Lampertheim

Tag der offenen Gartenpforte Mitten in Hofheim hat sich die Natur einen alten Hof zurückerobert / Christiane von Bezold präsentiert ihn am Wochenende

Konzert von Biene, Meise und Frosch

Archivartikel

HOFHEIM.Gemütlich brummt eine dickbäuchige Hummel durch die Luft. Auf der Suche nach Nektar landet das pelzige Insekt auf einer zurückfedernden weiß-rosa Blüte. Neben ihr tanzen Bienen von gelben zu roten Blüten, eine Libelle schwebt zielstrebig vorbei in Richtung Wasser. Hinter dem Schilf quaken Frösche, von oben zwitschert fröhlich eine Meise. Die Luft ist erfüllt von der Musik der Natur. Christiane von Bezold zaubert das ein Lächeln aufs Gesicht. Sie erfreut sich an der Natur und ihren Bewohnern. Die Hofheimerin spaziert jedoch nicht durch den Biedensand. Das große Krabbeln und Summen erlebt sie täglich in ihrem eigenen Garten.

Im alten Hofheimer Ortskern unmittelbar vor der St. Michael Kirche hat sie sich ihr eigenes, kleines Naturschutzgebiet geschaffen. Das „grüne Gartenparadies“, wie sie es nennt, wird von einem Drei-Seiten-Bauernhof flankiert.

Das Bild im Garten wird von Grün bestimmt. Immergrüne Gehölze, Stauden, Rosen oder Buchsbäumchen sind von Natursteinmauern und -wegen eingefasst. Eingezogen ist Christiane von Bezold hier vor zwölf Jahren. Seitdem hat sie den alten, denkmalgeschützten Bauernhof saniert und langsam den großen Garten im Hof entstehen lassen.

Wenn die Innenarchitektin über ihren Garten und seine Bewohner spricht, merkt man ihr die Liebe zur Natur an. „Mit dem Entstehen des Gartens wollte ich der Natur etwas zurückgeben“, erzählt sie und zeigt auf einen großen, weißblühenden Baum. Dort stand früher eine Garage. Seit ihrem Einzug hat sich die Natur nach und nach den Hof zurückerobert.

Wer den Hofgarten betritt, hört und sieht seine Bewohner schon. Es gibt keine Pflanze, die von Bezold nicht auswendig mit deutschem und lateinischen Namen kennt. „Borretsch“, erklärt die passionierte Pflanzenfreundin etwa, „optimales Bienenfutter. Fenchel, eine tolle Futterpflanze für Schmetterlinge“. Kaum eine Stelle abseits der Wege ist nicht begrünt. Überall wächst oder krabbelt es.

Ein permanentes Summen begleitet Christiane von Bezold, wenn sie durch den Garten schlendert. „Im Sommer hört man das Grillenkonzert schon eine Straße weiter“, sagt sie stolz. Ihr Platz im Garten versteckt sich hinter dem vielen Grün. Inmitten ihrer Pflanzen hat sie einen hölzernen Liegestuhl aufgestellt. „Lieblingsplatz“ steht auf einer Schiefertafel, daneben ein Espresso aus der selbst getöpferten Tasse.

Zum Anwesen gehört außerdem ein renovierter Stall, in dem am Wochenende Kunst für die Besucher ausgestellt ist. Die dazugehörige Kochschule von Leonie Keller hat ebenfalls geöffnet, bietet Hessische Tapas an. Kräuter und Pflanzen nutzen sie dafür auch aus von Bezolds Garten.

Ihren Espresso schlürft die Gartenbesitzerin am Teich, dem Herzstück des Areals. „Wasser ist wichtig“, findet sie. Einen Naturteich ohne Pumpe und Fische könne sie jedem empfehlen. „Durch die richtige Bepflanzung stellen sich Libellen ein, so gibt es kaum Mücken“, verrät sie.

Ohnehin hat sie die natürliche Selbstregulierung der Natur für sich entdeckt. Ihre fleißigsten Helfer sind die Gehäuseschnecken, für die sie eine „Lounge“ angelegt hat. „Sie knabbern welke Pflanzen an und verarbeiten es zu natürlichem Dünger“, so von Bezold.

Auf anderen Dünger oder Pestizide verzichtet sie. „Ich schaue einfach, welche Pflanzen sich wohlfühlen“, sagt die Hofheimerin lächelnd. Das scheint zu funktionieren. Der Garten lebt.

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