Lampertheim

Protest Ortsbauernchef Gerd Knecht hängt Kreuz am Alten Rathaus auf / Bürgermeister: kein Krisenzeichen

Landwirte beklagen Unverständnis

Archivartikel

Lampertheim.Der Protest der Lampertheimer Landwirte geht weiter. Neben dem fortschreitenden Landverbrauch durch Siedlungs- und Verkehrswegebau ist es der mangelnde gesellschaftliche Respekt, den die Bauern beklagen. Auch der Ausbau der erneuerbaren Energien findet keineswegs ihre ungeteilte Zustimmung. Der Vorsitzende des Lampertheimer Bauernverbands, Gerd Knecht, hat zum Zeichen des Protests ein Kreuz am Alten Rathaus angebracht. Es wurde inzwischen wieder entfernt.

Im Zeichen des Kreuzes haben die Lampertheimer Landwirte auch die Bundespolitik, namentlich Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner, ins Visier genommen. „Danke, Julia“, steht auf einem Plakat inmitten von Kreuzen auf einem Ackergelände an der L 3110 etwa in Höhe des Vogelparks. An allem werde den Landwirten die Schuld gegeben, ob an Umweltschäden oder am Insektensterben, findet Ortsbauernchef Knecht im Gespräch mit dem Südhessen Morgen.

Gleichzeitig blieben Produkte, die nicht mit Dünge- und Spritzmitteln erzeugt worden seien, in den Märkten liegen. Woanders würden keine Insektizide eingesetzt, etwa im Oberallgäu. Doch selbst dort sei ein Insektensterben im Gang, meint Knecht. Die Ursachen seien vielfältig, sie könnten nicht allein den Landwirten in die Schuhe geschoben werden. Zumal die Lebensgrundlage der Bauern heute zusehends angegriffen werde. Als Beispiel für Lampertheim nennt Knecht die Planung einer Umgehungsstraße bei Rosengarten, über die der Verwaltungsgerichtshof in Kassel beraten hat (wir berichteten). Aber auch gegen die Planung einer neuen ICE-Trasse haben die Landwirte ihren Protest signalisiert. Sie kritisieren auch das Vorhaben des Lampertheimer Versorgers Energieried, im Bruch eine Photovoltaikanlage zu errichten. Das 2,8 Millionen Euro teure Projekt soll auf einer Fläche von 5,1 Hektar errichtet werden. Die Anlage soll 2022 in Betrieb gehen. Der Haupt- und Finanzausschuss hat sich im August gegen die Stimmen der CDU für das Vorhaben ausgesprochen. „Unter einer solchen Anlage wächst nichts mehr“, klagt Landwirt Knecht. Ebenso findet er, dass eine Verschwenkung von Stromtrassen von Wohnsiedlungen weg nur das Problem verlagere: „Unsere Leute müssen dann unter einer solchen Stromleitung arbeiten.“

Die Position der Landwirte ist Bürgermeister Gottfried Störmer vertraut. Verwaltung und Politik stünden in regelmäßigem Kontakt mit Vertretern des Bauernstandes. Grund für eine Krisensitzung sieht der Verwaltungschef derzeit nicht. Er erkennt für Lampertheim auch keine besonders dramatische Entwicklung, von der die Landwirte betroffen seien.

Bauernchef Gerd Knecht ist dagegen der Auffassung, die Menschen wüssten immer weniger über die Bedingungen und Produktionsweisen in der modernen Landwirtschaft Bescheid. Dies gelte auch für die Vertreter der Politik. Den Schaden hätten auch in diesem Fall die Landwirte. urs

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