Lampertheim

Odenwaldklub Heimatabend mit Geschichten und Mundartbeiträgen garniert / Ehemalige Weinprinzessin schenkt edle Tropfen aus

Lampertheim und die Messerstecher

Lampertheim.Die Idee, einen Heimatabend mit einer Weinprobe zu verknüpfen, kam dem Schriftführer des Odenwaldklubs (OWK), Marius Schmidt, bei der Wahl der Deutschen Weinprinzessin 2017/2018 in Neustadt. Charlotte Freiberger aus Heppenheim wurde damals zur Weinprinzessin gewählt. Im OWK-Heim wurde die Idee jetzt unter der Überschrift „Gesellige Stunden bei Wein, Mundart und Heimatgeschichte“ umgesetzt.

Marius Schmidt begrüßte mit launigen Worten die ehemalige Weinprinzessin Charlotte Freiberger als auch Karl-Heinz Horstfeld von den Loambadda Babblern mit seinen Mitstreitern. Fünf Weinproben wurden angekündigt. Die Pausen zwischen den Verkostungen gehörten den Beiträgen der Lampertheimer Mundartexperten.

„Wer sind die größten Messerstecher in der Umgebung?“, fragte Schmidt in die Runde. Die Antwort fiel aber entgegen der die allgemeinen Meinung aus. Stattdessen ergebe sich aus Überlieferungen des 19. Jahrhunderts eher eine Häufung von Messerstechereien in Lampertheim und nicht in Bürstadt. Ab dem 16. Jahrhundert sei hier der Weinbau dokumentiert. 600 Flaschen habe das Zehntamt damals verzeichnet. In einer Zeitschrift sei 1833 festgestellt worden, dass es ein recht guter Wein war.

Ex-Weinprinzessin Charlotte Freiberger berichtete von ihrer Tätigkeit als Botschafterin des Weins. An 160 Tagen war sie weltweit unterwegs und machte Werbung für 13 Anbaugebiete. Heute arbeitet sie wieder als Winzerin auf dem elterlichen Weingut. Davon hatte sie Weine mitgebracht. Zunächst wurde ein Heppenheimer St.Laurent kredenzt, dazu gab es Wissen über Anbau und Sorten in den Wingerten.

Vor und nach der Weinprobe traten die Protagonisten der „Babbler“ auf, die jeweils von Karl-Heinz Horstfeld vorgestellt wurden. Seit Dezember 2018 gibt es die Gruppe, die sich regelmäßig trifft, Heimatgeschichten oder Mundart pflegt und sich das Ziel gesetzt hat, die Loambadda Sproch am Leben zu erhalten. Dabei knüpft man auch Verbindungen zur Volkshochschule oder zu den Schulen.

Die Beiträge gingen los mit einem Beitrag von Helmut Hummel, der aus seiner Jugendzeit berichtete. „Für uns war damals Lampertheim ein einziger großer Spielplatz“, so Hummel. In der Wilhelmstraße mit den vielen Gärten und Scheunen kannten sich die Kinder offenbar besser aus als mancher Besitzer. Auch Gottlieb Ohl, der erst 1957 nach Lampertheim zog, erinnerte sich, dass in den 1960er Jahren noch die Säue unter großem Geschrei vom Bahnhof aus durchs Dorf getrieben wurden. Nach einem Spätburgunder machten sich Karin Kraus und Erika Krämer-Tomczak Gedanken über den hiesigen Dialekt. Das Wort „ebbes“ wurde durch Iris Henkelmann zum Universalwort, Herbert Tiefel stellte fest, das man bei jeder Jahreszeit trinken solle und Kerstin Zecher stellte die Ernährung mit guten und auch schlechten Begleiterscheinungen in den Vordergrund.

Nach einem Grauburgunder beendete Horstfeld den Reigen der Mundartbeiträge mit einer Geschichte über das Wegwerfen nützlicher Dinge, ehe Marius Schmidt den letzten Beitrag des Abends zum Besten gab. Mit Akribie listete er die vielfältigen Versuche einiger Hüttenfelder auf, sich von Lampertheim zu lösen. Schon ab 1913 habe es entsprechende Beschlüsse gegeben, die jeweils widerrufen wurden. Diese Prozedur habe sich mehrfach wiederholt, beleuchtete Schmidt humorvoll das Geschehen.

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