Lampertheim

Bauarbeiten Regierungspräsidium spricht von „krankheitsbedingten Engpässen“ / Maßnahme seit 2018 fünf Mal verschoben

L 3110-Sanierung erneut vertagt

Archivartikel

Hüttenfeld/Hemsbach.Die Nachricht macht in Hüttenfeld Furore: Die Sanierung der Landstraße 3110, Verbindungsstraße ins baden-württembergische Hemsbach, wird aufs nächste Jahr verschoben. Dabei sollten schon in diesem Monat die Bagger anrollen. Noch im Spätsommer hatte man am Oktober als Baubeginn festgehalten. Das für die Planung der fast vier Kilometer langen Straße zuständige Regierungspräsidium in Karlsruhe begründet die neuerliche kurzfristige Verzögerung mit dem krankheitsbedingten Ausfall des Bauleiters.

Hüttenfelds Ortsvorsteher Karl Heinz Berg ist verärgert, Hemsbachs Bürgermeister Jürgen Kirchner enttäuscht. Der „Kartoffelacker“, wie Berg die Straße inzwischen nennt, wird doch noch nicht saniert. Wieder einmal. Lustig finden die Betroffenen das trotz des scherzhaften Namens aber schon lange nicht mehr. Die Straße sei in einem „miserablen“ Zustand und habe „dringenden Sanierungsbedarf“, sind sich die Kollegen einig.

Mehr noch: „Der Zustand sei so beängstigend schlecht, dass sich viele ältere Menschen kaum noch trauten, nach Hemsbach zu fahren. Oder sie fahren so langsam, dass sie fast schon eine Verkehrsbehinderung sind“, sagt Karl Heinz Berg, der bis zur Anfrage dieser Redaktion noch gar nichts von der Verschiebung wusste. Wer in eines der vielen Löcher „hinein donnere“, riskiere einen ernsthaften Schaden am Auto.

Hüttenfelder verärgert

Für die Hüttenfelder ist das deshalb so ärgerlich, weil Hemsbach mit einer Entfernung von nicht einmal vier Kilometern nicht nur die nächsten Möglichkeiten zum Einkaufs- oder Arztbesuch bietet, sondern auch als Auffahrt zur wichtigen Autobahn 5 in Richtung Frankfurt oder Heidelberg dient. An den stark beschädigten Weschnitz-Brücken gilt bereits seit Jahren wegen der Unebenheiten Tempo 50.

Die Chronologie des Projekts mutet wie ein unrühmliches Beispiel deutscher Bauverzögerungen an. Dabei schien anfangs alles schnell zu gehen. Den Stein ins Rollen brachten im Mai 2017 der Hemsbacher Stadtrat Alfred Moos, Kirchner und der badische SPD-Landtagsabgeordnete Gerhard Kleinböck. Bereits im Sommer 2017 signalisierte die badische Seite Zuversicht für eine Umsetzung im Folgejahr. Die Krux an der Sache: Die L 3110 fällt gleich in drei Zuständigkeitsbereiche. Wenige hundert Meter vor Hüttenfeld kreuzt die Straße mit dem Landgraben die Landesgrenze, einige Meter weiter dann die Stadtgrenze.

Nach anfänglichem Zögern bewegte eine hessisch-badische SPD-Initiative auch Hessen Mobil zur Bereitschaft. Mit der Planung des Gemeinschaftsprojekts durch das RP Karlsruhe und eine Teilfinanzierung aus Hessen hätte die L 3110 zum landesübergreifenden Vorzeigeprojekt werden können. Doch dann kam eine Verschiebung nach der anderen. Von 2018 auf 2019, von Frühjahr auf Herbst und wieder ins kommende Frühjahr, zuletzt von September auf Oktober. Mal wegen Baustellen auf hessischer Seite, nun wegen Krankheitsfällen in der Planungsbehörde. „Was anfänglich wie eine Posse an der Landesgrenze zwischen Hessen und Baden-Württemberg anmutete, hat sich inzwischen zu einem Ärgernis für alle Betroffenen entwickelt“, weist Kleinböck auf die Chronologie des Vertröstens hin.

Der Lampertheimer Marius Schmidt zeigte sich „überrascht und enttäuscht“. Die Beteiligten ärgert, dass Kleinböck immer wieder nachhaken muss, um solche Informationen zutage zu fördern. Die Städte Hemsbach und Lampertheim wurden am Montag vom Regierungspräsidium informiert. Schmidt fragt sich, warum man so lange am Oktober-Termin festgehalten habe. „Krankheitsbedingte Ausfälle sind weder plan- noch vorhersehbar“, verteidigt sich das RP.

Etwas Positives könnte es aber doch haben: Das städtische Teilstück am litauischen Gymnasium wäre ohnehin erst 2021 saniert worden. Man bemühe sich nun, die Strecke „in einem Rutsch“ zu sanieren.

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