerschaften von sozialen und karitativen Einrichtungen zurück, bedingt durch den Mitgliederschwund und den damit verbundenen Strukturwandel. Dies mag man beklagen, ändert aber nichts an der Entwicklung. Eine realistische Alternative zum Hofheimer Modell St. Michael zeigt sich ebenso nicht, deshalb geht die Stadt in diesem Fall den gangbaren Weg.

Freilich hat dieser Pragmatismus auch seine Kehrseite. So wäre es zumindest als symbolischer Akt der Kirche zu begrüßen, sie würde im Gegenzug zum Grundstücksgeschenk die Notar- und Gerichtskosten übernehmen, wenn schon die Stadt alle Folgekosten dieser Trägerschaft zu stemmen hat. Abermals zeigt sich, dass der bundespolitische Beschluss, jedem Kind einen Betreuungsplatz anzubieten, die Kommunen in Zwangslagen bringt, die an die Grenze der Erpressbarkeit stoßen. Wer deswegen verbal auf die Kirche einprügelt, trifft den Falschen.

 
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