Lampertheim

Flohmarkt Flaneure vom Charme der Lampertheimer Höfe angetan / Gäste aus der ganzen Region / 60 Künstler, Anwohner und Standbeschicker beteiligen sich

Kunst und Krempel ziehen Besucher an

LAMPERTHEIM.Das große, schwarze Hoftor aus leicht rissigem Holz steht einladend offen. Darüber spannt sich zwischen den zwei Fachwerkbauten in der Römerstraße 87 ein grüner Bogen aus Weinreben und Efeu. Weiter hinten im Hof plätschert ein Brunnen beruhigend unter einer Holzpergola vor sich hin. Es riecht nach Seife und Waffeln. Für viele Lampertheimer hat sich der Besuch des sechsten Kunst- und Hofflohmarktes schon jetzt gelohnt. Beim Betreten des Anwesens von Winona Kristmann und Benjamin Alberstadt wird sogar Spargelkönigin Alina-Sophie I. neidisch. „Allein der Einblick in solche Höfe ist großartig“, findet sie.

Über 60 Künstler, Anwohner und einige wenige Flohmarktbeschicker stellen in 46 Lampertheimer Höfen und Gärten Kunst und Alltägliches aus. Vom antiken Sofa, über Schmuck und Geschirr bis hin zu handgemachter Deko und Schnitzereien für karitative Zwecke – es ist ein buntes Sammelsurium. „Die Mischung macht’s“, findet Ulrike Hummel. Für die Mitbegründerin des Marktes sind Vielfalt und die Abwechslung das Schönste an der Veranstaltung. Auch Dirk Dewald, der erstmals fürs Stadtmarketing bei dem Bürgerschaftsprojekt unterstützend tätig ist, sagt: „Der Markt ist im Gegensatz zum letzten Jahr nicht größer, aber vielfältiger geworden“. Tatsächlich gibt es in jedem Hof etwas ganz Eigenes zu entdecken – und wenn es nur entbehrliche Überbleibsel der Kellerentrümpelung sind.

„Beachtlich“, finden viele, was in nur sechs Jahren aus dem kleinen Projekt aus der Bevölkerung geworden ist. „Hier ist etwas zusammengewachsen, ein tolles Gemeinschaftsprojekt“, findet auch City- und Eventmanager Dewald. Das spüren auch Besucher am Sonntag. Konkurrenzdenken gibt es nicht, stattdessen sagen die Aussteller: „Ich würde gerne auch mal bei den anderen reinschauen“. Denn das ist ebenfalls Teil des Erfolgsrezeptes. Reinschauen, in die Höfe spicken und sich „Anregungen holen“, wie es Bürgermeister Gottfried Störmer bei der Eröffnung formuliert. „Viele Lampertheimer wollen sehen, was sich hinter den tollen Hoftoren und Fassaden verbirgt“, glaubt er. Das Stadtoberhaupt freute sich über das kühle Wetter und lächelte den ein oder anderen Regentropfen einfach weg.

Inzwischen kommen zum Kunst- und Hofflohmarkt nicht nur Gäste aus Lampertheim. Marion Weil ist mit ihrem Mann zum ersten Mal aus Nordheim gekommen. Vom Markt erhofft sie sich Inspiration. „Wir sind einfach neugierig“, freut sie sich. Neugierde war für viele Besucher das Stichwort – nicht nur auf die Ware, sondern auch auf die rausgeputzten Höfe und Gärten.

Freundliches Miteinander

„Ich finde das Konzept toll“, sagte auch Iris Waser. Die Wormserin war ebenfalls erstmals auf der Veranstaltung. „Hier werden Dinge ganz anders präsentiert“, findet sie.

Ohnehin fühlten sich viele Gäste nicht wie auf einem klassischen Parkplatz-Flohmarkt, sondern wie bei heimeligen Haus-Verkäufen. Das lockte auch Publikum fernab der üblichen Flohmarktgänger an. „Herrliches Ambiente, herrliche Atmosphäre“, so Waser, als sie den Garten in der Ersten Neugasse 69 betritt.

Hinter einer Garage mit Kinderspielzeug gelangen Besucher in eine wunderbar hergerichtete Wohlfühl-oase. Auch andernorts erwartet die Gäste viel Grün und Wasserstellen. Wer dem Duft belgischer Waffeln in der Garage widersteht, kann sich an der großen Grillstelle im Garten nach Fleischeslust bedienen.

Wenige Meter weiter bietet Bernd Beyer die passenden Getränke wie seine „Sherry-Bombe“ dazu an. Beyer ist aber kein Händler, sondern bietet nur seine private Sammlung feil. „Ich hoffe auf viele leere Flaschen. Sonst erlaubt mir meine Frau keine neuen“, sagt er schmunzelnd und sucht nach „Helfern“.

In einem anderen Hof bietet Bianca Eichenauer vegane Kosmetik und Seifen „ohne Chemie und Konservierungsstoffe“ an. „Eigentlich mache ich das für meinen Sohn, der Neurodermitis hat“, erklärt sie. Auch für sie ist es eine Premiere. „Vielleicht hilft es ja auch anderen“, hofft die Frau.

Auch das ist der Charme des Kunst- und Hofflohmarktes. So entsteht keine kommerzielle Atmosphäre, sondern ein freundschaftliches Miteinander – obwohl die Waren Geld kosten. Den Besuchern gefällt’s jedenfalls.

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