Lampertheim

Coronavirus Geschäftsleute suchen nach Wegen aus der Krise und Alternativen der Kundenbetreuung

Läden setzen auf Lieferdienst

Archivartikel

Lampertheim.„Wer ist der nächste?“, fragen die Eisverkäuferinnen üblicherweise mit Blick in die Menschenschlange bei Eis Oberfeld. Minutenlanges Schlangestehen ist dort bei schönem Wetter an der Tagesordnung. Um in Zeiten der Corona-Krise zu verhindern, dass sich seine Kundschaft ansteckt oder den Virus weitergibt, hat Eiskonditor Kurt Oberfeld noch Anfang der Woche Vorbereitungen getroffen.

Als am Mittwoch die Eis-Saison mit dem Straßenverkauf eröffnet wurde, gab es zusätzliche Schutzmaßnahmen. Mit rot-weißem Klebeband wurde auf dem Boden der Sicherheitsabstand markiert, den die Kunden bitte einhalten sollten. Auf einem Hinweisschild wurde erklärt, dass mindestens 1,5 Meter zwischen den Wartenden in der Schlange Platz gelassen werden sollte. Das Verkaufspersonal wurde mit einer zusätzlichen Plexiglas-Scheibe geschützt, die Öffnungszeit begrenzt, und Kurt Oberfeld war hoffnungsvoll, dass die Kundschaft sich an die Regeln hält.

Gestern nun hat er auf seiner Homepage mitgeteilt, dass die Eisdiele doch bis auf Weiteres ganz geschlossen bleibt. Offenbar war der Andrang – sicher auch bedingt durch das schöne Wetter, die Corona-Zwangsferien und aus Mangel an alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten – doch so groß, dass es nicht mehr möglich war, die Sicherheitsregeln vernünftig einzuhalten.

Ansonsten ist in der Lampertheimer Innenstadt nicht viel los. Die Geschäfte halten sich an das Öffnungsverbot. An vielen Ladentüren sind Ausdrucke mit der Nachricht angebracht: „Auch wir müssen aufgrund der aktuellen Lage vorübergehend schließen.“ Viele teilen aber mit, dass sie zumindest telefonisch oder übers Internet weiter erreichbar sind. Manche versuchen, mit Frei-Haus-Lieferungen ihrer Ware ihr Geschäft zumindest ein wenig am Laufen zu halten. So beispielsweise Me & More, die Bestellungen entgegen nehmen und die Ware verschicken. Die Bücherkiste stellt Lesestoff mit dem Radkurier zu.

Dienstleister dürfen noch öffnen

„Dienstleister dürfen weitermachen“, erklärt Stefanie Eichler vom gleichnamigen Fotostudio. Kunden, die Passbilder benötigten, klopften an die Eingangstür und träten einzeln ein, beschreibt sie das Prozedere. „Ich desinfiziere das Fotostudio mehrmals am Tag, denn ich möchte nicht, dass sich das Coronavirus weiter ausbreitet“, betont die Fotografin.

Auch die große Glastür vom Blumengeschäft Schuster in der Römerstraße ist geschlossen. „Wir müssen bis auf Weiteres unseren Ladenbetrieb aussetzen“, steht auf einem Plakat. Doch die Markierung hebt hervor: „Wir bleiben weiterhin lieferbereit.“ Das Team ist telefonisch und per E-Mail erreichbar. Also können die Kunden ihre Wünsche durchgeben, bestellen und nach Absprache abholen.

Während er mit dieser Redaktion spricht, zaubert Hans-Jürgen Schuster mit geschickten Griffen einen Beerdigungskranz. Er erläutert, dass in der Trauerhalle des Waldfriedhofs die Stühle auseinandergerückt worden seien. Was Schuster nicht versteht: Dass Gartencenter öffnen dürfen und Einzelhändler nicht, bei denen keine so große Anzahl von Kunden einkaufen. Auch hat der Florist beobachtet, dass Angehörige von Risikogruppen wie Senioren höheren Alters in der Stadt unterwegs seien, um Kleinigkeiten einzukaufen – auch Blumen.

Auch Hans-Peter Horlé vom Haus der Mode, Wäsche und Living resümiert: „Es ist eine schwierige Zeit, da gehen alle durch, auch wir.“ Horlé schiebt nach: „Wir müssen alles auf uns zukommen lassen.“

Die Ladentür von Juwelier und Optik Bisch ist geöffnet, aber Aushänge mit dem Hinweis „Stop!“ lässt die Kunden verharren. Das ist richtig, denn die Kunden sollen nicht sofort und möglichst nur einzeln die Geschäftsräume betreten. „Wegen der Optik gehören wir zu einem Handwerksbetrieb“, sagt Christos Agorastos. Die Augenoptikbetriebe seien für die Sehversorgung zuständig und wichtig.

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