Lampertheim

Nabu Lampertheim Immer weniger natürliche Brutplätze für Vögel / Mitglieder stellen 166 Nistkästen

Kontrollgang durch den Lampertheimer Forst

Archivartikel

Lampertheim.Es ist ein warmer, sonnendurchfluteter Vormittag. Die Mitglieder des Lampertheimer Naturschutzbunds (Nabu), Dieter Melchior und Ralf Gerlach, kommen zum Stadtwald, nahe Neuschloß, geradelt. Sie haben sich auf die Agenda geschrieben, einen Teil der Nistkästen im Lampertheimer Wald zu kontrollieren. Ralf Gerlach hat seine erstellten Karten des Lampertheimer Forstes im Gepäck und Dieter Melchior eine Holzstange, um damit die Nistkästen herunterzuholen. „Die Nisthilfen sind mit Aluminiumnägeln an den Bäumen befestigt. Diese Art Nägel werden nicht die Werkzeuge beschädigen, falls die Waldarbeiter Pflegemaßnahmen durchführen müssen“, erklärt Gerlach. Die Kästen sind aus Holzbeton gefertigt, sie sind nummeriert und auf Gerlachs Karte eingezeichnet.

Die Bruthilfen sind für die Naturschützer gut zu finden. Schließlich begeben sie sich jedes Jahr auf Exkursion, um zu ermitteln, ob die Nistkästen belegt sind und welche Vogelarten darin brüten. Vögel bräuchten diese Bruthilfen, da diese Schutz vor Gefahren bieten. Und so könnten sie ihren Nachwuchs ungestört aufziehen. Im Wald fänden die gefiederten Freunde noch Lebensraum, aber in der Stadt gebe es zu wenige natürliche Brutplätze.

„Die Nabu-Gruppe hat 166 Nistkästen im Lampertheimer Forst verteilt“, erläutert Gerlach. Ab und zu fehle ein Kasten und dann werde der Revierförster Volker Harres verständigt. Er besorgt den Naturschützern neue Behausungen für die Vogel-Familien. „Ich schicke Harres stets die Listen der brütenden Vögel zu“, sagt Gerlach. Er fügt hinzu: „Im Herbst habe ich alle Bruthilfen begutachtet und leer gemacht. Die alten Nester in den Kästen müssen entfernt werden, da sich darin Ungeziefer bilden kann. Außerdem brüten Vögel nicht gerne auf vorhandene Brutstätten.“

Dreischichtige Nester

Während die Vogelfreunde durch den Wald streifen, lässt eine Mönchsgrasmücke ihren Gesang erschallen und wenig später der Laubsänger Zilpzalp. Nach wenigen Metern sind die Naturschützer am Kasten mit der Nummer eins angekommen. Vorsichtig nimmt Dieter Melchior den Nistkasten herunter und öffnet die Vorderseite. Das Nest besteht aus drei Schichten: Moos, Gras und Haarbüscheln. Letzteres Material seien Tierhaare, wie von Wildschweinen, weiß Gerlach. Er notiert sich den Fund. Der Nestbau deute auf eine brütende Blaumeise. Drei Jungvögel ohne Gefieder sind in der Vogel-Kinderstube zusammengekuschelt. Dann wird der Kasten wieder an den Baum gehängt. Keine schimpfende Meise ist zu hören, die Angst um ihre Jungen hat.

In einer weiteren Blaumeisen-Wohnung liegen sieben gesprenkelten Vogeleier. „Es kann schon die zweite Brut sein“, vermutet Melchior. Der Gesang und der Regenruf eines männlichen Buchfinkes erschallt. „Damit meldet er aber keinen Niederschlag“, sagt Melchior und lacht. Während des Regens, wenn andere Vogelarten verstummen, könne allerdings sein Ruf noch gehört werden. In einem anderen Brutkasten finden die Männer sechs hellblaue Eier vor. Das Gelege ist aus Laub gebaut. „Hier wohnen Trauerschnäpper“, ist den Naturschützern klar. Und richtig. In einiger Entfernung sitzt – scheinbar das Weibchen – auf einem Baumast. Der Singvogel wittert Gefahr. „Bei den Vögeln brütet meistens das Weibchen“, erklärt Melchior. In wenigen Sekunden hängt der Kasten wieder am Baum und der Waldvogel, der zur Gruppe der Fliegenschnäpper gehört, beruhigt sich.

Als sich die Nabu-Mitglieder auf den Rückweg machen, werden sie vom Gesang einer Tannenmeise begleitet. Der Brutvogel turnt in einem Nadelbaum herum und gibt ein „Sitjü“ von sich. Dann ist Ralf Gerlach erbost. Am Wegesrand und im Wald liegen kleine, leere Flaschen, in denen sich Kräuterlikör befand und die unachtsam weggeworfen wurden. Gerlach sammelt sie auf. Über die eine Flasche, die keinen Verschluss hat, ärgert er sich besonders. „Hier krabbeln Kleintiere hinein und kommen nicht mehr raus.“

Zum Abschied legen die Naturschützer weitere Termine fest, an denen die nächsten Nistkästen kontrolliert werden sollen.

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