Lampertheim

Kabarett Peter Gutschalk lässt ausverkauften Kronen-Saal mit Mundart in Erinnerungen schwelgen

Kurpfälzer Kleinkunst pur

Archivartikel

LAMPERTHEIM.Er kommt als Marty McFly zurück aus der Zukunft, ist als „Best-Ager“ mit Bandana-Kopftuch, dickem SUV und Penthouse-Wohnung „Forever Young“ und hält als Hausfrau einen „Dätsch-ma-mol“-Vortrag. Peter Gutschalk ist wandelbar – und doch bleibt der Lampertheimer Kabarettist in jeder Rolle er selbst. Ein echtes Original mit Kurpfälzer Schlappschnute.

Damit hat er am Samstagabend bei der Premiere seines neusten Programms „Tabula rasa“ einen Abriss durch Alltagskomik und die großen Themen der Zeit geliefert. Sein dreistündiger Solo-Auftritt ist eine Hommage an die Albernheit, seine Heimat Lampertheim und „früher“. Dem ausverkauften Kronen-Saal hat’s gefallen.

Dabei war früher, das schickt Gutschalk gleich vorneweg, gar nicht alles besser. „Es war nur früher“, sagt er. Auf die Party von „de Freundin von de Dings“ hat er anfangs deshalb so gar keine Lust. Die will nämlich feiern, wie es früher einmal war. Schon der Einladungskarte per Post („Gibt’s die noch?“) und dem Sektempfang („Das gab’s doch früher nie unner de Zeit“) kann er nichts abgewinnen. Auch aus dem Büchlein seiner Mutter, in dem er nach alten Feier-Traditionen sucht, wird er nicht schlauer. Nur eine penible Auflistung über die Geschenke aller Gäste. Schließlich müsse man wissen, wie viel man zurückschenkt. Und was soll man schenken? „Die Leit henn jo alles“, lautet das Dilemma.

Das sei früher anders gewesen, betont Gutschalk und schwelgt gemeinsam mit dem Publikum in Erinnerungen. Nur, um festzustellen, dass in der Zeit, in der Telefone noch „im Haus gefangen“ und die Sozialen Netzwerke die „Schdrooß“ waren, doch nicht alles schlecht war.

Rasante Monologe

Auf Geburtstagen habe es nach dem Kuchen immer Spargel aus dem Glas und Mix Pickles gegeben. Und wenn etwas Besonderes war? „Silwerziwweln!“, ruft er mit manchem Zuschauer im Chor. Dazu eine Polonaise und und Erdnüsse als Evergreen – die Party war perfekt, erinnert er sich und tanzt den damaligen Ültje-Werbespot. Und bei russischen Eiern mit Lachsersatz? „Da könnt ich kroine vor Fraad“. Viele Zuschauer fühlen sich erinnert und kommen bei der Vorstellung aus dem Lachen nicht mehr raus.

Seine rasanten Monologe lockert der umtriebige Kabarettist ab und an durch kurze Gesangs- und Tanzeinlagen auf und tigert auf der Bühne von rechts nach links. Nur selten schießt er mit Mimik und Gestik übers Ziel hinaus. Die meisten Zuschauer – viele in der gleichen Generation – sind begeistert. „Tabula rasa“ ist Gutschalks fünftes Solo-Programm. Bekannt ist er auch durch das Schlappschnuut-Theater, bei dem er im Duo auftritt.

Die Zeit zurückdrehen möchte der Lampertheimer aber trotz der schönen Erinnerungen nicht. Auch wenn er als Marty McFly das IPhone 35 vorstellt. „Nur anfassen, bloß nicht denken“, ist hier das Motto. Ohnehin fragt er sich, was man eigentlich in der Zeit vor Smartphones den ganzen Tag gemacht hat. Etwa Fahrrad fahren ohne Helm und Schutzblech, Knie auf dem Bolzer aufschlagen, zu zehnt aus einer Flasche „Bluna“ trinken und essen, was der Acker hergab. „Kaum begreifbar, dass wir das damals überlebt haben – ohne Zucker oder Allergieschock“, findet er.

Für besonders viele Lacher sorgt im zweiten Teil die Mann/Frau-Nummer über die Unterschiede beim Einkaufen. Während Männern „Bier, Chips und Tschoklad“ reichen, bräuchten Frauen den halben Tag. „Und wenn dann doch was vergessen wird, setzt der Dätsch-ma-mol-Effekt ein und wir Männer müssen wieder ran. Und bringen dann doch wieder das falsche mit“.

Am Ende gibt es vom Publikum anhaltende stehende Ovationen für Gutschalk. Und zwei Erkenntnisse: Nicht alles war früher besser und ist erst seit heute schlecht. Und sich an vergangene Zeiten zu klammern, bringe ohnehin nichts. „Alle wollen alt werden, aber keiner alt sein“, so Gutschalk. Da solle man lieber den Bob Dylan Song „Forever Young“ wörtlich nehmen. „Bleibt im Kopf und im Herzen jung. Genießt das Leben, seid albern und lustig“, wandte er sich an das Publikum.

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