Lampertheim

Fischsterben Naturschützer fordern gegenüber Behörden ein, zur Situation am Heegwasser gehört zu werden

Kritik am Regierungspräsidium

Lampertheim.Naturschützer sehen sich mit der Berichterstattung im Südhessen Morgen über das Fischsterben im Heegwasser in ein falsches Licht gerückt. Ihr Vorwurf: Sie seien von der zuständigen Landesbehörde, dem Regierungspräsidium in Darmstadt, bislang nicht ausreichend einbezogen worden, um an einer dauerhaften Problemlösung mitzuwirken. Laut Anke Diehlmann, die dem Vorstand des Lampertheimer Naturschutzbundes angehört, sei der Verein bis heute nicht gehört worden, obwohl das Naturschutzrecht dies bei Eingriffen in Naturschutzgebiete vorschreibe.

Für die ökologische Misere macht Diehlmann die Entfernung einer Schließe zwischen Heegwasser und Altrhein verantwortlich. Hierdurch sei der Wasserspiegel des Heegwassers um etwa 30 Zentimeter gesunken. Durch die Verlandungsprozesse sei der Sauerstoffgehalt im Wasser zurückgegangen. Den Fischen sei der „Fluchtweg“ durch den Rallengraben versperrt worden, der nun regelmäßig trocken falle.

Tatkraft demonstriert

Diese Einschätzung teilt auch Peter Petermann von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz. Die geringe Wasserqualität in den Sommerwochen sei schon seit Jahren zu beobachten. Spätestens seit dem Fischsterben im Altrhein vor zwei Jahren hätten die Behörden mit den Experten der Naturschutzverbände nach Lösungen suchen können. Erst als bereits Tausende von Fischen verendet seien, habe die Behörde offenbar Tatkraft demonstrieren wollen. Kritische und fachlich begründete Einwände seien jedoch unerwünscht. Den Auslöser für das Fischsterben sieht Petermann in einer leichten Hochwasserwelle, die eine Woche zuvor Fische und organisches Material ins Heegwasser geschwemmt habe. Die darauffolgenden heißen Tagen hätten die Lage verschärft, aber erst der Wetterumschwung mit einem Temperatursturz um mehr als zehn Grad habe das Gewässer zum Umkippen gebracht.

Der in Bürstadt lebende Naturschützer bestätigt zugleich, dass der Einsatz von Belüftungsanlagen wirkungslos und ökologisch nicht zu befürworten sei. Lautstärke und Dieselabgase wirkten sich belastend auf die Umwelt aus. Obendrein seien die Apparaturen nur in der Lage, im unmittelbaren Umfeld für eine gewisse Durchlüftung des Wassers zu sorgen. Für das gesamte Heegwasser seien sie bei weitem nicht ausreichend. Auch die für Gewässeruntersuchung zuständige Landesbehörde habe eine Belüftung nicht empfohlen. Im Altrhein sei eine Belüftung mit Rücksicht auf die Freizeitnutzung ohnehin nicht möglich.

Das Regierungspräsidium teilt auf Anfrage mit, während des akuten Fischsterbens hätten die Naturschutzverbände wegen Zeitdrucks nicht beteiligt werden können – mit Ausnahme von Rainer Hennings vom Büro für Fischereiberatung und Gewässerökologie in Fürth. Die ehrenamtlichen vom Regierungspräsidium bestellten Schutzgebietsbetreuer seien in dieser Woche um Stellungnahme zur Belüftung gebeten worden. Die Beteiligung der Naturschutzverbände erfolge routinemäßig im Rahmen der Landespflegeplan-Besprechung, um eine langfristige Lösung des Problems herbeizuführen.

Keine Einsicht bekommen

Peter Petermann weist hingegen darauf hin, dass eine Belüftung niemals Teil der Pflegeplanung gewesen und ebenso wenig im langfristigen Bewirtschaftungsplan vorgesehen sei. Den Verbänden (nicht nur den Gebietsbetreuern) sei nach Naturschutzrecht Einsicht in die Unterlagen und Gelegenheit zu einer Stellungnahme zu geben, was weder 2018 noch 2019 geschehen sei.

Unterdessen liefert die Situation am Heegwasser nach Ansicht von Bürgermeister Gottfried Störmer neue Impulse für die Diskussion über eine Entschlammung des Altrheins. Um diesem Ziel näher zu kommen, verhandelt die Stadt mit dem Bund über die Kosten für eine Sedimentuntersuchung in Höhe von 150 000 Euro.

Demnach ist die Bereitschaft des Bundes, sich zur Hälfte an den Kosten zu beteiligen, mit der Bereitschaft der Stadt verknüpft, anschließend diesen Abschnitt des Altrheins zu erwerben und damit auch die Verantwortung für die künftige Pflege des Gewässers zu tragen.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Südhessen Ticker
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional