Lampertheim

Corona Gastronomen können November-Schließung schwer nachvollziehen / Teilweise Abholservice geplant

Lampertheimer Wirte wollen nicht aufgeben

Archivartikel

Lampertheim.Daniela Ruppert hatte sich gut auf die kalte Jahreszeit vorbereitet. Mit Heizstrahlern und einem großen Zelt wollte die Inhaberin des „Bistro am Römer“ dafür sorgen, dass ihre Gäste auch im Winter im Freien sitzen können und dabei ausreichend Abstand zueinander einhalten. Über die Entscheidung, dass im November Restaurants und Kneipen bundesweit schließen müssen, schüttelt Ruppert nur den Kopf: „Ich kann den Lockdown light nicht nachvollziehen und gehe davon aus, dass wir noch viel länger schließen müssen.“

Essen zum Abholen will die Wirtin nicht anbieten. „Das rechnet sich einfach nicht. Dafür sind die Fixkosten deutlich zu hoch“, sagt Ruppert und verweist darauf, dass der Großteil des Umsatzes in ihrem Bistro durch den Verkauf von Getränken erzielt wird. Die von der Bundesregierung angekündigte finanzielle Hilfe sei nun wichtiger denn je, meint Ruppert. Denn während sie ihre Angestellten in Kurzarbeit schicken könne, müssten die Miet- und Nebenkosten trotzdem bezahlt werden.

„Die Politiker sind überfordert und wissen nicht, was sie beschließen sollen“, ärgert sich Pannagiotis Choikas über den November-Shutdown. Der Wirt des Restaurants „Zum Schützenhaus“ hätte sich nach der wochenlagen Schließung im Frühjahr nun eine andere Reaktion auf die steigenden Corona-Fallzahlen gewünscht. „Mein Restaurant wird mindestens vier Monate in diesem Jahr geschlossen geblieben sein – der dadurch entstandene Umsatzverlust lässt sich doch nie wieder aufholen“, beklagt sich Choikas, der im November eigentlich mehrere Weihnachtsfeiern bekocht hätte.

Das Geld hätte dem Restaurant gutgetan, denn seine Rücklagen hat der Wirt aufgebraucht und einen Kredit will der 33-Jährige nicht aufnehmen. Die von Bundesfinanzminister Olaf Scholz versprochene Entschädigung, die 75 Prozent des Umsatzes aus dem November 2019 betragen soll, kann Choikas also gut gebrauchen. Die 10 000 Euro, die es im Frühjahr vom Staat gab, seien damals eher ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen. „Mit dem Geld konnte ich nicht einmal zwei Monate lang Miete und Stromkosten des Restaurants begleichen“, berichtet Choikas. Ob das Schützenhaus im November Gerichte zum Mitnehmen anbietet, ist noch unklar.

„Dickes Lob “

Definitiv keinen Abholservice plant das Ristorante Arlecchino, da die meisten Kunden nicht aus Lampertheim, sondern der weiteren Umgebung kommen. Inhaber Nunzio Cirami bezeichnet die November-Schließung zwar als „dramatisch“, ist gleichzeitig aber auch froh, dass es nicht den Dezember getroffen hat. „Das ist unser wichtiger Monat“, erklärt er. Cirami geht fest davon aus, dass der Staat eine entsprechende Summe in die Hand nehmen wird, um die Gastronomen zu unterstützen. „Das Land funktioniert gut. Wir werden nicht im Stich gelassen. “, ist sich der Wirt sicher.

Dem Corona-Management der Politik spricht Cirami ein dickes Lob aus: „Ich bin froh, dass ich in Deutschland lebe, in Italien beispielsweise ist die Situation viel schlimmer“. Die mittlere vierstellige Summe, die das Arlecchino in Corona-Schutzmaßnahmen gesteckt hat, sieht der Inhaber als „langfristige Investition“, die sich auch im kommenden Jahr noch rechnen werde.

Auch Georgios Zois hat sich in den letzten Monaten penibel an die Vorschriften gehalten, seine Tische mit viel Abstand zueinander aufgestellt und die Gäste in Kontaktlisten eintragen lassen. Damit ist nun erstmal Schluss, die Küche im griechischen Restaurant Paradies soll aber auch im November nicht kalt bleiben. „Wie schon zu Beginn der Pandemie bieten wir unser Essen wieder zum Mitnehmen an“, kündigt Inhaber Zois an und ist optimistisch, dass er auf diese Art den Kontakt zu seinen Stammkunden halten werde. Gewinne lassen sich so keine erwirtschaften, dafür können eventuell laufende Kosten gedeckt werden. „Dank dem Abholservice bleiben mein Team und ich im Rhythmus. Was sollten wir ohne Arbeit in den nächsten Wochen auch machen?“, fragt sich Zois.

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